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Tabulatura nova
Die Tabulatura nova (lat.; „Neue Tabulatur“; SSWV 102–158) des norddeutschen Komponisten und Orgelmeisters Samuel Scheidt (1587–1654) aus Halle ist „nach …
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Bedeutung und Grunddaten
Die Tabulatura nova („Neue Tabulatur“, SSWV 102–158) ist eine Sammlung von Kompositionen für Tasteninstrumente des norddeutschen Komponisten und Orgelmeisters Samuel Scheidt (1587–1654) aus Halle. Sie gilt nach Umfang und musikalischem Gehalt als die bedeutendste Sammlung dieser Art, die vor dem 18. Jahrhundert in Deutschland erschien.
Die Sammlung wurde 1624 von Michael Hering in Hamburg gedruckt. Die ursprüngliche Ausgabe umfasst drei Teile mit insgesamt 57 Stücken. Sie erschien im selben Jahr, in dem die Scherer-Orgel in Tangermünde fertiggestellt wurde. Gewidmet ist das Werk Christian Wilhelm, dem Erzbischof und Administrator von Magdeburg; ihm hatte Scheidt bereits 1620 seine Cantiones sacrae gewidmet.
Notation und musikalische Formen
Eine wichtige Neuerung ist die verwendete Partiturnotation: Die einzelnen Stimmen stehen in einer Kombination aus Fünfliniensystemen. Scheidt verzichtete damit auf die damals in Norddeutschland übliche Orgeltabulatur, bei der die Töne durch Buchstaben dargestellt wurden.
Die Sammlung verbindet geistliche und weltliche Musik sowie zahlreiche unterschiedliche Formen. Dazu gehören große Variationswerke, Fantasien, Fugen, Kanons, Toccaten, Tanzsätze, Kantilenen, Hymnen, Magnificat-Vertonungen und weitere liturgische Orgelstücke. Viele Sätze sind an einen Cantus firmus gebunden, also an eine vorgegebene Melodie, die als musikalische Grundlage dient. Die Variationsformen reichen vom einfachen Bicinium, einem zweistimmigen Satz, bis zu rhythmisch und harmonisch sehr komplexen Kompositionen.
Inhalt der drei Teile
Teil I enthält 25 Stücke (SSWV 102–126). Er beginnt mit geistlichen und weltlichen Variations- und Fantasiesätzen wie Wir gläuben all’ an einen Gott, der Fantasia super „Jo son ferito lasso“, Vater unser im Himmelreich und Warum betrübst du dich, mein Herz. Hinzu kommen der Passamezzo, zwei Couranten sowie Bearbeitungen von Weh, Windchen, weh, Ach du feiner Reiter und Est ce Mars. Weitere geistliche Grundlagen sind Da Jesus an dem Kreuze stund und Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ. Den Abschluss bildet eine Gruppe von zwölf Kanons, darunter Sätze über ut, re, mi, fa, sol, la sowie Kanons zu geistlichen Gesängen, zum Magnificat im achten Ton und zum Hymnus O Lux. Ein Kanon ist eine Satztechnik, bei der eine Stimme von einer oder mehreren anderen Stimmen nachgeahmt wird.
Teil II umfasst zwölf Stücke (SSWV 127–138). Dazu gehören zwei Fugen, eine Fantasia, das Echo ad manuale duplex, forte et lene sowie geistliche Bearbeitungen von Herzlich lieb hab’ ich dich, O Herr mit zwei Versus, Christ lag in Todesbanden mit fünf Versus und Christe, qui lux es et dies mit neun Versen. Außerdem enthält der Teil die Cantilena anglica de Fortuna, Gelobet seist du, Jesu Christ, zwei Allemanden mit zehn beziehungsweise sieben Variationen und die Toccata super: In te, Domine, speravi.
Teil III enthält 20 überwiegend liturgische Stücke (SSWV 139–158). Nach dem Kyrie dominicale folgen neun Magnificat-Vertonungen vom ersten bis zum neunten Ton. Weitere Werke beruhen auf kirchlichen Hymnen und Gesängen, darunter Veni Redemptor gentium, A solis ortus cardine mit fünf Versus, Christe qui lux es et dies, Vita Sanctorum, decus Angelorum mit fünf Versus, Veni Creator Spiritus mit drei Versus und O Lux beata Trinitas mit sieben Versus. Es folgen Credo in unum Deum und der Kommunionspsalm Jesus Christus unser Heiland mit sechs Versus. Den Abschluss bilden Modus ludendi pleno organo pedaliter und Modus pleno organo pedaliter: Benedicamus; letzteres ist sechsstimmig und verwendet ein Doppelpedal.
Ausgaben und Verbreitung
Die Originalausgabe erschien 1624 in drei Bänden in Hamburg. Ihre Teile sind entsprechend ihrem Inhalt gegliedert: Der erste enthält unter anderem Variationen über Psalmen, Fantasien, Kantilenen, einen Passamezzo und Kanons; der zweite unter anderem Fugen, Psalmen, Gesänge, ein Echo, eine Toccata und verschiedene Variationen; der dritte vor allem liturgische Musik wie Kyrie, Credo, Kommunionspsalm, Festhymnen, Magnificat und Benedicamus.
Die erste moderne Edition eröffnete 1893 als Band 1 die Reihe Denkmäler deutscher Tonkunst. Eine weitere wichtige Ausgabe erschien 1954 bei Ugrino/Peters in Hamburg und Leipzig, herausgegeben unter der Oberleitung der Glaubensgemeinschaft Ugrino durch Gottlieb Harms und Christhard Mahrenholz. Harald Vogel veröffentlichte eine moderne Neuausgabe in drei Bänden bei Breitkopf & Härtel in Wiesbaden; die Bände erschienen 1994, 1999 und 2002 und entsprechen der Dreiteilung des Originals.
Viele Stücke wurden auf Tonträgern eingespielt. Ein Beispiel ist die von German Brass aufgenommene Auswahl Allerley Liebliche Täntze & Liedlein Auff Concerten Manir, die Werke aus der Sammlung enthält. Noten und Audiodateien sind außerdem im International Music Score Library Project zugänglich.