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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Zellerau

Die Zellerau ist ein Stadtbezirk und gleichzeitig ein Stadtteil der kreisfreien Stadt Würzburg im bayerischen Regierungsbezirk Unterfranken.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Lage
  2. 2. Frühe Siedlung und Klöster
  3. 3. Industrie, Verkehr und Stadtentwicklung
  4. 4. Kasernen und Kirchen
  5. 5. Bildung
  6. 6. Kultur und Einrichtungen

Überblick und Lage

Die Zellerau ist ein Stadtbezirk und zugleich ein Stadtteil der kreisfreien Stadt Würzburg im bayerischen Regierungsbezirk Unterfranken. Sie liegt links des Mains und gehört zur Stadt Würzburg. Angegeben werden die Koordinaten 49° 47′ 39″ N, 9° 54′ 36″ O, eine Höhe von 180 m ü. NHN, eine Fläche von 3,26 km² und 11.962 Einwohner am 31. Dezember 2021. Daraus ergibt sich eine Bevölkerungsdichte von 3669 Einwohnern pro km². Die Postleitzahl ist 97082, die Vorwahl 0931.

Verkehrlich ist die Zellerau über die Bundesstraßen B8 und B27 sowie über die Straßenbahnlinien 2 und 4 angebunden. Außerdem verkehren mehrere Buslinien, darunter 7, 9, 22, 18 und 47–54. Nach dem Zweiten Weltkrieg galt die Zellerau zeitweise als sozialer Brennpunkt, entwickelte sich aber dank guter Wohnraum- und Verkehrsinfrastruktur zu einem bevorzugten Stadtteil Würzburgs.

Frühe Siedlung und Klöster

Auf dem Gebiet der Zellerau wurden die ältesten Spuren einer Siedlung in Würzburg gefunden. Dazu gehören Reste einer Fliehburg auf dem Marienberg aus der Zeit um ca. 1000 v. Chr., eine wahrscheinlich über 4000 Jahre alte Steinaxt und weitere Fundstücke aus der Bronzezeit. Bei der Verlegung von Wasserrohren unter der Frankfurter Straße im Jahr 1899 entdeckte man außerdem die ältesten Germanengräber in Würzburg aus den ersten Jahrzehnten nach Christus.

Im Mittelalter entstanden wichtige kirchliche Einrichtungen in der Umgebung: 1133 wurde das Benediktinerkloster St. Jakob auf dem Schottenanger gegründet, der heute zum Mainviertel gehört. 1250 folgte das Zisterzienserkloster Himmelspforten. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden die Schönbornschen Befestigungen der Festung erbaut. Sie trennten die innerhalb der Befestigung liegenden Siedlungen, das heutige Mainviertel, von den weiter außen liegenden Siedlungen, der heutigen Zellerau.

Industrie, Verkehr und Stadtentwicklung

Zwischen 1714 und 1719 entstanden im Norden der Zellerau drei landwirtschaftliche Gutshöfe: Gut Moschee, Gut Moskau und Gut Talavera. Das Gut Talavera wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu einem Ausflugslokal umgestaltet. Bis 1927 kaufte die Stadt Würzburg die Grundstücke dieser Güter auf. Das historische Gutshaus Moschee wurde 1935 ersetzt; an seine Stelle knüpft heute das Domizil der Würzburger Werkstätten im Moscheeweg an. Das Gutshaus Moskau ist heute ein Wohnhaus in der Eiseneckstraße 7. Das Gutshaus Talavera ist heute das Gasthaus im Biergarten Talavera, das 2013 nach langjähriger Renovierung fertiggestellt wurde.

Größerer Wohnungsbau begann Ende des 19. Jahrhunderts, nachdem 1870 die linksmainische Befestigung am Zeller Tor geöffnet worden war. Zunächst wurde vor allem an der Frankfurter Straße gebaut. Gleichzeitig entwickelte sich die Zellerau zu einem wichtigen Industriestandort. Die Firma Koenig & Bauer nahm 1873 Produktionshallen für Druckmaschinen in der Frankfurter Straße 141 und auf dahinterliegenden Gewerbeflächen in Betrieb, nachdem der Gründungsstandort Kloster Oberzell seit 1851 aus Platzmangel schrittweise verlassen worden war. 1876 wurde die Königliche Brauerei, später Brauhaus AG und ab 1934 Aktiengesellschaft Würzburger Hofbräu, aus dem Mainviertel an die heutige Höchberger Straße verlegt. Sie exportierte europaweit und ab 1887 auch in die USA und wurde zum zweitgrößten Industriebetrieb der Zellerau. 1886 kam die Brauerei des später Würzburger Bürgerbräu genannten Unternehmens in der unteren Frankfurter Straße hinzu. Weitere Betriebe waren die Malzfabrik Geys ab 1901 in der Frankfurter Straße 81, Johann Rüttingers Dampfwaschanstalt ab 1878 in der Weißenburgstraße, Anton Boeglers Verlagsdruckerei ab 1887 in der Frankfurter Straße und die Möbelfabrik Fritz Seitz ab 1896 in der Frankfurter Straße 12.

1890 wurde die damals 7. Kompanie der Freiwilligen Feuerwehr Würzburg in der Zellerau gegründet. Sie besteht heute als Löschzug 4 in der Daimlerstraße 10. Ab September 1900 verband eine elektrische Straßenbahn die Zellerau mit Altstadt und Hauptbahnhof. Sie führte über die neu entstandene Luitpoldbrücke bis zum Bürgerbräu und ab dem 6. November 1900 weiter bis zum Kloster Oberzell. Am 25. Mai 1927 wurde sie als zweite Würzburger Straßenbahnlinie erneut eröffnet.

Um 1900 hatte die Zellerau etwa 4300 zivile Einwohner in 1000 Haushalten. Nach dem Ersten Weltkrieg begann eine intensive Bebauung ehemals landwirtschaftlicher Flächen, besonders im Bereich Fröhlichstraße, Jägerstraße und Hartmannstraße. Die seit März 2010 gesperrte Zufahrtsstraße „Zeller Bock“ wurde am 21. April 2016 wieder für den Verkehr geöffnet.

Kasernen und Kirchen

1904 begann das Bayerische Militär mit dem Bau einer Artilleriekaserne, die heute von der Bayerischen Bereitschaftspolizei genutzt wird. Bis 1910 entstanden an der Weißenburgstraße weitere Kasernen. 1935 und 1936 wurden zwei zusätzliche Kasernen eröffnet, wodurch sich das Kasernengebiet auf Kosten von Gärtnereien bis zum Kloster Himmelspforten ausdehnte. Dies führte am 31. März 1945 noch zu einem Luftangriff auf die Zellerau. Die Demilitarisierung der Fläche etwa 50 Jahre später ermöglichte eine breitere Nutzung des Gebiets. Heute befinden sich dort unter anderem das Friedrich-Koenig-Gymnasium und ein städtisches Jugendzentrum.

In der Zellerau gibt es zwei katholische Kirchen. Die Pfarrei Heiligkreuz wurde 1935 als erste selbstständige Pfarrei der Zellerau errichtet, nachdem 1934 die Kirche Heiligkreuz gebaut worden war. Sie wurde in zwei Schritten von der Mutterpfarrei St. Burkard abgetrennt. Zunächst war am 1. Mai 1921 die Seelsorgsstelle St. Jakob in der Schottenangerkirche eingerichtet worden; 14 Jahre später folgten der Bau von Heiligkreuz und die endgültige Errichtung der eigenständigen Pfarrei. Wegen des starken Wachstums des Stadtviertels durch Flüchtlingsströme nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1954 für die äußere Zellerau die Kuratie St. Elisabeth eingerichtet und von Heiligkreuz abgetrennt. 1955 wurde die Kirche St. Elisabeth geweiht und die Kuratie zur eigenen Pfarrei erhoben. Seit 2022 sind Heiligkreuz und St. Elisabeth mit St. Burkard zu einer Pfarreiengemeinschaft zusammengeschlossen.

Für die evangelische Gemeinde dient seit 1923 die Deutschhauskirche unweit der Schottenangerkirche. Zur Versorgung der Flüchtlingsströme wurde 1961 die Erlöserkirche eröffnet, ein Entwurf von Olaf Andreas Gulbransson. Sie steht seit 1996 unter Denkmalschutz. Die Kirchengemeinde wurde 1965 selbstständig, später zeitweise um Zell, Margetshöchheim und Erlabrunn erweitert. Diese Orte wurden zum 1. Januar 2011 wieder pfarrlich selbstständig; gleichzeitig wurde der Gemeindeteil Erlöserkirche mit der Deutschhauskirche zur Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Deutschhaus-Erlöser wiedervereinigt.

Bildung

Die Zellerau besitzt mehrere Bildungseinrichtungen. Die Mittelschule Zellerau wurde als Zellerauer Schule 1909 begonnen und 1910 eröffnet, nachdem bereits 1900 und 1904 Schulbaracken entstanden waren. Außerdem gibt es die Grundschule Zellerau, die Fanny-König-Grundschule, früher Adalbert-Stifter-Volksschule, mit Grundschule Friedrichstraße und Außenstelle Schorkstraße.

Weitere Schulen im Stadtteil sind das Deutschhaus-Gymnasium, das Friedrich-Koenig-Gymnasium, die Christopherus-Schule, die Jakob-Stoll-Realschule, die Staatliche Feuerwehrschule Würzburg, die Elisabeth-Weber-Schule und die Friedensreich Hundertwasser-Schule in der Schorkstraße, das ehemalige Sonderpädagogische Förderzentrum Würzburg. 1968 wurde außerdem die Johannes-Foersch-Schule als zweite Schule für Lernbehinderte in der Zellerau eröffnet.

Kultur und Einrichtungen

Ein wichtiger Kultur- und Veranstaltungsort ist die Talavera, der große Festplatz von Würzburg. Sie liegt am östlichen Rand der Zellerau am linken Mainufer zwischen der Friedensbrücke und der Brücke der Deutschen Einheit. Die Talavera wird auch als Park&Ride-Parkplatz genutzt.

Von 1986 bis 2013 fand auf den Mainwiesen vor der Talavera jährlich Ende Mai das viertägige Africa Festival statt, ab 2014 dann in der Würzburger Innenstadt. Mit bis zu über 120.000 Besuchern pro Jahr gilt es als ältestes und größtes Afrika-Festival in Europa. Ebenfalls auf den Talavera-Mainwiesen findet das Musikfestival Umsonst und draußen statt, das zum Sommeranfang beginnt.

1999 richtete der Pädagoge und langjährige Rektor der Zellerauer Hauptschule Oskar Vogel die Zellerauer Kulturtage ein. 2017 wurden sie von Oskar Vogel, Gunther Schunk, Johannes Engels, Andy Sauerwein und Steffen Deeg organisiert. Als weitere Einrichtung befindet sich in der Luitpoldstraße eine Dienststelle des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL).

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