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Subjektbinnenellipse
Subjektbinnenellipse ist ein Fachbegriff aus der Syntax und bezeichnet einen besonderen Fall der Auslassung eines Subjekts im zweiten Teil zusammengesetzter …
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Grundidee und Definition
Eine Subjektbinnenellipse ist ein Fachbegriff aus der Syntax, also aus der Lehre vom Satzbau. Sie bezeichnet einen besonderen Fall, in dem in einer Reihe aus zwei verbundenen Hauptsätzen das Subjekt im zweiten Teil weggelassen wird.
Sie ist eine Form der Koordinationsellipse. Eine Koordination liegt vor, wenn gleichrangige Satzteile oder Sätze verbunden werden, zum Beispiel mit „und“. Eine Ellipse ist eine Auslassung, bei der ein Satzteil nicht ausdrücklich genannt wird, aber aus dem Zusammenhang ergänzt werden kann.
Bei einer Subjektbinnenellipse haben zwei mit „und“ verbundene Hauptsätze dasselbe Subjekt. Im ersten Hauptsatz steht dieses Subjekt nicht im Vorfeld, sondern im Mittelfeld. Die Reihenfolge ist: Vorfeld – finite Verbform – Subjekt – weitere Satzteile. Das finite Verb steht also an zweiter Stelle, wie es für deutsche Aussagesätze typisch ist; das nennt man V2-Stellung. Im zweiten Hauptsatz wird dasselbe Subjekt nicht noch einmal genannt. Dadurch beginnt der zweite Teil nach „und“ mit dem finiten Verb; er hat also Verberststellung, auch V1-Stellung genannt.
Wissenschaftlich werden Subjektbinnenellipsen als „anaphorische Koordinationsellipsen“ beschrieben: Das Subjekt des zweiten Konjunkts, also des zweiten verbundenen Satzteils, muss aus dem ersten Konjunkt erschlossen werden. Gleichzeitig sind die beiden Konjunkte syntaktisch verschieden gebaut. Das wird als „Nicht-Äquivalenz der Koordinationskerne“ bezeichnet. Für das Fehlen des Subjekts im zweiten Satz wird auch von einer „Doppelverknüpfung des Subjekts“ gesprochen: Das Subjekt aus dem ersten Teil wird auch mit dem Verb des zweiten Teils verbunden.
Aufbau und Beispiele
Typische Beispiele zeigen, dass im ersten Teil ein Satzglied vorangestellt ist und das Subjekt erst nach dem finiten Verb erscheint. Danach folgt ein zweiter Hauptsatz, in dem dasselbe Subjekt ausgelassen wird:
- „Den modischen Rock sah die fröhliche Studentin und kaufte ihn.“
- „In den Wald ging ein Mädchen und beobachtete den Hasen.“
Im ersten Beispiel ist „die fröhliche Studentin“ das Subjekt. Im zweiten Teil steht nicht noch einmal „die fröhliche Studentin“, sondern der Satz geht direkt mit „kaufte“ weiter. Das ausgelassene Subjekt ist aus dem ersten Teil erschließbar.
Auch der von Wunderlich angeführte Satz „In den Wald ging ein Jäger und fing einen Hasen“ zeigt die Besonderheit: Die beiden verbundenen Teile haben keine gleiche Struktur. Im ersten Teil lautet die Reihenfolge „In den Wald – ging – ein Jäger“, im zweiten Teil fehlt das Subjekt und es folgt direkt „fing einen Hasen“.
Gelegentlich kommen ähnliche Konstruktionen auch in Satzreihen mit Komma statt „und“ vor, zum Beispiel: „Noch am selben Tag war er von der Arbeit freigestellt worden, wurde seither psychologisch betreut.“ Auch hier wird das Subjekt des zweiten Teils aus dem ersten Teil übernommen.
Bedingungen für die Verwendung
Subjektbinnenellipsen sind nicht in jeder Satzreihe möglich. Walther Kindt formuliert als Voraussetzung: „Außerdem ist Voraussetzung für die Korrektheit der Subjektbinnenellipse, dass der linke Kern eine Thematisierung des Subjekts zulässt.“ Gemeint ist: Der erste Teil muss so aufgebaut sein, dass das grammatische Subjekt weiterhin als Thema der Aussage verstanden werden kann.
Als mögliche Subjektbinnenellipse gilt: „Aus Baden kommt dieser Wein und schmeckt mir.“ Das Subjekt „dieser Wein“ kann im zweiten Teil ausgelassen werden, weil weiterhin über den Wein gesprochen wird.
Wird die Reihenfolge der Teilsätze verändert, ist die Konstruktion problematischer: „Mir schmeckt dieser Wein und kommt aus Baden.“ Kindt bezeichnet diesen Satz als nur eingeschränkt akzeptabel. Die Begründung lautet, dass hier nicht das grammatische Subjekt „Wein“ im Zentrum der Aufmerksamkeit steht, sondern das logische Subjekt „mir“. Das Dativ-Objekt „mir“ steht vorn und bildet das Thema; dadurch wird die Verarbeitung der Subjektbinnenellipse erschwert.
