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Strategie des gleichgewichtigen Wachstums

Die Strategie des gleichgewichtigen Wachstums oder auch Strategie des balanced growth beschreibt eine Entwicklungsstrategie mithilfe derer ein sich …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kernidee und Bedeutung
  2. 2. Ausgangslage
  3. 3. Problem einzelner Investitionen
  4. 4. Vorgehen in der Take-off-Phase
  5. 5. Landwirtschaft und staatliche Planung

Kernidee und Bedeutung

Die Strategie des gleichgewichtigen Wachstums („balanced growth“) ist eine klassisch kapitalistische Entwicklungsstrategie der Modernisierungstheorie. Ihr Ziel ist der Aufbau mehrerer miteinander verbundener und sich ergänzender Industrien. Dieser Industriekomplex soll gleichzeitig Produktion, Beschäftigung, Einkommen und Nachfrage erhöhen und dadurch die wirtschaftliche Entwicklung in Entwicklungsländern anstoßen.

Ausgangslage

Die Strategie reagiert auf die Konzentration von Kapital und Einkommen sowie die daraus entstehende Enge des Marktes. Weil ein großer Teil der Bevölkerung am Existenzminimum lebt, ist seine Kaufkraft gering. Für Unternehmen lohnt es sich deshalb nicht, die Produktion von Konsumgütern auszuweiten: Es fehlen genügend Käufer. Klassisch kapitalistische Entwicklungsstrategien wollen diesen statischen Zustand durchbrechen.

Problem einzelner Investitionen

Paul Rosenstein-Rodan verdeutlicht das Problem am Beispiel einer neu errichteten Schuhfabrik. Ein Durchbruch wäre möglich, wenn deren Beschäftigte ihren gesamten Lohn für Schuhe ausgäben: Der vorindustrielle Schuhmarkt bliebe bestehen und der Gesamtmarkt würde wachsen.

In der Realität verwenden die Beschäftigten jedoch nur einen kleinen Teil ihres höheren Einkommens für das selbst hergestellte Gut. Der größte Teil fließt in andere Verwendungen. Eine einzelne neue Fabrik trifft daher auf eine zu geringe ursprüngliche Nachfrage. Weil sie sich unter diesen Bedingungen nicht rentiert, wird sie möglicherweise gar nicht erst gebaut.

Vorgehen in der Take-off-Phase

In der „take-off“-Phase sollen gleichzeitig mehrere verbundene und einander ergänzende Industrien entstehen. Zusammen produzieren sie das Güterbündel, das die Beschäftigten des gesamten Industriekomplexes nachfragen. Die Einkommen aus einem Betrieb erzeugen damit Nachfrage nach den Produkten anderer Betriebe.

Auf diese Weise entsteht ein zusätzlicher Markt. Zugleich werden Arbeitsplätze für arbeitslose und unterbeschäftigte Menschen geschaffen. Wenn Gewinne kontinuierlich in die Ausweitung der Produktion investiert werden, können Beschäftigung und Nachfrage weiter steigen. Die wachsende Nachfrage schafft wiederum neue Investitionsanreize für die Unternehmen.

Landwirtschaft und staatliche Planung

Auch die Landwirtschaft soll modernisiert werden, insbesondere durch einen stärkeren Einsatz von Maschinen. Dadurch kann sie mehr Güter produzieren und zugleich Arbeitskräfte für die wachsenden Industriebetriebe freisetzen. Andere Interpretationen verlangen stattdessen eine gleichgewichtige Förderung von Landwirtschaft und Industrie.

Ragnar Nurkse betrachtet staatliche Planung als Regelfall für die erfolgreiche Umsetzung dieser Strategie. Der Staat soll demnach die aufeinander abgestimmte Entwicklung der verschiedenen Wirtschaftsbereiche organisieren.

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