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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Tongaische Schiffbrüchige auf der Insel ʻAta

Ihre Geschichte wurde später in Anspielung auf William Goldings Roman Herr der Fliegen häufig als dessen „wahre“ Version rezipiert, allerdings mit dem …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Flucht und Schiffbruch
  3. 3. Leben und Organisation auf ʻAta
  4. 4. Rettung und unmittelbare Folgen
  5. 5. Filmische und historische Darstellungen

Überblick und Bedeutung

Die tongaischen Schiffbrüchigen auf der Insel ʻAta waren sechs Jugendliche aus dem Königreich Tonga, die nach einem Sturm im Pazifik etwa 15 Monate auf der unbewohnten Insel ʻAta überlebten. Sie waren zwischen 13 und 16 Jahre alt und von einem Internat weggelaufen. Nach ihrem Verschwinden galten sie in Tonga lange als tot; es wurden bereits Trauerfeiern abgehalten. Tatsächlich bauten sie auf der Insel eine funktionierende kleine Gemeinschaft auf und überstanden die entbehrungsreiche Zeit gemeinsam und weitgehend unversehrt.

Die Geschichte ist vor allem ein Beispiel dafür, wie Kooperation und Zusammenhalt das Überleben unter schwierigen Bedingungen ermöglichen können. Später wurde sie häufig als vermeintlich „wahre“ Version von William Goldings Roman Herr der Fliegen bezeichnet. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass die Jugendlichen nicht durch Gewalt und Zerfall, sondern durch Zusammenarbeit und soziale Ordnung überlebten.

Flucht und Schiffbruch

Im Juni 1965 flohen sechs Schüler des Internats St. Andrew’s in Nukuʻalofa auf Tongatapu. Zu ihnen gehörten Luke Veikoso, Tevita Fatai Latu, Sione Fataua, Tevita Siolaʻa, Kolo Fekitoa und Sione Filipe Totau; alle waren zwischen 13 und 16 Jahre alt. Sie entwendeten ein etwa 7 Meter langes Segelboot und wollten zur rund 800 km entfernten Fidschi-Inselgruppe segeln.

Kurz nach dem Ablegen gerieten sie in einen schweren Sturm. Segel und Ruder gingen verloren, sodass das Boot nicht mehr steuerbar war und auf die offene See hinaustrieb. Die Jugendlichen überlebten acht Tage auf dem Meer. Sie tranken Regenwasser und aßen rohen Fisch. Schließlich erreichten sie die verlassene Insel ʻAta, die etwa 160 km südlich von Tongatapu liegt.

Leben und Organisation auf ʻAta

Auf der Insel teilten die Jugendlichen ihre Aufgaben und organisierten sich in kleinen Gruppen. Zu ihren Tätigkeiten gehörten Gartenarbeit, Kochen und Wachdienst. Sie errichteten eine einfache Unterkunft, sammelten Regenwasser und beschafften Nahrung. Dabei ernährten sie sich von Seevögeln, wilden Bananen, Taro und verwilderten Hühnern.

Einer der Jungen entzündete durch Reibung ein Feuer. Dieses hielten die Jugendlichen mehr als ein Jahr lang in Gang. Etwa drei Monate nach ihrer Ankunft entdeckten sie im Vulkankrater die überwucherten Überreste der früheren Siedlung Kolomaile. Dort fanden sie besseres Baumaterial und zusätzliche Nahrung. Ihre Überlebensstrategie beruhte damit auf Arbeitsteilung, gemeinsamer Versorgung und der Nutzung der vorhandenen natürlichen und baulichen Ressourcen.

Rettung und unmittelbare Folgen

Am 11. September 1966 wurde die Insel vom australischen Fischerboot Just David entdeckt, das unter dem Kommando von Kapitän Peter Warner fuhr. Die Besatzung war durch Rauchspuren auf die Insel aufmerksam geworden. Warner sah die Jugendlichen durch ein Fernglas; anschließend schwamm einer der Jungen zum Boot und erklärte ihre Identität.

Ein Funkruf bestätigte, dass die sechs Jugendlichen seit ihrem Verschwinden als vermisst und für tot gehalten worden waren. Ihre Rettung wurde in Tonga als Wunder gefeiert. Die Jungen waren gesundheitlich weitgehend unversehrt.

Warner erhielt anschließend eine königliche Genehmigung zum Hummerfang in tongaischen Gewässern. Später wurde bekannt, dass der Besitzer des gestohlenen Bootes Anzeige erstattet hatte. Warner kaufte diese Anzeige mit 150 Pfund zurück, die er aus dem Verkauf der Filmrechte erhalten hatte.

Filmische und historische Darstellungen

Channel 7 in Australien verfilmte die Ereignisse unter dem Titel The Castaways. Die Überlebenden wirkten selbst mit; der Film wurde 1966 ausgestrahlt und ist heute online verfügbar.

2015 verbrachte der spanische Entdecker Álvaro Cerezo gemeinsam mit Kolo Fekitoa, einem der Überlebenden, zehn Tage auf ʻAta. Daraus entstanden eine Dokumentation und ein Buchprojekt über die Erfahrungen.

2020 stellte der Historiker Rutger Bregman die Geschichte in seinem Buch Im Grunde gut. Eine neue Geschichte der Menschheit als Beispiel für menschliche Kooperation dar. Er setzte sie in Gegensatz zu William Goldings Roman Herr der Fliegen. Goldings Roman erschien jedoch bereits 1954 und ist deshalb keine literarische Verarbeitung des Vorfalls von 1965. Im Roman wird vielmehr angenommen, dass unter Kindern die dunklen Seiten der menschlichen Natur hervorbrechen und sie zu Gewalt neigen. Die reale Geschichte der Jugendlichen aus Tonga endet dagegen mit ihrer Rettung und einem Happy End. Autoren wie Bregman deuten sie daher als Beleg dafür, dass Kooperation und soziale Ordnung auch unter Jugendlichen möglich sind.

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