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Sportökonomie

Unter Sportökonomie wird die Anwendung von volkswirtschaftlichen sowie betriebswirtschaftlichen Instrumenten auf einzelne Sportbereiche verstanden.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Einordnung
  2. 2. Güter und wirtschaftliche Wirkungen im Sport
  3. 3. Nachfrage, Angebot und Unsicherheit
  4. 4. Wettbewerb, Individual- und Teamsport
  5. 5. Ligen und Arbeitsmarkt der Sportler
  6. 6. Vergütung und Ausbildung

Grundidee und Einordnung

Sportökonomie bedeutet die Anwendung von volkswirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Instrumenten auf einzelne Bereiche des Sports. Sie untersucht also, wie im Sport mit knappen Ressourcen, Preisen, Märkten, Anreizen, Gütern, Arbeit und Wettbewerb umgegangen wird. Wichtig ist sie, weil Sport nicht nur Freizeit oder Wettkampf ist, sondern auch ein wirtschaftliches System mit Vereinen, Verbänden, Sportlern, Zuschauern, Medien, Sponsoren und staatlichen Eingriffen.

Die Sportökonomie ist eine Teildisziplin der Sportwissenschaften. Sie ist im Arbeitskreis Sportökonomie e. V. organisiert, der als eigene Sektion in der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) fungiert. Sie orientiert sich vor allem an Fragen und Methoden der Sozialwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften und wendet diese auf das Sportsystem an. Verbindungen bestehen außerdem zur allgemeinen Soziologie, Sportsoziologie, Sportökologie und Sportethik.

Die Sportökonomie arbeitet mit zwei Grundrichtungen. Der deskriptive Ansatz beschreibt und analysiert wissenschaftlich die wirtschaftlichen Aspekte des Sports. Der normative Ansatz versucht, Akteure wie Verbände, Vereine, Trainer oder Sportler mithilfe ökonomischer Effizienzkriterien zu beraten. Betriebswirtschaftlich betrachtet man einzelne Organisationen oder Akteure, zum Beispiel Vereine, und fragt nach Ressourcenknappheit, Kosten, Einnahmen oder Güterarten. Volkswirtschaftlich betrachtet man das Zusammenspiel von Märkten und damit die Gesamtwirtschaft. In der Makroökonomik werden unter anderem Arbeitsmarkt und Wirtschaftswachstum untersucht. Die Mikroökonomik befasst sich mit Preisbildung auf Märkten, dem Verhalten von Unternehmen und Haushalten sowie der Distribution und Allokation knapper Ressourcen.

Güter und wirtschaftliche Wirkungen im Sport

In der Sportökonomik werden verschiedene Güterarten unterschieden. Öffentliche Güter im Sport erzeugen positive externe Effekte, also Wirkungen, die auch Menschen zugutekommen, die nicht direkt bezahlen. Aktiver Sport kann die Gesundheit verbessern, Integration fördern und zur Senkung der Kriminalitätsrate beitragen. Passiver Sport, also das Zuschauen, kann Zusammenhalt und Integration stärken. Solche positiven externen Effekte können eine staatliche Subventionierung rechtfertigen. Beispiele für öffentliche Güter sind lokale Identität oder nationales Prestige.

Kollektive Güter nutzen nur einem Teil der Bevölkerung. Beispiele sind die Sportartikelindustrie und spezialisierte Sportmedien. Besonders bei Teamsportarten kann hier Trittbrettfahrerverhalten entstehen: Einzelne profitieren, ohne selbst ausreichend beizutragen. Clubgüter sind zum Beispiel Sportanlagen oder das Stadion eines Vereins. Ein volles Stadion kann weitere Zuschauer anziehen, aber auch zu Überfüllung führen. Dieses Problem kann über Preise und die Menge der Zuschauertickets reguliert werden.

Öffentliche Sportplätze gelten als Allmendegüter. Bei ihnen besteht die Gefahr der Übernutzung durch rational handelnde, egoistische Menschen. Private Güter sind im Sport zum Beispiel eigene Sportgeräte. Meritorische Güter sind Güter, die aus gesellschaftlicher Sicht in größerem Umfang konsumiert werden sollten, als die Konsumenten selbst wählen. Im Sport kann das der gesundheitliche Nutzen langfristiger sportlicher Aktivität sein, der oft unterschätzt wird. Der Staat kann diesen Effekt durch Nudging fördern, also durch Anstöße, die Verhalten beeinflussen sollen, ohne direkt zu zwingen.

Externalitäten verursachen Probleme für einen effizienten Markt, weil keine optimale Ressourcen-Allokation entsteht. Negative externe Effekte werden zu stark produziert, positive externe Effekte zu wenig. Negative Beispiele sind Umweltverschmutzung, Stau oder Beschädigungen durch Sportveranstaltungen. Positive Beispiele sind ein verbessertes Image eines Ortes oder Einnahmen durch Sporttourismus. Häufig treten im Sport Produktverbände auf: Zuschauer konsumieren den Wettkampf als Clubgut, lokale Medien berichten darüber als öffentliches Gut, Sponsoren und Werbende sind private Güter. Sport kann außerdem Konsumgut sein, wenn er aus Spaß betrieben wird, Potentialgut, wenn er aus gesundheitlichen Gründen betrieben wird, und Kapitalgut, wenn Sponsoren durch Werbung Käufer gewinnen wollen.

