Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Vertrag von Lissabon (1859)
Im Vertrag von Lissabon vom 20. April 1859 wurden die Aufteilung und der Austausch portugiesischer und niederländischer Besitzungen auf dem Solor- und …
Inhalt6 Abschnitte
Kern des Vertrags
Der Vertrag von Lissabon vom 20. April 1859 regelte die Aufteilung und den Austausch portugiesischer und niederländischer Besitzungen im Solor- und Timorarchipel. Er war die erste offizielle Einigung zwischen Portugal und den Niederlanden über die Gebietsaufteilung in Südostasien.
Wichtig war der Vertrag, weil er jahrhundertelange Konflikte zwischen beiden Kolonialmächten in der Region rechtlich ordnen sollte. Er legte fest, welche Gebiete auf Timor, Flores, Adonara, Solor und weiteren Inseln künftig portugiesisch oder niederländisch sein sollten. Außerdem bestätigte er Geldzahlungen an Portugal und garantierte Religionsfreiheit in den getauschten Gebieten.
Vorgeschichte der Einigung
Portugal hatte im 16. Jahrhundert erste Posten und Festungen in der Region errichtet. Etwa hundert Jahre später begannen die Niederländer, portugiesische Besitzungen anzugreifen und eigene Stützpunkte aufzubauen. Ein Höhepunkt war der Niederländisch-Portugiesische Krieg von 1624 bis 1661, in dessen Verlauf die Niederländer unter anderem Kupang in Westtimor eroberten.
Auch nach diesem Krieg blieb die Lage umkämpft. 1749 scheiterte ein portugiesischer Versuch, Kupang zurückzuerobern. Danach ging fast der gesamte Westen Timors an die Niederländische Ostindien-Kompanie verloren.
Die umstrittene Vereinbarung von 1851
1851 entsandten Niederländer und Portugiesen eine Kommission, um Besitzstreitigkeiten zu klären. Im Juli einigte sich der portugiesische Gouverneur José Joaquim Lopes de Lima mit dem niederländischen Gouverneur von Kupang, Baron von Lynden, in Dili über koloniale Grenzen auf den Kleinen Sundainseln.
Portugal gab dabei seine Ansprüche auf den größten Teil Westtimors zugunsten der Niederländer auf. Im Gegenzug sollte die niederländische Enklave Maubara im Osten an Portugal gehen. Außerdem verkaufte Lopes de Lima den Ostteil Flores’, Solor, Pantar und Alor für 200.000 Florin an die Niederländer. Diese Vereinbarung erfolgte ohne Autorisation der portugiesischen Regierung.
Der Grund für die Eile war Geldmangel in der Kolonialverwaltung in Dili. Beamte hatten seit zwei Jahren keinen Lohn erhalten, das Kriegsschiff Mondego musste repariert werden, und Lopes de Lima wollte Schoner kaufen, um den Handel wieder zu beleben. Deshalb verlangte er sofort eine erste Rate von 80.000 Florins.
Als Lissabon von der Vereinbarung erfuhr, fiel Lopes de Lima in Ungnade und wurde abgesetzt. Auf der Rückreise nach Portugal starb er in Batavia. Die Vereinbarung galt in Portugal als nationale Schande, konnte aber aus finanziellen und politischen Gründen nicht einfach rückgängig gemacht werden. Portugal hätte sonst die 80.000 Florins mit Zinsen sowie Verwaltungskosten für Flores zurückzahlen müssen.
Neu verhandelt bis 1859
Ab 1854 wurden die Grenzvereinbarungen neu verhandelt. Für Portugal verhandelte unter anderem der Außenminister Visconde de Athoguoa, auf niederländischer Seite Linbourg van Rost. Der Sekretär der portugiesischen Delegation, Afonso de Castro, berichtete, dass vor allem die wahrscheinlich hohe Entschädigung Portugal dazu brachte, schließlich auf Larantuka zu verzichten, obwohl Regierung, Öffentlichkeit und Presse dagegen waren.
