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Starthilfe

Die Starthilfe ist das Starten eines Verbrennungsmotors bei Versagen der eigenen Starterbatterie oder des Anlassers. Sie ist eine häufige Maßnahme der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundprinzip der Starthilfe
  2. 2. Überbrücken mit Spenderfahrzeug
  3. 3. Starthilfekabel und elektrische Alternativen
  4. 4. Mechanische Startmethoden
  5. 5. Besondere Fahrzeuge

Grundprinzip der Starthilfe

Starthilfe bedeutet, einen Verbrennungsmotor zu starten, obwohl die eigene Starterbatterie oder der Anlasser versagt. Sie ist eine häufige Maßnahme der professionellen Pannenhilfe, kann aber auch von Laien durchgeführt werden. Meist denkt man dabei an Kraftfahrzeuge, doch Starthilfe wird auch bei Boots- und Flugmotoren, Schienenfahrzeugen, mobilen und stationären Anlagen mit Motorantrieb sowie im Modellbau angewandt.

Bei der elektrischen Starthilfe wird eine externe Stromquelle genutzt, wenn die Starterbatterie nicht mehr genügend Strom liefert, um den Motor mit dem elektrischen Anlasser schnell genug zu drehen. Voraussetzung ist grundsätzlich, dass die externe Stromquelle die gleiche Nennspannung hat und ausreichend Leistung bereitstellen kann. Umgangssprachlich nennt man das „Überbrücken“. Wichtig ist: Das Startproblem sollte tatsächlich durch einen zu niedrigen Ladezustand der Batterie entstehen. Andere Fehlerquellen bleiben auch nach dem Startversuch bestehen.

Überbrücken mit Spenderfahrzeug

Beim Überbrücken gibt es ein Empfängerfahrzeug, also das nicht startfähige Fahrzeug mit entladener Starterbatterie, und ein Spenderfahrzeug mit geladener Batterie. Die Betriebsanleitungen beider Fahrzeuge müssen beachtet werden, weil manche Fahrzeuge besondere Anschlüsse im Motorraum haben, obwohl die Batterie zum Beispiel im Kofferraum liegt.

Die Fahrzeuge werden möglichst dicht nebeneinander gestellt, bei beiden wird die Feststellbremse betätigt. Das Spenderfahrzeug wird gestartet, und ein größerer Verbraucher, etwa die Heckscheibenheizung, wird eingeschaltet. Dann verbindet das rote Kabel die Pluspole der Batterien. Das schwarze Kabel wird zuerst an den Minuspol der Spenderbatterie geklemmt und danach an ein blankes Metallteil im Motorraum des Empfängers.

Anschließend wird der große Verbraucher ausgeschaltet, und das Spenderfahrzeug läuft mit mittlerer Drehzahl. So kann der Generator die Empfängerbatterie einige Minuten aufladen. Für den Start des Empfängermotors stehen dann die Spenderbatterie, die teilweise geladene Empfängerbatterie und der Generator des Spenderfahrzeugs bereit.

Vor dem Abklemmen sollten die Fahrzeuge noch eine gewisse Zeit laufen, damit die Empfängerbatterie weiter geladen wird. Die Kabel werden in umgekehrter Reihenfolge gelöst, beginnend bei der schwarzen Klemme am Metallteil. Das Einschalten von Verbrauchern am Empfängerfahrzeug oder an beiden Fahrzeugen kann Spannungsspitzen beim Abnehmen der Kabel dämpfen. Nach dem Start muss die Empfängerbatterie weiter geladen werden, zum Beispiel durch etwa eine halbe Stunde Fahrt. Bricht die Batteriespannung danach wieder ein, ist meist der Generator defekt.

Starthilfekabel und elektrische Alternativen

Ein Starthilfekabel, auch Starterkabel, Überleitungskabel oder Überbrückungskabel genannt, verbindet die externe Batterie parallel mit der Batterie des Empfängerfahrzeugs. Es besteht aus zwei isolierten elektrischen Leitungen mit großen Klemmen an beiden Enden. Üblich sind rot für Plus und schwarz für Minus. Es gibt Sonderformen, etwa militärische Stecker-/Buchse-Systeme mit zusammengefassten Leitungen.

Wichtig ist ein ausreichender Kabelquerschnitt. Empfohlen werden mindestens 16 mm² Kupfer oder 25 mm² Aluminium. Grob richtet sich der Querschnitt nach dem Hubraum, genauer nach dem erforderlichen Kaltstartstrom des Anlassers. Für Motoren ab etwa 2 Litern Hubraum sowie für Dieselmotoren empfehlen sich 25 mm² Kupfer oder 40 mm² Aluminium. Dieselmotoren müssen zusätzlich mit 20–40 Ampere pro Zylinder vorgeglüht werden. Besonders große Hubräume oder Dieselmotoren mit mehr als 3 Litern Hubraum erfordern 35 mm² Kupfer oder 55 mm² Aluminium. Je länger das Kabel ist, desto größer muss wegen des elektrischen Widerstandes der Querschnitt sein; ein größerer Querschnitt verringert außerdem die Überhitzungsgefahr.

Für Starthilfekabel gelten die DIN 72553, Ausgabe 1994–04, und die ISO 6722, Ausgabe 2006–08. Viele Kabel bestehen aus Aluminium, weil Aluminium bei gleichem Widerstand nur ein Fünftel der Materialkosten von Kupfer hat und etwa die Hälfte wiegt, obwohl der Querschnitt 1,6-fach so groß ist. Nachteile sind geringere Flexibilität und leichter brechende Adern.

