Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Türk Tarih Kurumu
Die Türk Tarih Kurumu (TTK, deutsch: „Türkische historische Gesellschaft“) ist ein wissenschaftliches Forschungsinstitut der Republik Türkei mit den …
Inhalt5 Abschnitte
Institut und Auftrag
Die Türk Tarih Kurumu (TTK, deutsch „Türkische historische Gesellschaft“) ist ein wissenschaftliches Forschungsinstitut der Republik Türkei mit Hauptsitz in Ankara. Seine Forschungsgebiete sind die türkische Geschichte und die anatolische Archäologie. Das Institut wurde 1931 unter der Präsidentschaft von Mustafa Kemal Atatürk gegründet und von ihm in seinem Testament als Teil seines Nachlasses eingesetzt.
Die TTK untersucht zahlreiche Themen der türkischen, osmanischen und vorosmanischen Geschichte Anatoliens und der umliegenden Region. Zu umstrittenen Themen wie der türkisch-ungarischen und der türkisch-russischen Geschichte bestehen internationale Historikerkommissionen.
Entwicklung und wissenschaftliche Arbeit
Auf Weisung des ersten türkischen Staatspräsidenten Mustafa Kemal Atatürk wurde die Einrichtung am 15. April 1931 als „Türk Tarihi Tetkik Cemiyeti“ gegründet, auf Deutsch etwa „Forschungsgesellschaft für türkische Geschichte“. Seit dem 3. Oktober 1935 trägt sie ihren heutigen Namen. Seit dem 11. August 1983 untersteht sie – ebenso wie die Türk Dil Kurumu, die Türkische Sprachgesellschaft – den in Artikel 134 der türkischen Verfassung festgelegten Aufgaben.
Im Juli 1932 veranstaltete die TTK den ersten Türkischen Geschichtskongress. Dieser sollte ein neues Geschichtsbild und neue Methoden des Geschichtsunterrichts vermitteln. Seit dem zweiten Kongress im September 1937 richtet die Gesellschaft regelmäßig internationale Kongresse aus; als letzter wird im Artikel der Kongress vom September 2002 genannt. Seit 1937 veröffentlicht die TTK außerdem vierteljährlich die wissenschaftliche Zeitschrift „Belleten“. Nach dem Stand des Artikels leitet Refik Turan das Institut seit 2015.
Umstrittene Haltung zum Völkermord
Zu den wichtigsten Forschungsgebieten der TTK gehört der Völkermord an den Armeniern. Die Gesellschaft vertritt die umstrittene Position, dieser sei nicht bewiesen. Der Artikel behandelt diese Haltung als Leugnung des Völkermords.
Nachdem der damalige Leiter Yusuf Halaçoğlu diese Position 2004 bei einem Vortrag in Winterthur vertreten hatte, eröffneten die Schweizer Behörden gegen ihn ein Verfahren wegen Volksverhetzung. Nach Artikel 261bis des Schweizer Strafgesetzbuchs ist die Leugnung von Völkermord strafbar; dies betrifft in der Schweiz auch die Leugnung des Völkermords an den Armeniern. Im Zusammenhang mit dem Verfahren sagte der türkische Handelsminister eine Reise in die Schweiz ab. Im Mai 2005 wurde ebenfalls eine geplante Reise des Schweizer Wirtschaftsministers Joseph Deiss in die Türkei abgesagt.
Gescheitertes gemeinsames Forschungsprojekt
Beim Istanbuler Symposium „Neue Ansätze in den türkisch-armenischen Beziehungen“ im März 2006 hielt Ara Sarafian, der armenischstämmige Direktor des Londoner Gomidas Instituts und ein Befürworter der Einordnung als Genozid, einen Vortrag. Er behandelte das von Arnold J. Toynbee und James Bryce verfasste „Blaue Buch“, eine britische Hauptquelle zu den Vorgängen, sowie die Berichte des amerikanischen Konsuls Leslie Davis über die Massaker in Harput. Sarafian nahm ein Angebot Halaçoğlus zur Zusammenarbeit an. Am 20. Februar 2007 legte das Gomidas Institut einen ersten Projektvorschlag vor, den die TTK positiv beantwortete.
Als erstes gemeinsames, ergebnisoffenes Projekt war eine Fallstudie zu Harput, dem heutigen Elazığ, vorgesehen. Harput gilt als einer der Hauptorte, an denen Massaker an Armeniern stattfanden. Der Ort wurde ausgewählt, weil außerhalb der Türkei genügend Archivmaterial vorhanden war und die dortigen Ereignisse weniger stark mit komplexen Kriegsvorgängen wie der russischen Besetzung verbunden waren als in Erzurum oder Van. Osmanisches und ausländisches Archivmaterial sollte verglichen werden, um Übereinstimmungen, Widersprüche, Vorzüge und mögliche Fehler beider Quellengruppen festzustellen. Weitere Fallstudien waren geplant.
Die Untersuchung kam jedoch nicht zustande. Das Gomidas Institut sagte sie am 7. März 2007 ab. Sarafian begründete dies mit einer Aussage Halaçoğlus bei CNN-Türk, in den osmanischen Archiven gebe es keine nach Dörfern gegliederten Namenslisten deportierter Armenier. Sarafian vermutete dagegen, dass Listen der Deportierten existierten, möglicherweise jedoch keine entsprechenden Listen für das durch ein Dekret vom 10. Juni 1915 geschaffene Wiederansiedlungsprogramm. Dieses regelte auch Ausgleichszahlungen für das liquidierte Eigentum der Deportierten an ihren neuen Wohnorten.
Halaçoğlu erklärte das Scheitern mit einem zu großen Druck der armenischen Diaspora auf Sarafian; auch die türkisch-armenische Zeitung „Agos“ berichtete über starke Verärgerung in der Diaspora. Damit stehen im Artikel unterschiedliche Erklärungen für das Ende des Vorhabens nebeneinander. Im Juli 2007 musste Halaçoğlu wegen umstrittener Angaben über die ethnische Herkunft der kurdischen Aleviten von der Leitung der TTK zurücktreten.
Leitung
Die TTK wurde seit 1931 von zahlreichen Vorsitzenden geleitet. Zu ihnen gehörten unter anderem der erste Vorsitzende M. Tevfik Bıyıklığolu, Yusuf Akçura, Şemsettin Günaltay, Enver Ziya Karal und Yusuf Halaçoğlu. Zeitweise wurde die Leitung kommissarisch übernommen, darunter 2011 bis 2012 von Bahaeddin Yediyıldız und 2014 bis 2015 von Mehmet Ali Beyhan. Refik Turan ist laut Artikel seit dem 6. März 2015 Vorsitzender beziehungsweise Direktor.