Castro zweifelte die Rechtmäßigkeit niederländischer Forderungen an, weil der Vertrag von 1851 nie ratifiziert worden war und die niederländische Besetzung Larantukas daher ungültig gewesen sei. Trotzdem stimmte Portugal im Vertrag vom 6. Oktober 1854 allen Punkten der Vereinbarung von 1851 zu.
Der Vertrag von 1854 wurde jedoch von der niederländischen Regierung abgelehnt. Streitpunkt war die Religionsfrage: Für das katholische Flores war freie Religionsausübung garantiert, für Protestanten in Maubara aber nicht. Ab 1858 begann deshalb eine neue Verhandlungsrunde unter Fontes Pereira de Melo, dem späteren portugiesischen Ministerpräsidenten.
Portugal forderte nun als Ausgleich für den Verlust anderer Inseln die Abtretung Westtimors und zusätzlich eines nicht näher definierten Gebiets in Afrika. Diese Forderungen setzten sich nicht durch. Im endgültigen Vertrag vom 20. April 1859 in Lissabon wurden keine territorialen Änderungen mehr gegenüber der vorherigen Einigung vorgenommen. Die Ratifizierung verzögerte sich bis zum 18. August 1860.
Grenzen und Schwachstellen
Der Vertrag zog auf Timor eine neue Grenze quer durch die Insel. Östlich der Grenze gehörte Timor zu Portugal, westlich zu den Niederlanden. Auf portugiesischer Seite lagen unter anderem die Kleinreiche Cowa, Balibo, Lamaquitos (Lamakitu), Tafakay (Takay), Tatumea, Lookeu (Laukeu), Dakolo (Dacolo), Tamiru Eulalang (Eulaleng) und Suai.
Auf niederländischer Seite lagen die Grenzgebiete Juanilo, Silawang, Tialarang (Tialara), Lamaksanulo, Lamakanée (Lamacanée), Naitumu (Nartimu), Manden, Dirma (Drima) und Lakékune (Lakecune). Portugal erkannte außerdem die niederländische Oberhoheit über Ambassi, Bibico (Traynico, Waymico), Buboque (Reboki), Dirma, Tialarang, Lamakanée, Nira (Lidak), Juanilo, Mena und Tulgarite (Tolgarita) an.
Der Vertrag hatte Schwachstellen. Mit Maucatar und Noimuti blieb je eine Enklave ohne Meereszugang im Gebiet der anderen Seite. Eine Enklave ist ein Gebiet, das vollständig von fremdem Gebiet umgeben ist. Außerdem beruhten die kolonialen Grenzen auf ungenauen Grenzen der timoresischen Reiche und auf traditionellen Ansprüchen. Erst 1916 wurden nach drei weiteren Verhandlungsrunden die endgültigen Grenzen auf Timor festgelegt.
Gebietstausch und Zahlungen
Die Niederländer traten Maubara und Ambeno, auch Ambenu oder Sutrana genannt, an Portugal ab. Niederländische Ansprüche auf die Insel Atauro wurden aufgegeben. Im Westen blieben Oe-Cusse Ambeno und Noimuti bei Portugal. Maucatar, auch Calunie oder Coluninene genannt, blieb dagegen unter niederländischer Oberhoheit, obwohl es von portugiesisch beherrschten Reichen umschlossen war.
Portugal übergab an die Niederlande die Reiche von Larantuka, Sikka (Sika, Sica) und Paga mit ihren Vasallen auf Flores, das Reich von Woure auf Adonara und das Reich von Pamang Kaju auf Solor. Außerdem musste Portugal Ansprüche auf andere Reiche auf diesen Inseln sowie auf Lembata (Lomblen), Pantar (Quantar) und Alor (Ombai) aufgeben. Damit übernahmen die Niederlande die Herrschaft über diese Gebiete und auch über die zwei übrigen Inseln des Solorarchipels.
Zur Kompensation durfte Portugal die 80.000 niederländischen Florins behalten, die Gouverneur Lopes de Lima 1851 erhalten hatte. Zusätzlich erhielt Portugal weitere 120.000 niederländische Florins. Beide Seiten garantierten den Einwohnern der getauschten Gebiete Religionsfreiheit.