Kindt verweist in seinem 2021 erschienenen Buch auf eine psycholinguistische Untersuchung von Günther et al. 1993, Seite 320. Außerdem nennt er weitere Varianten: „Mir bekommt dieser Wein und schmeckt mir“ sowie „Mir schmeckt dieser Wein und bekommt mir (auch).“ Aus dem letzten Beispiel schließt er, dass neben dem „logischen Subjekt“ auch Verbklassen, Akzentuierungen und Tonfolgen für die Akzeptanz einer Subjektbinnenellipse wichtig sein können.
Eigenschaften des Subjekts
Für die Bildung einer Subjektbinnenellipse spielt nicht nur die Wortstellung eine Rolle, sondern auch die Wirkung des Subjekts im Satz. Walther Kindt erklärt, dass in nachgestellter Position nur Subjekte mit hohem Emotionswert so stark im Fokus bleiben, dass sie im rechten Teil der Koordinationskonstruktion weggelassen werden können.
Ein Beispiel ist: „Heute kommt Karl und besucht seinen Freund.“ Das Subjekt „Karl“ steht nach dem finiten Verb „kommt“. Es bleibt aber so deutlich im Fokus, dass es im zweiten Teil nicht wiederholt werden muss. Der zweite Teil „und besucht seinen Freund“ wird so verstanden, dass ebenfalls Karl der Handelnde ist.
Wortstellung im zweiten Hauptsatz
Für den zweiten Teil einer Subjektbinnenellipse ist die Verberststellung entscheidend. Das bedeutet: Nach der Verbindung, etwa nach „und“, steht das finite Verb an erster Stelle des zweiten Hauptsatzes, weil das Subjekt ausgelassen ist.
Der Satz „Nach Bielefeld ist der Autor gefahren und hält morgen einen Vortrag“ ist deshalb möglich. Im zweiten Teil steht „hält“ direkt nach „und“; das Subjekt „der Autor“ wird aus dem ersten Teil übernommen.
Eine Verbzweitstellung ist im zweiten Teil dagegen nicht möglich. Der Satz „Nach Bielefeld ist der Autor gefahren und morgen hält einen Vortrag“ gilt im Vergleich als nicht mögliche Subjektbinnenellipse. Hier steht „morgen“ vor dem finiten Verb „hält“, sodass der zweite Teil V2-Stellung hätte. Für die Subjektbinnenellipse ist aber die V1-Stellung nach „und“ erforderlich.
Fehlendes Subjekt und Niederländisch
In der Forschung wurde diskutiert, wo die Stelle des ausgelassenen Subjekts im zweiten Teil anzusetzen wäre: vor oder hinter dem zweiten finiten Verb. Dafür wurde der Begriff SLF-Koordination geprägt, also „Subjektlücke in finiten/frontalen Sätzen“ (Höhle, 1983). Beispiele sind Sätze wie: „Bald danach wurde der Genosse Liebknecht verhaftet und (SL?) musste (SL?) ein ganzes Jahr Festungshaft in Glatz absitzen.“
Fanselow spricht sich für eine Position vor dem finiten Verb aus, Hartmann dagegen für eine Position danach. Je nach Kohärenzbeziehung zwischen den Teilsätzen soll die Lücke vor dem finiten Verb stehen, etwa bei Ursache-Folge- oder Kontiguitätsbeziehungen, oder nach dem finiten Verb, etwa bei Ähnlichkeitsbeziehungen.
Walther Kindt vertritt dagegen die Ansicht, dass im zweiten Konjunkt eigentlich kein Subjekt „fehlt“. Stattdessen werde auf das im ersten Satz vorhandene Subjekt referiert. Bei einem Satz wie „Den Jungen fördert der Lehrer und hilft dem Mädchen“ sei der Satz syntaktisch korrekt, weil „fördert der Lehrer“ keine starke Konstituente bildet. Neben der Verbindung des Subjekts „der Lehrer“ mit „fördert“ sei deshalb auch eine zweite Verbindung mit „hilft“ grammatisch zulässig.
Im Niederländischen ist die Situation anders gelagert. In der niederländischen Übersetzung eines Beispiels zu Liebknecht wird das Subjekt auffällig häufig hinter dem finiten Verb wieder aufgenommen. Diese „dynamische Subjektlücke“ kommt im Niederländischen einer echten Subjektellipse näher als im Deutschen. Sie ist dort stärker an formale und funktionelle Bedingungen gebunden und wird eher als fehlendes Subjekt empfunden, weshalb das Subjekt unter Umständen unbedingt wieder aufgenommen werden muss.