Eine nicht empfohlene elektrische Möglichkeit ist das Laden über die Zigarettenanzünder-Buchse. Dabei begrenzen geringe Kabelquerschnitte und Sicherungen der Fahrzeugsteckdosen den Strom auf 10 bis 20 A. Deshalb muss die Empfängerbatterie bei laufendem Spenderfahrzeug viele Minuten geladen werden, bis sie den Motor wieder selbst starten kann. Das funktioniert nur, wenn der Zigarettenanzünder beim Empfänger auch bei ausgeschalteter Zündung mit der Batterie verbunden ist.

Weitere elektrische Starthilfen sind Akkupacks beziehungsweise Powerstations mit hochstromfähigen Akkus, Fahrzeuge mit Zweitbatterie und Batterietrennrelais, fest eingebaute Starthilfetaster, NATO-Stecker nach VG 96917, große Starterbatterien in Werkstätten oder Ladegeräte, die eine Starterbatterie enthalten.

Mechanische Startmethoden

Neben der elektrischen Starthilfe gibt es mechanische Verfahren. Anschieben ist möglich, wenn das Fahrzeug ein Schaltgetriebe oder ein automatisiertes Schaltgetriebe hat. Fahrzeuge mit Automatikgetriebe beziehungsweise Strömungsgetriebe lassen sich nur anschieben oder anschleppen, wenn das Getriebe eine Sekundärölpumpe besitzt.

Für Anschieben oder Anschleppen muss die Batterie noch wenigstens den Zündstrom liefern können. Zündung und Kraftstoffversorgung müssen in Ordnung sein. Bei Dieselmotoren muss die Batterie außerdem noch das Kraftstoffventil öffnen können. Beim Anschieben wird der Zündschlüssel auf Zündposition gebracht und das Lenkradschloss ausgerastet. Dann bringen eine oder mehrere Personen den Wagen in Schwung. Bei Motoren mit Vergaser kann unverbrannter Kraftstoff den Fahrzeugkatalysator beschädigen.

Beim Anschleppen werden das schleppende und das anzuschleppende Fahrzeug mit einem Seil oder einer Abschleppstange verbunden. Die Zündung des anzuschleppenden Fahrzeugs wird eingeschaltet, dann wird vorsichtig und möglichst ohne Ruck angeschleppt. Dafür wird ein höherer Gang benutzt. Wenn das Fahrzeug rollt, wird kurz eingekuppelt; bei erfolgreichem Start wird ausgekuppelt, Gas gegeben und gegebenenfalls gebremst. Dem Fahrer des schleppenden Fahrzeugs kann kurz per Hupe signalisiert werden, dass der Startversuch gelungen ist.

Lkw mit Federspeicherbremse können nur angeschleppt werden, wenn der Druck im Luftdruck-Bremssystem noch reicht, um die Feststellbremse zu lösen. Bei Lastkraftwagen gibt es meist die Möglichkeit, die Bremsanlage des anzuschleppenden Fahrzeugs vom anschleppenden Fahrzeug mitversorgen zu lassen, indem die roten Kupplungen mit einem passenden Schlauch verbunden werden.

Anschleppen und Anschieben sind bei Fahrzeugen mit Katalysator nur dann erlaubt, wenn der Motor ausschließlich wegen einer entladenen Batterie nicht anspringt und die Zündanlage vollständig funktioniert. Sonst kann unverbrannter Kraftstoff in den Katalysator gelangen und ihn beschädigen. Auch Fahrzeuge mit Abgasnachbehandlungssystemen und Filtern können durch Anschleppen geschädigt werden.

Manche Oldtimer, etwa Renault 4 oder Citroën 2CV, besitzen zusätzlich zum elektrischen Starter eine Kurbel im Bordwerkzeug. Damit kann der Motor über eine Klauenkupplung an Kurbelwelle oder Getriebehauptwelle gestartet werden. Außerdem kann Starthilfespray in den Ansaugtrakt eingesprüht werden, wenn Anlasser, Batterie und Zündanlage funktionieren; besonders wirksam ist die Anwendung hinter dem Luftfilter.

Besondere Fahrzeuge

Hybridfahrzeuge starten ihren Verbrennungsmotor mit dem Elektroantriebsmotor. Dieser wird über die höhere Spannung der Traktionsbatterie betrieben. Solche Fahrzeuge besitzen zwar ein 12-Volt-Bordnetz, dieses dient aber nicht zum Starten des Motors, sondern unter anderem für Steuergeräte, die zum Starten nötig sind, und für die Fahrzeugbeleuchtung.

Auch Motorräder können Starthilfe erhalten. Ein Auto kann einem Motorrad Starthilfe geben, wenn beide Batterien die gleiche Nennspannung haben, üblicherweise 12 V. Dabei wird das Pluskabel am Pluspol befestigt. Das Massekabel wird am Minuspunkt des Autos und an einem Massepunkt des Motorrads befestigt, also an einem feststehenden, nicht isolierten und nicht lackierten Metallteil, zum Beispiel am Motor.

Bei Motorrädern mit größerem Hubraum ist beim Anschieben ein höherer Gang sinnvoll, weil sonst das Hinterrad blockieren kann. So baut sich die Last im Antriebsstrang langsamer auf. Beim Loslassen des Kupplungshebels ist es zweckmäßig, nicht mehr zu schieben, damit mehr Gewicht auf das Hinterrad drückt.

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