Biologie · Klasse 12–13 · aktualisiert
PCR: Ablauf, Primer und Auswertung einfach erklärt
Du lernst die Bestandteile und Temperaturphasen der PCR kennen und deutest Produkte, Kontrollen und Grenzen der Methode.
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Kurz gesagt
Die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) vervielfältigt einen durch zwei Primer begrenzten DNA-Abschnitt außerhalb einer Zelle. Jeder Zyklus trennt die Stränge, bindet Primer und verlängert sie. Kontrollen helfen, ein Nachweissignal richtig einzuordnen.
Die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) vervielfältigt einen ausgewählten DNA-Abschnitt außerhalb einer Zelle. Dazu wechseln drei Temperaturphasen immer wieder: Die DNA-Stränge trennen sich, passende Primer binden und eine hitzestabile Polymerase ergänzt neue Stränge.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Ist von einem DNA-Abschnitt zu wenig Material vorhanden, erzeugt die PCR viele Kopien davon. Zwei passende Primer begrenzen den ausgewählten Bereich. Für die Reaktion brauchst du eine DNA-Probe mit dem Zielabschnitt als Vorlage, zwei unterschiedliche Primer als Startpunkte und freie Nukleotide mit Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin als Bausteine. Dazu kommen eine hitzestabile DNA-Polymerase, oft Taq-Polymerase, Puffer und Magnesium-Ionen für geeignete Bedingungen sowie ein Thermocycler für den Temperaturwechsel.
Taq-Polymerase stammt ursprünglich aus dem wärmeliebenden Bakterium Thermus aquaticus. Ihre Hitzestabilität ist wichtig, weil die Reaktion wiederholt stark erhitzt wird.
Definition
PCR
PCR steht für „polymerase chain reaction“, auf Deutsch Polymerase-Kettenreaktion. Es ist ein enzymatisches In-vitro-Verfahren: Ein ausgewählter DNA-Abschnitt wird außerhalb eines Organismus in einem Reaktionsgefäß vervielfältigt.
Teste dich
Ein PCR-Zyklus hat drei Schritte. Die genauen Temperaturen hängen unter anderem von Primern und Polymerase ab. Bei der Denaturierung (typisch etwa 94–96 °C) trennen sich die DNA-Stränge, weil Wasserstoffbrücken zwischen komplementären Basen gelöst werden. Bei der Primerhybridisierung (etwa 50–65 °C, auch Annealing) binden die Primer beim Abkühlen an passende Stellen. Bei der Elongation (etwa 68–72 °C) verlängert die Polymerase die gebundenen Primer. Sie fügt passende Nukleotide an deren 3′-Ende an; der neue Strang wächst in 5′→3′-Richtung.
Ein Primer ist ein kurzer künstlich hergestellter DNA-Einzelstrang. Seine Basenfolge muss zur Bindestelle komplementär sein. Die beiden Vorlagenstränge sind entgegengesetzt orientiert und brauchen deshalb zwei unterschiedliche Primer. Die Polymerase beginnt nicht frei an einer beliebigen Stelle, sondern verlängert einen gebundenen Primer. Die Primer zeigen auf den Abschnitt zwischen ihnen. Für einen gezielten Entwurf müssen die Sequenzen an dessen Grenzen bekannt sein. Ungeeignete Primer oder Bindebedingungen können fehlende oder zusätzliche unerwünschte Produkte verursachen.
Beispiel
- 1Zu Beginn liegt ein DNA-Doppelstrang mit dem Zielabschnitt vor.
- 2Nach dem Erhitzen sind seine Einzelstränge getrennt.
- 3Beim Abkühlen bindet an jeden Vorlagenstrang ein passender Primer.
- 4Die Taq-Polymerase ergänzt von diesen Startpunkten aus die jeweils komplementären Stränge.
- 5Im idealisierten Fall liegen danach zwei DNA-Doppelstränge vor, die im nächsten Zyklus wieder als Vorlagen dienen.
Merke: Hohe Temperatur trennt die DNA-Stränge. Bei niedrigerer Temperatur binden Primer, danach verlängert die Polymerase neue Stränge.
Beispiel
- 1Soll nur Abschnitt B aus einer längeren DNA mit den Bereichen A–B–C vervielfältigt werden, wird ein Primer vor B und der zweite auf dem Gegenstrang hinter B gewählt.
- 2Binden beide passend, entsteht in den folgenden Zyklen überwiegend DNA mit den durch diese Bindestellen festgelegten Grenzen.
- 3Ein Primerpaar für andere Bindestellen würde ein anderes Produkt erzeugen.
