Biologie · Klasse 9–10 · aktualisiert
Stammbaum: Evolution und Erbgänge verstehen
Zwei Bedeutungen von Stammbaum: Arten nach Verwandtschaft ordnen und in Familien mögliche Erbgänge prüfen.
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Kurz gesagt
Ein evolutionärer Stammbaum zeigt Hypothesen über gemeinsame Vorfahren von Arten. Ein Familienstammbaum verfolgt Merkmale über Generationen. In beiden Fällen prüfst du Belege und Widersprüche; die Zeichnung allein beweist weder Abstammung noch einen Erbgang.
Das Wort Stammbaum hat in der Biologie zwei Bedeutungen: Ein evolutionärer Stammbaum zeigt Verwandtschaft zwischen Arten, ein Familienstammbaum verfolgt Merkmale über Generationen. In beiden Fällen liest du Verzweigungen und Muster – aber du beantwortest unterschiedliche Fragen. Auf dieser Seite lernst du, beide Stammbaumarten sicher zu unterscheiden, einfache Verwandtschaftshypothesen zu begründen und monogene Erbgänge systematisch zu prüfen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Ein Stammbaum verbindet Einheiten durch Linien und Verzweigungen. Ein evolutionärer Stammbaum ordnet Arten nach vermuteter gemeinsamer Abstammung; ein Familienstammbaum ordnet Personen nach Generationen und verfolgt Merkmale. Die Einheiten bestimmen also die Frage.
Ein evolutionärer Stammbaum ist eine Verwandtschaftshypothese. Vergleiche homologe Merkmale, die auf denselben evolutionären Ursprung zurückgehen. Ein abgeleitetes Merkmal ist gegenüber einem früheren Zustand neu. Teilen Gruppen ein solches homologes Merkmal, stützt das eine gemeinsame Ausgangsart. Äußere Ähnlichkeit allein genügt nicht. Eine monophyletische Gruppe umfasst eine gemeinsame Ausgangsart und alle von ihr abstammenden Gruppen. Arten an den Spitzen bilden keine direkte Ahnenreihe.
Im Familienstammbaum heißt die beobachtbare Ausprägung Phänotyp; die Kombination der Allele für ein betrachtetes Gen heißt Genotyp. Allele sind Varianten eines Gens.
| Stammbaumart | Einheiten | Zentrale Frage |
|---|---|---|
| evolutionärer Stammbaum | Arten oder Artengruppen | Welche Gruppen gehen auf gemeinsame Ausgangsarten zurück? |
| genetischer Familienstammbaum | Personen und Generationen | Wie wird ein Merkmal in einer Familie vererbt? |
Definition
Ausgangsart
Eine Ausgangsart ist eine gemeinsame Vorläuferart, von der sich spätere Gruppen ableiten. In einem evolutionären Stammbaum steht ein Verzweigungspunkt für eine solche gemeinsame Ausgangsart.
Merke: Arten an den Spitzen eines evolutionären Stammbaums sind keine direkte Ahnenreihe. Verzweigungen stehen für gemeinsame Ausgangsarten; neue Belege können die Hypothese ändern.
Teste dich
In einem Familienstammbaum stehen Personen derselben Generation meist in einer Zeile; Generation I steht über Generation II. Ein Kreis bezeichnet in der üblichen Schulsymbolik eine Frau, ein Viereck einen Mann. Ein ausgefülltes Symbol zeigt das untersuchte Merkmal; ein leerer Umriss zeigt es nicht. Ein Punkt im Symbol kann eine Trägerin oder einen Träger eines rezessiven Allels kennzeichnen.
Die Analyse schließt vom beobachtbaren Phänotyp auf mögliche Genotypen. Hier gilt das vereinfachte monogene Modell: Ein betrachtetes Gen entscheidet über das Merkmal. Ein dominantes Allel prägt sich bei einer Kopie aus; ein rezessives Merkmal zeigt sich bei zwei rezessiven Allelen. Eine Person mit nur einem rezessiven Allel kann unauffällig sein und es dennoch weitergeben. Autosomal heißt: Das Gen liegt auf einem Nicht-Geschlechtschromosom. Gonosomal heißt: Es liegt auf einem Geschlechtschromosom; hier betrachten wir X-chromosomale Fälle.
Definition
Dominant und rezessiv
Ein dominantes Allel prägt den Phänotyp bereits aus, wenn es einmal vorhanden ist. Ein rezessives Merkmal erscheint im einfachen Modell erst bei zwei rezessiven Allelen. Eine Person mit einem rezessiven Allel kann daher gesund und trotzdem Trägerin oder Träger sein.
Definition
Autosomal und gonosomal
Bei einem autosomalen Erbgang liegt das betrachtete Gen auf einem Autosom, also nicht auf X oder Y. Bei einem gonosomalen Erbgang liegt es auf einem Geschlechtschromosom; hier betrachten wir X-chromosomale Erbgänge.
Teste dich
Ein einzelnes Indiz beweist den Erbgang selten. Lies den Stammbaum nach Generationen, markiere betroffene Personen und suche nach Generationensprüngen oder betroffenen Kindern nicht betroffener Eltern. Das kann im einfachen Modell auf Rezessivität hinweisen. Vergleiche dann Geschlechter und Übertragungsrichtungen.
