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Wir machen Musik

Wir machen Musik (Untertitel Eine kleine Harmonielehre) ist ein deutscher Revuefilm von Helmut Käutner. Als Drehbuchvorlage dienten das Lustspiel Karl III.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Handlung
  3. 3. Entstehung und Musik
  4. 4. Veröffentlichung und spätere Fassungen
  5. 5. Bewertung
  6. 6. Auszeichnungen

Überblick

Wir machen Musik ist ein deutscher Revuefilm von Helmut Käutner aus dem Jahr 1942. Der Untertitel lautet Eine kleine Harmonielehre. Ein Revuefilm verbindet eine Spielhandlung mit Musik-, Gesangs- und Tanznummern. Der Film ist auf Deutsch, hat eine Länge von 85 Minuten, ursprünglich 95 Minuten, und erhielt später eine FSK-Freigabe ab 16 Jahren.

Das Drehbuch schrieben Erich Ebermayer und Helmut Käutner. Als Vorlage dienten das Lustspiel Karl III. und Anna von Österreich von Manfried Rössner sowie Motive von Erich Ebermayer. Produziert wurde der Film von Terra Film unter Hans Tost. Die Musik stammt von Peter Igelhoff und Adolf Steimel, die Kamera führte Jan Roth, den Schnitt übernahm Helmuth Schönnenbeck.

Im Mittelpunkt stehen Ilse Werner als Anni Pichler und Viktor de Kowa als Karl Zimmermann. Weitere wichtige Rollen spielen Edith Oss, Grethe Weiser, Georg Thomalla und Rolf Weih. Der Film gilt als Schlagerkomödie über ein junges Musikerpaar, dessen private Beziehung eng mit einem musikalischen Konflikt verbunden ist: ernste Musik, also Oper und klassische Komposition, steht der Unterhaltungsmusik, besonders Schlager und jazznaher Revue-Musik, gegenüber.

Handlung

Karl Zimmermann ist ein bekannter Schlagerkomponist und seit vier Jahren glücklich mit der Schlagersängerin Anni Pichler verheiratet. Eigentlich wollte Karl Opernkomponist werden. Zu Beginn seiner Laufbahn spielte er jedoch aus Geldnot als Pianist unter dem Namen „Charly Zimm“ im Café Rigoletto.

Nach seiner Kündigung arbeitet Karl zunächst als Klavierlehrer. Später vertritt er einen Professor und unterrichtet Harmonielehre für Anfänger. Harmonielehre bedeutet hier die Lehre davon, wie Töne und Akkorde musikalisch zusammenwirken. In diesem Unterricht lernt er Anni Pichler kennen. Sie tritt im Café Rigoletto erfolgreich als Sängerin und Pianistin mit der von Franz Sperling geleiteten Damenkapelle Die Spatzen auf. Außerdem kann sie ungewöhnlich gut pfeifen.

Karl hält Annis musikalisches Talent für falsch eingesetzt und gibt ihr deshalb privaten Nachhilfeunterricht in seiner Junggesellenwohnung. Annis lebhafte Art bringt Schwung in sein Leben. Karl verliebt sich in sie und schreibt einen Heiratsantrag auf die schmutzige Fensterscheibe.

Trotz ihrer Ehe bleiben die musikalischen Gegensätze bestehen. Karl sieht sich weiterhin als zukünftigen großen Opernkomponisten und behandelt Anni herablassend, weil sie Schlagermusik komponiert. Als seine Oper Lucrezia Borgia endlich aufgeführt wird, endet die Premiere in einem vollständigen Misserfolg. Danach lässt Karl sich widerwillig vom Musikverleger Peter Schäfer überreden, Annis neue Show zu orchestrieren, also musikalisch für ein größeres Ensemble auszuarbeiten. Die Revue wird ein großer Erfolg. Erst danach erfährt Anni, dass Karl die Arrangements geschrieben hat. Das Paar findet wieder zusammen.

Am Ende schließt Karl die Jalousien des Appartements und spricht direkt zum Publikum. Er weist auf die damalige Verdunkelungspflicht hin, weil es sonst „eine Anzeige“ gebe. Damit verweist der Film auf die Kriegszeit, in der Fenster nachts wegen möglicher Luftangriffe verdunkelt werden mussten.

Entstehung und Musik

Die Dreharbeiten begannen am 2. Juni 1942 im Ufa-Atelier in Berlin-Tempelhof. Die Außenaufnahmen entstanden im Juli 1942 in Prag. Berlin kam wegen drohender Bombardierungen nicht infrage, während Prag bis dahin weitgehend von Bombenangriffen verschont geblieben war. Für die Filmbauten waren Max Mellin und Gerhard Ladner zuständig. Den Erst-Verleih übernahm die Deutsche Filmvertriebs GmbH (DFV) in Berlin.

Viktor de Kowa hatte die Rolle des Karl bereits in Rössners Bühnenstück Karl III. und Anna von Österreich am Berliner Staatstheater gespielt. Ilse Werner war damals 21 Jahre alt und galt seit dem Musikfilm Wunschkonzert von 1940 als Nachwuchsstar.

Wie andere Musikfilme der NS-Zeit behandelte auch Wir machen Musik den Gegensatz zwischen E-Musik und U-Musik. E-Musik meint „ernste“ Musik wie Oper oder klassische Komposition, U-Musik meint Unterhaltungsmusik wie Schlager, Revue- oder Tanzmusik. Dieser Gegensatz führte später zu Diskussionen darüber, ob solche Unterhaltungsfilme eher systemkonform oder systemkritisch waren. In der Reichsfilmkammer, die vom nationalsozialistischen Regime kontrolliert wurde, wurde diese Frage ebenfalls erörtert.

Die Musik von Peter Igelhoff ist von swingenden Rhythmen geprägt. Laut De Agostini war darin Igelhoffs Liebe zu US-amerikanischem Jazz deutlich zu erkennen. Das Propagandaministerium beanstandete dies nicht, weil der Jazz als „stark rhythmisierte“ deutsche Musik verpackt gewesen sei. Das ist auffällig, weil Jazz vom NS-Regime sonst als „artfremde Niggermusik“ verfemt wurde. Auch Annis Revue mit dem biederen deutschen Titel Notenparade wurde als deutlich vom Hollywood-Filmmusical beeinflusst beschrieben. Käutner erklärte später, die NS-Zensoren hätten den Film nicht ernst genommen, weil er als leichtes Schlagerspektakel den Wunsch nach Entspannung und Erholung in Kriegszeiten erfüllte.

Zu den genannten Liedern gehören Ich hab' Dich und Du hast mich, gesungen von Edith Oss und Georg Thomalla, sowie mehrere Nummern von Ilse Werner: Mein Herz hat heut' Premiere, Wann wirst Du wieder bei mir sein?, Ich hab' Dich und Du hast mich, Wir machen Musik und ein Pfeif-Duett. Die Liedtexte schrieben Helmut Käutner und Aldo von Pinelli.

Veröffentlichung und spätere Fassungen

Die Uraufführung fand am 8. Oktober 1942 im Berliner Marmorhaus statt. Ursprünglich wollte die UFA den Film zu Weihnachten 1942 veröffentlichen, entschied sich aber für einen früheren Start. Die Premiere und die folgenden Vorführungen waren ein großer Erfolg, auch in von deutschen Truppen besetzten Gebieten. Als der Film im November 1942 in Prag anlief, waren die Premiere und die folgenden Abendvorstellungen vollständig ausverkauft. Vor dem Ufa-Theater Viktoria bildeten sich so lange Schlangen, dass Ordnungskräfte eingreifen mussten.

Der Film erschien am 25. Dezember 1942 in den Niederlanden, am 5. Februar 1943 in Ungarn, am 13. Februar 1943 in Schweden, am 19. Februar 1943 in Dänemark und am 21. Februar 1943 in Finnland. In Frankreich war er erstmals am 2. Februar 1944 zu sehen, in den USA im Jahr 1952. Außerdem wurde er in Belgien, der Tschechoslowakei, Griechenland und Italien veröffentlicht.

Später erschien Wir machen Musik mehrfach auf DVD. Am 15. Juli 2005 veröffentlichte Warner Home Video den Film in der Reihe Deutsche Filmklassiker. Am 3. April 2009 brachte Koch Media ihn ebenfalls als Einzelfilm heraus. Am 15. Januar 2015 war er Teil der DVD Die schönsten deutschen Revue-Filme der Koch Media GmbH. Außerdem erschien er mit Begleitheft in der DeAgostini-Reihe Die großen deutschen Film-Klassiker unter der Nummer 36.

1955 entstand unter Regisseur und Choreograf Ernst Matray eine Neuverfilmung mit dem Titel Musik, Musik und nur Musik. Walter Giller spielte Karl, Inge Egger spielte Anni; außerdem wirkten Lonny Kellner und die englische Soubrette Suzi Miller mit. Auch hier unterliegt die klassische Musik dem modernen Jazz: Karls abgelehnte Symphonie wird von Anni für ein Jazzorchester instrumentiert und dadurch erfolgreich.

1962 adaptierte Kurt Wilhelm Rössners Bühnenstück Karl III. und Anna von Österreich für das Fernsehen. Robert Graf spielte Karl Zimmermann, Gerlinde Locker seine Musikschülerin Anna. Die Musik stammte von Peter Wehle. 1966 folgte eine weitere Fernsehfassung mit dem Titel Wir machen Musik. Eine kleine Harmonielehre. Sie nutzte Melodien von Peter Igelhoff und eine Drehbuchvorlage von Helmut Käutner, der ebenso wie Ilse Werner auch als Darsteller mitwirkte. Uta Sax spielte Anni Pichler, Hanns Lothar Karl Zimmermann. Laut Artikel erreichte keine spätere Version die hohe künstlerische Qualität des Originals.

Bewertung

Die zeitgenössische Kritik nahm Wir machen Musik sehr positiv auf. Werner Fiedler schrieb 1942 in der Deutschen Allgemeinen Zeitung, man sehe „schmunzelnd und gerührt“ zu, wie Karl mit Violin- und Bassschlüssel das Herz der resoluten Musikschülerin gewinne. Der Steglitzer Anzeiger lobte den Film 1942 als insgesamt gut gelungen, besonders Käutners Regie mit vielen Einfällen und das Duo der Hauptdarsteller.

In der Nachkriegszeit wurde der Film ebenfalls oft positiv beurteilt. Hervorgehoben wurden Käutners „erstaunliche Leichtigkeit“ angesichts der Kriegszeit, die Verbindung menschlicher und musikalischer Motive, die Mischung aus Revue- und kammerspielhaften Episoden sowie der wortwitzige, teilweise kabarettartige Stil. Auch Peter Igelhoffs Musik wurde als Quelle von Schwung und Tempo beschrieben.

Die Abendzeitung schrieb 1983, die Menschen im dritten Kriegsjahr hätten sich gern von der Gegenwart ablenken lassen: durch die Geschichte eines ernsten Komponisten, dessen junge Frau aus seiner Sicht unerwünschte Schlagermusik schreibt. Zugleich wurde der Film später unterschiedlich gedeutet. Einerseits erhielt er von der NS-Filmprüfstelle mehrere Auszeichnungen. Andererseits wurde er auch als heimlicher Protest gegen das Naziregime verstanden, weil er leichte Musik und jazznahe Elemente gegenüber einer steifen Musikauffassung aufwertete.

Karlheinz Wendtland sah in Wir machen Musik eine der besten musikalischen Filmkomödien jener Jahre. Er betonte die Nähe zu amerikanischen Musicals, die ironischen Dialoge und den Einsatz für leichte Musik. Nach seiner Darstellung wurde der Film von Teilen der jungen, oppositionell eingestellten Generation als gegen das Regime gerichtet verstanden und von Jazzfreunden geschätzt, weil er eine Gleichstellung von U-Musik und E-Musik versuchte.

Der Artikel fasst den Film als bis heute geschätzten Käutner-Film zusammen: beliebt wegen seiner Darsteller, der temporeichen Handlung, der frechen Dialoge und der mitreißenden Lieder. Genannt werden besonders Grethe Weiser als Frau Bratzberger und Georg Thomalla als Franz, Chef und Schlagzeuger der Spatzenkapelle.

Auszeichnungen

Wir machen Musik erhielt von der NS-Filmprüfstelle, einem Unterorgan des Reichspropagandaministeriums, mehrere Prädikate. Der Film wurde als künstlerisch wertvoll, volkstümlich wertvoll und anerkennenswert ausgezeichnet. Diese Auszeichnungen zeigen, dass der Film offiziell anerkannt wurde, obwohl spätere Deutungen ihn teilweise auch als unterschwelligen Widerspruch zur nationalsozialistischen Kulturauffassung verstanden.

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