Teste dich
Die Produkte eines Zyklus dienen im nächsten Zyklus selbst als Vorlagen. Wenn jedes passende DNA-Molekül in jedem Zyklus vollständig verdoppelt wird, gilt für ein Ausgangsmolekül das Idealmodell N = 2^n. Dabei ist n die Zyklenzahl und N die Zahl der DNA-Doppelstränge. Nach vier Zyklen wären es 16; nach 30 Zyklen rechnerisch 1.073.741.824, also etwa 1,07 Milliarden.
Das Modell setzt vollständige Verdopplung in jedem Zyklus voraus. In der Praxis begrenzen Reaktionsbedingungen und Effizienz die Ausbeute; 2^n ist keine Garantie für eine tatsächlich gemessene Molekülzahl.
| Zyklen n | Idealisierte Anzahl N |
|---|---|
| 0 | 1 |
| 1 | 2 |
| 2 | 4 |
| 3 | 8 |
| 10 | 1.024 |
| 30 | 1.073.741.824 |
Merke: 2^n ist ein Idealmodell, keine Garantie für die tatsächlich erhaltene Menge. Es setzt voraus, dass die Verdopplung in jedem Zyklus vollständig gelingt.
Teste dich
Viele Kopien allein sind noch keine Auswertung. Ein Agarosegel kann PCR-Fragmente nach ihrer Länge trennen: Negativ geladene DNA wandert zum Pluspol, kürzere Fragmente gelangen im selben Gel weiter. Eine Bande zeigt eine Fragmentlänge an, bestimmt aber für sich allein weder die gesamte Probe noch deren Herkunft. qPCR misst während der Zyklen ein Fluoreszenzsignal der entstehenden DNA. Soll RNA untersucht werden, schreibt bei der RT-PCR eine Reverse Transkriptase sie zunächst in komplementäre DNA (cDNA) um. Erst danach vervielfältigt PCR die cDNA.
Eine Positivkontrolle enthält den Zielabschnitt und sollte ein Signal liefern; bleibt es aus, kann die Reaktion fehlerhaft sein. Eine Negativkontrolle enthält keinen Zielabschnitt und sollte kein Zielsignal zeigen; ein Signal dort verlangt die Prüfung auf Verunreinigung oder unspezifische Reaktion. Ein Probensignal ist nur mit passenden Kontrollen und zur gestellten Frage deutbar.
PCR dient etwa der Erregerdiagnostik, der Untersuchung von Erbkrankheiten, Forensik, Verwandtschafts- und Evolutionsforschung sowie der Vorbereitung von Sequenzierungen und gentechnischen Schritten. Sie kopiert nur den durch Primer ausgewählten Bereich, nicht das ganze Genom. Gezielte Primer brauchen bekannte Binderegionen. Ungewollte Fragmente können entstehen und bei Bedarf mit einem Gel nach Länge getrennt werden. Ein Signal zeigt den Zielabschnitt unter den Versuchsbedingungen; seine Bedeutung hängt von Frage, Kontrollen und Auswertung ab. Für die Länge eignet sich ein Gel, für die Produktmenge während der Reaktion qPCR. Auch bei vielen Zyklen bleibt 2^n nur das Modell vollständiger Verdopplung.
Beispiel
- 1Eine Probe und die Positivkontrolle zeigen eine Bande in der erwarteten Länge; die Negativkontrolle zeigt keine Bande.
- 2Das Ergebnis spricht dafür, dass der Zielabschnitt in der Probe vervielfältigt wurde und die Kontrolle keine erkennbare Verunreinigung anzeigt.
- 3Es beantwortet aber nur die gestellte Nachweisfrage und ersetzt keine weitergehende Beurteilung der Probe.
Teste dich
Alles auf einen Blick
PCR
Zweck
ausgewählten DNA-Abschnitt vervielfältigen
Bestandteile
Vorlage, zwei Primer, Nukleotide, Taq-Polymerase
Temperaturzyklus
Denaturierung, Primerhybridisierung, Elongation
Wachstum
idealisiert N = 2^n
Auswertung
Gelelektrophorese oder qPCR mit Kontrollen
Grenzen
bekannte Binderegionen und fragengerechte Interpretation
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Idealwert für zwei Ausgangsmoleküle
- 1Zu Beginn liegen zwei DNA-Doppelstränge mit dem Zielabschnitt vor.
- 2Im Idealmodell verdoppelt jeder Zyklus alle passenden Moleküle vollständig.
- 3Nach einem Zyklus sind es 4, nach zwei Zyklen 8 und nach drei Zyklen 16.
- 4Das ist ein Rechenmodell; eine reale PCR kann eine geringere Ausbeute liefern.
Fehler finden
PCR-Zyklus in der richtigen Reihenfolge In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Richtig: Die Polymerase verlängert gebundene Primer am 3′-Ende; der neue Strang wächst in 5′→3′-Richtung.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Bei der werden die DNA-Stränge getrennt. Danach binden bei der die Primer. In der ergänzt die Polymerase neue DNA-Stränge.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback