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Vulkanregion Karacadağ (Karapınar)

In Inneranatolien spielen neben dem zentralen Kappadokien um Ürgüp und Nevşehir zwei Vulkanregionen im Süden bzw. Südosten der Konya-Ebene (Konya Ovası) …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Lage
  2. 2. Vulkanismus und Landschaftsformen
  3. 3. Meke Tuzlası, Acıgöl und Salzlandschaften
  4. 4. Klima, Vegetation und frühere Umwelt
  5. 5. Menschliche Einflüsse und Kulturorte

Überblick und Lage

Die Vulkanregion Karacadağ bei Karapınar liegt in Inneranatolien, im Südosten der Konya-Ebene, vor allem zwischen Karapınar und Ereğli in der Provinz Konya. Sie ist landschaftlich und kulturhistorisch bedeutsam, weil hier junge und ältere Vulkanformen, Salzseen, Maare, Dünen, Steppenvegetation und historische Siedlungsreste eng beieinanderliegen. Der Karacadağ bei Karapınar darf nicht mit dem gleichnamigen Schildvulkan Karacadağ in der Provinz Şanlıurfa verwechselt werden.

Karapınar liegt etwa 100 km östlich von Konya an der Straße von Konya nach Ereğli. Das eigentliche Karacadağ-Massiv umfasst etwa 200 km², bildet einen abgeflachten, südwest-nordöstlich verlaufenden Kamm und erreicht am Kurşuncukale Tepesi 2025 m Höhe. Seine vulkanische Aktivität begann im mittleren oberen Miozän. Das Gebiet gehört zur südwestlichen Erweiterung der kappadokischen Vulkanprovinz und wird zusammen mit den jüngeren Vulkanformen bei Karapınar als Karapınar-Karacadağ-Vulkankomplex bezeichnet.

Vulkanismus und Landschaftsformen

Anatolien besitzt mehrere große junge Vulkanregionen. In Zentralanatolien gehören dazu die Vulkanlandschaften Kappadokiens und die Vulkangebiete um Karapınar, Karaman und Konya. Der Karacadağ besteht vor allem aus Andesit, Basalt, Dazit, Trachyt, Tuff und Bimsstein. Die Karacadağ-Vulkanite sind überwiegend kalkalkalisch; das bedeutet, dass die vulkanischen Gesteine eine bestimmte chemische Zusammensetzung mit Kieselsäureanteilen um 56 bis 61 % und typischerweise Plagioklas enthalten. Die jüngeren Karapınar-Vulkanite sind kalkalkalisch bis mildalkalisch und bestehen hauptsächlich aus Basalt.

Geochronologische Daten geben für Basalte der Karacadağ-Vulkanite ein Alter von 5,65 ± 0,06 Millionen Jahren und für Dazite 5,45 ± 0,09 Millionen Jahre an. Der Vulkanismus von Karapınar und Karacadağ war nach den genannten Daten von vor 2,5 Millionen Jahren bis in historische Perioden aktiv. Für quartären Vulkanismus in der Region wurden Werte zwischen 714.000 und 20.000 Jahren ermittelt. Die Magmen stammen teilweise aus größerer Tiefe, enthalten aber auch kontinentale Krustenanteile.

Der Karacadağ ist ein inaktiver, langgestreckter Stratovulkan. Ein Stratovulkan entsteht durch wiederholte Ablagerung von Lava und pyroklastischem Material, also ausgeworfenem vulkanischem Lockermaterial. Das Massiv ist etwa 30 km lang und 15 km breit. Es besitzt Kegel, Krater und Calderen. Eine Caldera ist eine große vulkanische Einbruch- oder Einsturzform. Besonders wichtig sind der Ovacık-Krater im Nordwesten, dessen Tiefe 300 bis 350 m beträgt, und die Karakoyak-Caldera im Südosten mit einer Längsachse von mehr als 6 km. Insgesamt gibt es auf dem Karacadağ und in seinem Umfeld etwa 55 konische Kegel.

Die jüngeren Vulkanformen bei Karapınar entstanden in mehreren Phasen: zuerst ältere, später erodierte Kegel; danach vulkanische Agglomerate; dann Lavapools; anschließend frischer wirkende pyroklastische Kegel; danach Explosionskrater wie Acıgöl, Meke Tuzlası und Meke Obruğu; zuletzt der zentrale Aschekegel im Meke-See und Parasitärkegel im Meke Gölü. Auf der Basaltebene von Karapınar gibt es mindestens fünf Aschekegel, zwei Lavafelder sowie zahlreiche Explosionskrater und Maare. Sechs der zehn in der Türkei bekannten Maare liegen in diesem Gebiet.

Meke Tuzlası, Acıgöl und Salzlandschaften

Die auffälligsten Vulkanformen bei Karapınar sind Meke Gölü beziehungsweise Meke Tuzlası und Acıgöl, etwa 6 km östlich von Karapınar. Beide sind Maare. Ein Maar ist ein Explosionskrater, der meist entsteht, wenn aufsteigendes Magma mit Wasser in Kontakt kommt und eine starke Explosion auslöst. Später kann sich der Krater mit Wasser füllen.

Der Meke Gölü gilt mit seinem zentralen Aschekegel als besonders eindrucksvolles Maar. Sein Alter wird nicht einheitlich angegeben: Im Artikel werden etwa 5 Millionen Jahre, aber auch eine Spanne zwischen etwa 5 und 2,5 Millionen Jahren genannt. Seine heutige Form entstand nach diesen Angaben durch Überflutung eines älteren Vulkankraters und durch einen zweiten Ausbruch vor etwa 9000 Jahren, der den Kegel im Inneren des Sees bildete. Der See liegt 981 m über dem Meer; der Aschekegel ragt etwa 50 m über den Wasserspiegel. Der See ist normalerweise 25 m, im Durchschnitt 12 m tief und salzig. Im Sommer kann sich das Wasser durch Mikroorganismen rot färben. Wegen zunehmender Austrocknung entstanden etwa um 2000 erste Salzinseln; heute bilden Salzschichten stellenweise eine weiße Bedeckung. Das Wasser enthält unter anderem K, Mg, Na, Ca-Sulfat und Chloride. Die starke Austrocknung wird mit Verdunstung, geringen Niederschlägen, fehlendem Zufluss und der Absenkung des Grundwassers durch Bewässerungsbrunnen erklärt. Als Maßnahme wird eine jährliche Zufuhr von 2,5 Mio. m³ Wasser aus der Karapınar-Kläranlage genannt.

Der Acıgöl, auf Deutsch Bittersee, ist ein etwa 200 ha großer, weniger als 2,5 Millionen Jahre alter quartärer Explosionstrichter. Sein Wasser ist reich an Magnesiumsulfat, bitter und salzig; im See selbst gibt es keine höheren Lebewesen, im Umfeld aber viele Vogelarten. Die Salzmenge beträgt 50 ‰. Seit den frühen 2000er Jahren ist der Wasserstand um mindestens 7 m gesunken. Heute wird für die Seefläche auch etwa 100 ha angegeben. Der See besitzt keinen Auslass und wird vor allem durch Grundwasser gespeist. Im flachen Wasser leben Mikroorganismen wie Cyanobakterien, Kieselalgen und Purpurbakterien; sie tragen zur Bildung karbonatischer Sedimente, Mikrobialite, Stromatolithe und Thrombolithe bei.

Neben den Maaren prägen salzhaltige Becken und Binnendünen die Umgebung. Das Kayalı-Becken ist nach Winterregen im Frühjahr oft mit Wasser bedeckt, trocknet aber bis Mai aus und bildet Salzkrusten. Weil dem Konya-Becken natürliche Entwässerung fehlt, führen Verdunstung und salzhaltiges Grundwasser zu Versalzung. Häufige Salze sind Na2SO4, NaCl, CaCl2, MgCl2, MgSO4 und CaSO4. Südlich von Karapınar liegt ein großes Dünengebiet. Die Dünen sind meist halbmondförmige Barchane, 8 bis 10 m hoch, und bewegen sich durch Wind langsam nach Nordosten.

Klima, Vegetation und frühere Umwelt

Das Klima um Karapınar ist trocken. Zwischen 1956 und 2003 lag der größte Teil des täglichen Niederschlags unter 10 mm; 98,9 % der 4053 Niederschlagstage zwischen 1953 und 2003 brachten weniger als 25 mm Niederschlag pro Tag. Der langjährige Jahresniederschlag beträgt in Karapınar 287 mm, in Ereğli 280,4 mm. Es gibt starke Schwankungen: Karapınar erhielt 1963 426 mm, 1999 aber nur 174,3 mm. Die Jahresdurchschnittstemperaturen liegen über 10 °C, in Ereğli bei 11,3 °C und in Karapınar bei 10,9 °C. Der Januar ist kalt mit Durchschnittswerten von −0,2 °C in Ereğli und −0,7 °C in Karapınar; der Juli ist der heißeste Monat. Für Karapınar wird eine höchste tägliche Durchschnittstemperatur von 23,9 °C am 19. Juli genannt. Seit Ende der 1990er Jahre bis 2004 stiegen die Temperaturen um etwa 0,5 °C.

Heute fallen vor allem Waldarmut und Steppenvegetation auf. Steppenvegetation besteht überwiegend aus krautigen Pflanzen, die an Trockenheit angepasst sind, etwa durch tiefe Wurzeln, Knollen, Zwiebeln oder das Absterben oberirdischer Teile in Trockenzeiten. Die Pflanzenwelt gehört zur europäisch-sibirischen, mediterranen und vor allem iranisch-turanischen Flora. Viele Flächen sind durch Landwirtschaft, Weidewirtschaft und frühere Eingriffe des Menschen verändert.

Pollenanalysen zeigen jedoch, dass die Region früher nicht immer so baumarm war. Vor 13.000 bis 10.000 Jahren gab es in den Bergen geeignete Lebensräume für Baumgemeinschaften; vor etwa 11.000 bis 10.000 Jahren nahmen Birkenpollen stark zu. Ab etwa 8000 Jahren breiteten sich Eichen, Kiefern und Zedern stärker aus. Später führten Nutzung als Brennholz, Bauholz, Weidegebiet und die Verwendung von Holzkohle zur Metallverarbeitung zu starkem Waldverlust. Am Karacadağ sind Reste alter Trockenwälder erhalten. Dominant sind Eichenarten wie Walloneneiche, mazedonische Eiche, Flaumeiche, Aleppo-Eiche und Kasnak-Eiche. Dazu kommen verstreut Wacholder, Esche, Ulme, Wildrosen, Geißblatt und weitere Sträucher.

Die Waldreste sind ökologisch wichtig, weil dort mehr als 400 Pflanzengruppen vorkommen; an anderer Stelle nennt der Artikel mehr als 470 Pflanzen und eine Endemismusrate von etwa 14 %. Endemiten sind Arten, die nur in einem begrenzten Gebiet vorkommen. Gefährdet sind unter anderem Alkanna hispida, Nepeta nuda, Verbascum rubricaule und verschiedene Federgräser. Auch die Karapınar- und Ereğli-Ebenen enthalten seltene und gefährdete Pflanzenarten.

Menschliche Einflüsse und Kulturorte

Der Mensch beeinflusst die Vulkanregion stark. Neben langfristiger Waldnutzung und Überweidung nennt der Artikel besonders die Zerstörung vulkanischer Landformen durch den Abbau von Baumaterialien. In Teilen Inneranatoliens wurden an 42 Punkten deutliche Schäden festgestellt: an 14 Lavakuppeln, 2 Maaren, 4 Lavaströmen und 22 pyroklastischen Kegeln. Bei Karapınar wurden zum Beispiel über 232.536 m² basaltische Pyroklastik am Andıklı-Tepesi zerstört. Zwischen Karapınar und Karacadağ wurden über 210.000 m² Basaltlava-Trümmer entlang der Straße nach Ereğli in etwa 10 m Dicke abgebaut. Auch mehrere Lavadome und Kegel wurden zu Steinbrüchen oder durch Grabungen beschädigt.

Die Region besitzt außerdem kulturhistorische Orte. In Karapınar liegt die Sultan Selim Külliyesi, ein Gebäudekomplex mit Moschee, Medrese, Hamam, Brunnen, öffentlicher Küche, Gästehaus, Karawanserei und bedecktem Basar. Er wurde von 1560 bis 1563 gestiftet und 1987/88 sowie 2011/12 vollständig renoviert.

In den Tälern des Karacadağ gibt es unterirdische Siedlungen, die zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert zum Schutz vor arabischen Überfällen angelegt wurden. Sie enthalten Kirchen, Zisternen, Verliese, Räume, Galerien und Luftschächte. Die Höhlensiedlung Akören liegt nahe Oymalı am Südhang des Karacadağ im Eşek-Tal und umfasst mehrere in Felsen gehauene Höhlen.

Mennek Kalesi liegt auf dem Mennekikalesi Tepe in 1992 m Höhe. Die Burg und antike Stadt befinden sich in Schutzlage auf einem steilen Felsen nördlich des Ovacık-Plateaus. Sie gilt vermutlich als Burgsiedlung aus hethitischer Zeit. Erkennbar sind eckige Bastionen sowie zwei kreisförmige Mauerringe, die ohne Mörtel errichtet wurden.

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