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Stadtarchäologie
Als Stadtarchäologie wird die archäologische Erforschung der Geschichte heute noch existenter Städte bezeichnet. Im deutschen Raum bezieht sich der Begriff …
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Begriff und Bedeutung
Stadtarchäologie ist die archäologische Erforschung der Geschichte von Städten, die heute noch existieren. Sie untersucht also Spuren vergangener Zeiten im Boden heutiger Städte, oft unter Straßen, Plätzen und Gebäuden. Dieses verborgene Quellenmaterial wird im Artikel als „Archiv unter dem Pflaster“ bezeichnet.
Im deutschen Raum meint Stadtarchäologie meist besonders die Erforschung mittelalterlicher Städte. Die Archäologie des Mittelalters hat sich damit vor allem in der Nachkriegszeit stark beschäftigt. Wichtige Impulse kamen von der Bau- und Bodendenkmalpflege, weil Bauarbeiten in Städten häufig historische Bodenschichten zerstören oder sichtbar machen können.
Entwicklung seit der Vorkriegszeit
Die Stadtarchäologie entwickelte sich in mehreren Phasen. In der Vorkriegszeit gab es nur vereinzelte Untersuchungen, häufig durch Laien-Archäologen. Diese fanden meist als Baustellenbeobachtung statt, also während Bauarbeiten, bei denen zufällig archäologische Spuren bemerkt wurden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg bot der Wiederaufbau kriegszerstörter Städte neue Möglichkeiten. Manche Städte nutzten die Gelegenheit, den Wiederaufbau archäologisch zu begleiten. Die Untersuchungen standen aber unter starkem Zeitdruck und hatten nur geringe Mittel. Beispiele sind Frankfurt am Main und Ulm mit der Stadtgeschichtlichen Forschungsstelle. Viele Grabungen wurden nicht veröffentlicht, weil ihre Auswertung schwierig war.
Stadtumbau und neue Arbeitsfelder
In den 1960er und 1970er Jahren veränderte die Idee der „autogerechten Stadt“ viele Innenstädte. Damit ist eine Stadtplanung gemeint, die besonders auf den Autoverkehr ausgerichtet ist. Der Bau von Tiefgaragen führte zu großflächigen Eingriffen in den Boden und machte umfangreiche archäologische Untersuchungen nötig.
In dieser Zeit entstanden in vielen Städten stadtarchäologische Arbeitsgruppen oder Schwerpunktprogramme. Genannt werden Lübeck, Braunschweig, Göttingen und Köln, seit den 1980er Jahren auch Konstanz und Freiburg im Breisgau. In der ehemaligen DDR brachte vor allem die Investitionstätigkeit nach der Wende einen starken Schub für die Stadtarchäologie. Dies trug auch dazu bei, eine Archäologie der Neuzeit stärker zu etablieren.
Themen und regionale Schwerpunkte
Die Stadtarchäologie untersucht allgemein die Entwicklung und Topographie von Städten. Topographie bedeutet hier die räumliche Struktur einer Stadt, also etwa Lage, Aufbau, Straßen, Plätze und Bebauung. Außerdem beschäftigt sie sich mit dem Alltagsleben in verschiedenen Epochen.
Regional können die Schwerpunkte unterschiedlich sein. Im Rheinland sowie in West- und Südeuropa befasst sich die Stadtarchäologie vor allem mit antiken Befunden aus der Römerzeit. Dabei arbeitet sie mit der Provinzialrömischen Archäologie zusammen, also dem Fachgebiet, das die römischen Provinzen und ihre materiellen Spuren erforscht.