Ein Sohn erhält vom Vater das Y-Chromosom, nicht dessen X. Eine sicher nachgewiesene Vater-Sohn-Übertragung des betrachteten Merkmals widerspricht daher einem rein X-chromosomalen Modell. Ähnlich betroffene Geschlechter sind eher mit einem autosomalen Modell vereinbar. Trage nur Genotypen ein, die die Beziehungen erzwingen; sonst bleiben mehrere Möglichkeiten offen.
| Erbgang | Typische Hinweise im einfachen Modell |
|---|---|
| autosomal-dominant | meist in jeder Generation; beide Geschlechter; Vater-Sohn-Übertragung möglich |
| autosomal-rezessiv | kann Generationen überspringen; nicht betroffene Eltern können ein betroffenes Kind haben; beide Geschlechter |
| X-chromosomal-dominant | betroffener Vater gibt sein betroffenes X an alle Töchter, aber an keinen Sohn weiter |
| X-chromosomal-rezessiv | häufig mehr Männer betroffen; Frauen können gesunde Trägerinnen sein; Generationssprünge möglich |
Merke: „Typischer Hinweis“ bedeutet nicht „sicherer Beweis“. Entscheidend ist, welcher Erbgang zu allen bekannten Beziehungen passt.
Beispiel: So gehst du vor
- 1Lies den Stammbaum von oben nach unten und markiere betroffene Personen.
- 2Prüfe, ob das Merkmal jede Generation betrifft oder Generationen überspringt.
- 3Suche nach betroffenen Kindern nicht betroffener Eltern. Das spricht im einfachen Modell für Rezessivität.
- 4Vergleiche die Geschlechter und die Übertragungsrichtung. Ähnlich betroffene Geschlechter sprechen eher für einen autosomalen Erbgang.
- 5Prüfe die Vater-Sohn-Übertragung. Ein Sohn erhält vom Vater das Y-Chromosom, nicht dessen X. Eine Vater-Sohn-Übertragung widerspricht daher einem rein X-chromosomalen Erbgang.
- 6Trage nur Genotypen ein, die durch die Familienbeziehungen erzwungen sind. Lasse mehrere Möglichkeiten stehen, wenn die Daten nicht entscheiden.
Teste dich
Im einfachen autosomal dominant-rezessiven Modell steht A für das dominante und a für das rezessive Allel. AA ist homozygot dominant, Aa heterozygot, aa homozygot rezessiv. Bei einem rezessiven Merkmal sind nur Personen mit aa betroffen; Aa kann das Allel unauffällig weitergeben. Bei einem dominanten Merkmal sind AA und Aa betroffen.
Hat eine betroffene Person mit einem unbetroffenen Partner aa ein unbetroffenes Kind, muss die betroffene Person Aa sein: Das Kind brauchte ein a von beiden Eltern. Ohne diesen Hinweis können AA und Aa möglich bleiben. Dann ergeben AA × aa und Aa × aa verschiedene Wahrscheinlichkeiten, also keine einzelne sichere Prozentangabe. Bei zwei Aa-Trägern ergeben sich im einfachen rezessiven Modell pro Kind 25 % AA, 50 % Aa und 25 % aa; frühere Geburten ändern diese Modellwerte nicht.
Menschen werden nicht gekreuzt, und kleine Stammbäume enthalten wenig Daten. Formuliere deshalb eine begründete Hypothese statt einer Diagnose. Polygene Merkmale passen nicht zuverlässig in dieses Modell. Neue homologe Merkmalsdaten können auch einen evolutionären Stammbaum ändern. Genetische Aussagen verlangen Unsicherheit, Vertraulichkeit und freiwillige Beratung.
Beispiel: Ein X-chromosomaler Modellfall
- 1Xᴬ steht für das unauffällige dominante, Xᵃ für das rezessive Merkmal. Der Vater trägt XᵃY, die Mutter XᴬXᴬ.
- 2Töchter erhalten das Xᵃ des Vaters und Xᴬ der Mutter: Sie sind XᴬXᵃ und im einfachen rezessiven Modell unauffällige Trägerinnen.
- 3Söhne erhalten das Y des Vaters und Xᴬ der Mutter: Sie sind XᴬY und zeigen das Merkmal nicht.
- 4Der Vater gibt sein X nicht an Söhne weiter. Die Modellfolge gilt nur für diese festgelegten Genotypen.
| Eltern | Mögliche Kinder | Dominanter Phänotyp |
|---|---|---|
| AA × aa | alle Aa | 100 % im Modell |
| Aa × aa | Aa oder aa | 50 % im Modell |
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Alles auf einen Blick
Stammbaum
Evolution
Arten, homologe Merkmale, gemeinsame Ausgangsarten
Familie
Personen, Generationen, Phänotypen und mögliche Genotypen
Erbgang
dominant oder rezessiv, autosomal oder X-chromosomal
Prüfung
Muster vergleichen, Widersprüche suchen, Unsicherheit benennen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Mit homologen Merkmalen einen Stammbaum begründen
- 1Die Arten A, B und C teilen das homologe Merkmal M1. Nur B und C teilen zusätzlich das abgeleitete homologe Merkmal M2.
- 2M1 stützt eine ältere gemeinsame Ausgangsart für A, B und C.
- 3M2 stützt einen jüngeren gemeinsamen Verzweigungspunkt für B und C. Deshalb sind B und C in dieser Hypothese enger miteinander verwandt als jeweils mit A.
- 4B stammt dabei nicht direkt von A ab. Neue widersprechende Merkmalsdaten würden eine erneute Prüfung der Hypothese verlangen.
Fehler finden
Eine bestätigte Vater-Sohn-Übertragung deuten In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Richtig: Eine sichere Vater-Sohn-Übertragung widerspricht einem rein X-chromosomalen Erbgang, weil der Sohn das väterliche X nicht erhält.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Im evolutionären Stammbaum stehen an den Spitzen . Ein geteiltes abgeleitetes Merkmal stützt eine Verwandtschaftshypothese. Eine sichere Vater-Sohn-Übertragung widerspricht einem rein Erbgang.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
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