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Zuihitsu

Das Zuihitsu ist eine sehr heterogene Form der Erörterung, die von subjektiver Erfahrung und Reflexion geprägt ist. Die Zuihitsu-Literatur ist mit dem Essay in …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Abgrenzung zum Essay und zur Wissenschaft
  3. 3. Form und Aufbau
  4. 4. Themen und Darstellungsweise
  5. 5. Repräsentative Werke

Begriff und Bedeutung

Zuihitsu (japanisch 随筆) bezeichnet eine für Japan spezifische literarische Form, die auf Deutsch meist als „Miszellenliteratur“ oder „Essay“ bezeichnet wird. Sie ist eine sehr heterogene, also vielfältig gestaltbare Form der Erörterung. Im Mittelpunkt stehen subjektive Erfahrungen, persönliche Eindrücke und Reflexionen. Wörtlich übersetzt bedeutet Zuihitsu „dem Pinsel folgend“.

Das Zuihitsu ist mit dem europäischen und amerikanischen Essay vergleichbar. Seine Formkriterien und möglichen Themen sind jedoch loser und breiter. Es folgt keiner streng durchkomponierten Argumentation, sondern kann Gedanken, Beobachtungen und Erzählungen frei miteinander verbinden.

Abgrenzung zum Essay und zur Wissenschaft

Das Zuihitsu entstand bereits im ausgehenden 10. Jahrhundert. Der europäische Essay entwickelte sich dagegen erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts: 1580 erschienen in Bordeaux die ersten beiden Bände von Michel de Montaignes Essais, 1597 veröffentlichte Francis Bacon seine Essayes. Der Essay bildete ein Gegengewicht zur wissenschaftlichen Abhandlung und zum Traktat.

Zuihitsu und Essay unterscheiden sich gleichermaßen von wissenschaftlichen Arbeiten. Eine wissenschaftliche Arbeit will mithilfe von Daten und Fakten überzeugen oder belehren. Sie verwendet Empirie, also systematisch gewonnene Erfahrungen und Beobachtungen, um möglichst objektive und wiederholbare Ergebnisse darzustellen.

Zuihitsu und Essay arbeiten dagegen in „methodisch unmethodischer“ Weise nach dem „Gesetz der losen Verknüpfung“. Ihre Gedanken müssen nicht streng systematisch aufeinander aufbauen. Beide Formen können stilistisch kunstvoll sein und zahlreiche rhetorische Figuren und Tropen, also bildhafte Ausdrucksweisen, verwenden. Sie richten sich an Leser, die mit dem geschilderten Gegenstand vertraut sind, und brechen häufig gewohnte Denkmuster auf.

Form und Aufbau

Ein Zuihitsu hält spontane Eingebungen, persönliche Eindrücke, Erfahrungen und Überlegungen skizzenhaft fest. Sein Umfang kann stark variieren: Er reicht von einer einzelnen Wortnotiz oder Sentenz, also einem kurzen einprägsamen Ausspruch, bis zu einer längeren Erörterung.

Die einzelnen Teile müssen weder einer durchgängigen Handlung noch einer streng geordneten Argumentation folgen. Seit der Edo-Zeit kann das Zuihitsu zunehmend auch den Charakter eines Tagebuchs (日記, Nikki) annehmen.

Themen und Darstellungsweise

Zuihitsu-Literatur verarbeitet häufig persönliche Erfahrungen und das Lektürewissen der Autoren. Sie enthält Eindrücke und spekulative Gedanken. Darin unterscheidet sie sich von der Prosa (散文, Sambun), die laut Artikel stärker durch planendes Denken und das sorgfältige Durchkomponieren einer Idee geprägt ist.

Die Texte können anekdotenhaft und erzählerisch sein. Sehr unterschiedliche Themen dürfen nebeneinanderstehen und eher durch Assoziationen als durch einen engen inhaltlichen Zusammenhang verbunden sein. Eine fortlaufende Handlung ist nicht erforderlich.

Während der Edo-Zeit verfassten vor allem Samurai und Bürger Zuihitsu. Die Themen waren entsprechend vielschichtig und umfassten beispielsweise Natur- und Menschenleben, Gesellschaftskritik, Wissenschaft, Philosophie, Literaturtheorie und weitere Gegenstände. Ein Beispiel ist Kagetsu sōshi (花月双紙, „Notizen bei Kirschblüten und Vollmondnacht“) von Matsudaira Sadanobu (1758–1829).

Repräsentative Werke

Als prototypisch gelten die Werke der „Drei großen japanischen Zuihitsu-Schreiber“ (日本三大随筆, Nihon Sandai Zuihitsu): Sei Shōnagons Makura no Sōshi (枕草子, „Kopfkissenbuch“), Kamo no Chōmeis Hōjōki (方丈記, „Aufzeichnungen aus enger Klause“) und Yoshida Kenkōs Tsurezuregusa (徒然草, „Betrachtungen aus der Stille“).

Weitere repräsentative Beispiele sind Motoori Norinagas Tamakazuma (玉勝間), Arai Hakusekis Oritaku shiba no ki (折たく柴の記) und Shiojiri (塩尻) von Amano Sadakage (1663–1733).

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