Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Zollstock (Messgerät)
Ein Zollstock, fachsprachlich Gliedermaßstab, auch Zollstab oder Meterstab genannt, ist ein Messgerät zur Bestimmung von Längen bis zu vier Metern, …
Inhalt5 Abschnitte
Definition und Aufbau
Ein Zollstock heißt fachsprachlich Gliedermaßstab; weitere Bezeichnungen sind Zollstab, Meterstab, Metermaß, Doppelmeter, Klappmeter, Schmiege und Gelenkgliedermaßstab. Er dient zur Bestimmung von Längen bis zu vier Metern. Die übliche Gesamtlänge beträgt zwei Meter.
Das Messgerät besteht aus kurzen Streifen aus Holz, Kunststoff oder Metall. Genietete Achsen verbinden die Streifen an ihren Enden, sodass sich der Maßstab zusammenlegen lässt. Ein gewöhnlicher Zwei-Meter-Zollstock besitzt zehn Glieder und ist zusammengeklappt etwa 23 bis 25 Zentimeter lang. Modelle mit einem Meter Gesamtlänge lassen sich je nach Gliederzahl auf ungefähr 11 oder 21 Zentimeter verkürzen; daneben existieren unter anderem Drei-Meter-Ausführungen und ein Miniatur-Meterstab mit 50 Zentimetern Gesamtlänge und zehn Gliedern zu je 5 Zentimetern.
Früher war die Skala in Zoll eingeteilt; daher stammt die weiterhin gebräuchliche Bezeichnung Zollstock. Später trugen Vorder- und Rückseite teilweise eine Zoll- beziehungsweise Millimeterskala. In Kontinentaleuropa sind heutige Gliedermaßstäbe normalerweise metrisch in Millimeter und Zentimeter eingeteilt. Der Ausdruck Metermaß kann allerdings auch andere einfache Messgeräte bezeichnen, etwa das meist 1,5 Meter lange Maßband für Textilien.
Genauigkeitsklassen und Kennzeichnungen
Die Genauigkeit von Längenmessgeräten wird nach der EG-Richtlinie 2004/22/EG in Klassen angegeben. Die Genauigkeitsklasse steht zusammen mit weiteren Kennzeichnungen am Anfang der Maßskala.
Die positive oder negative Fehlergrenze in Millimetern wird mit der Formel a + b × L berechnet. Dabei ist L die zu messende Länge, aufgerundet auf den nächsten vollen Meter. Für Klasse I gelten a = 0,1 mm und b = 0,1 mm/m, für Klasse II a = 0,3 mm und b = 0,2 mm/m und für Klasse III a = 0,6 mm und b = 0,4 mm/m.
Nach 2004/22/EG gekennzeichnete Zollstöcke tragen außerdem das CE-Zeichen. Darauf folgt ein Rechteck mit dem Buchstaben M und zwei Ziffern, die sogenannte Metrologie-Kennzeichnung. Die Ziffern nennen die letzten beiden Stellen des Jahres, in dem die Kennzeichnung angebracht wurde; gewöhnlich entspricht dies dem Herstellungsjahr. Anschließend steht die Kennnummer der benannten Stelle. Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt führt eine Liste der in Deutschland benannten Stellen.
Zusätzliche Skalen und Winkelmessung
Vorder- und Rückseite eines Zollstocks können unterschiedliche Skalen tragen. Tischler und Zimmerer verwenden beispielsweise teilweise eine metrische Einteilung auf einer Seite und Zollmaße auf der anderen, weil Holzstärken häufig in Zoll angegeben werden.
Sonderausführungen ermöglichen außerdem einfache Winkelmessungen. Eine Variante zeigt beispielsweise 30° bis maximal 150°, eine andere vorgegebene Winkel von 45°, 60°, 75° und 90°. Weitere Skalen dienen zur Fliesenteilung oder zur Umrechnung zwischen Durchmesser und Umfang bei einer Blechabwicklung; dabei werden die Skalenwerte um den Faktor π verändert.
Besondere Varianten
Sehr selten sind Zollstöcke mit einem verschiebbaren Tiefenmaß, einer sogenannten Tirette. Dieses ähnelt dem Tiefenmaß eines Messschiebers und besteht aus einem ungefähr 5 mm breiten, 1 mm starken und etwas über 15 cm langen Metallstreifen mit eingeprägter Skala. Am oberen Ende befindet sich ein kleiner Knebel von etwa 2 mm Durchmesser. Der Streifen läuft in einer gefrästen Nut am Ende des Meterstabes und kann herausgeschoben werden, um etwa die Tiefe einer Sackbohrung zu messen.
Diese Bauform setzte sich kaum durch: Ihre Fertigung ist aufwendig, zugleich misst sie weniger genau als ein echter Messschieber. Tiefenmessungen werden vor allem im Metallbereich benötigt, in dem herkömmliche Zollstöcke eher unüblich sind. Im Pétanque bezeichnet Tirette außerdem ein Messgerät, das verwendet wird, wenn sich der Abstand von mindestens zwei Spielkugeln zur Zielkugel nicht mit dem Bandmaß bestimmen lässt.
Für Linkshänder gibt es Zollstöcke mit umgekehrter Bedruckung. Bei einem gewöhnlichen Modell stehen die Zahlen auf dem Kopf, wenn es in der linken Hand gehalten wird; die besondere Beschriftung gleicht dies aus.
Entwicklung und verwandte Messgeräte
Klapp- und Faltmaßstäbe aus Bronze, Messing oder Holz waren bereits in römischer Zeit bekannt. Diderots Encyclopédie zeigte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts genietete Gelenkmaßstäbe in einer Form, die heutigen Modellen ähnelt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kamen Federn im Gelenk hinzu, die den Maßstab sowohl gestreckt als auch gefaltet arretieren. Franz und Anton Ullrich aus Maikammer ließen 1886 nach mehr als 30 Jahren Entwicklungsarbeit ein solches Federgelenk patentieren; 1889 erregte der Klappmeter auf der Pariser Weltausstellung große Aufmerksamkeit. Im selben Jahr gründete Gustav Ullrich in Annweiler am Trifels das Unternehmen Stabila. Etwa gleichzeitig entwickelte Karl-Hilmer Johansson Kollén in Schweden einen Klappmaßstab mit schwedischem Zollmaß und der damals neu eingeführten Zentimeterskala.
Andere Geräte erfüllen verwandte Aufgaben: Im Textilhandel dient eine meist in Zentimeter eingeteilte starre Schneiderelle zum Abmessen von Stoffballen. Holzfäller verwenden starre Metermaße, um einen Meter lange Scheite zuzuschneiden. Flexible Maß-, Mess- oder Bandmaße aus Stoff, Kunststoff oder Stahl lassen sich aufrollen und werden in unterschiedlichen Längen angeboten. In der Vermessungstechnik wurden meist drei oder fünf Meter lange Messlatten benutzt. Klappbare, steckbare oder teleskopisch ausfahrbare Nivellierlatten dienen in Geodäsie und Bauwesen zur Bestimmung von Höhendifferenzen. Historische Markierungen an Kirchen und Rathäusern nahe früheren Marktplätzen zeigen zudem regional übliche starre Verkaufsgrundmaße.