Nachfrage, Angebot und Unsicherheit

Eine Besonderheit des Sports ist, dass Nachfrager Unsicherheit über das Ergebnis wünschen. Gerade weil der Ausgang eines Wettkampfs offen ist, bleibt er spannend und attraktiv. Passive Sportkonsumenten hoffen auf hohe Substitutionskonkurrenz, also darauf, dass mehrere Teilnehmer oder Teams einander sportlich ersetzen und gefährlich werden können. Je größer die Unsicherheit, desto größer kann die Attraktivität des Wettkampfs sein. Diese Spannung setzt voraus, dass der Wettbewerb nicht manipuliert ist.

Man unterscheidet kurzfristige, mittelfristige und langfristige Unsicherheit. Kurzfristige Unsicherheit betrifft das Ergebnis eines einzelnen Wettkampfs. Mittelfristige Unsicherheit betrifft die Position eines Akteurs oder Teams in einem Wettkampf oder einer Liga. Langfristige Unsicherheit bezieht sich auf aufeinanderfolgende Wettkämpfe. Auch Zufall ist ein Erfolgsfaktor. Er kann das Ergebnis beeinflussen oder Ergebnisunterschiede vergrößern. Im Fußball kann Zufall zum Beispiel aus Tagesform und Glück bestehen. Dadurch können Ergebnisse offen bleiben, selbst wenn Vereine finanziell unterschiedlich stark sind.

Beim Angebot an Sport ist Kooperation zwischen Konkurrenten nötig. Vereine müssen zusammenarbeiten, damit überhaupt ein Wettkampf mit Ergebnisunsicherheit stattfinden kann, bleiben aber zugleich Gegner. Dieses Verhalten heißt Kooperenz. Sportvereine wollen ihren Nutzen maximieren und zahlungsfähig bleiben. Um Siege zu maximieren, müssen sie in Sportler investieren. Vereine bezahlen Akteure über deren Wertgrenzprodukt, damit Anreize entstehen, und können durch Mäzene unterstützt werden.

Die Nachfrage nach Sport ist oft sozialer Konsum, weil Sport häufig in Gruppen aktiv betrieben oder passiv erlebt wird. Wichtige ökonomische Determinanten sind Preis und Verfügbarkeit des Gutes, Opportunitätskosten, Einkommen der Nachfrager und der Preis von Substitutionsgütern. Zeit und Geld begrenzen die Nachfrage. Bei niedrigen Einkommen wirkt vor allem der Substitutionseffekt, bei hohen Einkommen ein Einkommenseffekt, weil Freizeit ein normales oder superiores Gut sein kann. Aktiver Sport kann als Konsumkapital gelten, weil er eine Investition in die eigene Gesundheit darstellt.

Preise spielen unterschiedlich. Eintrittskarten im Profisport können eine unelastische Nachfrage haben, also trotz Preisänderungen relativ stabil nachgefragt werden. Prestigesportarten können eine inverse Nachfragefunktion haben, weil sie gerade nicht für die breite Masse bestimmt sind. Auch Preise von Komplementärgütern wie Sportkleidung, Ausrüstung oder Anlagen sowie von Substitutionsgütern sind wichtig. Präferenzen beeinflussen ebenfalls die Nachfrage. Sie entstehen unter anderem durch frühere positive oder negative Erfahrungen und können von Geschlecht, Alter, Herkunft oder Bildung abhängen.

Wettbewerb, Individual- und Teamsport

Der sportliche Wettbewerb hat besondere ökonomische Eigenschaften. Ein wichtiger Charakterzug ist die relative Stärke: Wenn ein Akteur seine Leistung verbessert, werden andere Akteure im selben Wettkampf schlechtergestellt, sofern sie sich nicht ebenfalls verbessern. Beim Ranglisteneffekt verdrängt eine Leistungssteigerung mindestens einen anderen Akteur von seinem Rang, wenn auf einem Rangplatz nur ein Akteur stehen kann. Weil die Nachfrage nach vorderen Rangplätzen größer ist als nach hinteren, wird dies auch Superstareffekt genannt.

Bei Individualsportarten sind alle Akteure Konkurrenten. Die Grenzproduktivität hängt nur von der eigenen Leistung ab. Zuschauer bevorzugen meist hochklassige Akteure, weshalb diese stark auf Sieg und Anstrengung ausgerichtet sind. Veranstalter wollen ihren Gewinn maximieren, etwa durch Tickets, Merchandising und Erträge aus Fernsehübertragungsrechten. Die Qualität des Wettbewerbs kann durch höhere Anstrengung steigen. Deshalb nutzen Veranstalter Anreizmechanismen.

Ein systematischer Anreizmechanismus ist der Winner-Takes-All-Wettbewerb. Dabei erhält der Sieger den entscheidenden Gewinn. Es wird angenommen, dass Akteure identische Fähigkeiten und individuelle Rationalität besitzen, Veranstalter ihren Gewinn maximieren wollen und Anreizkompatibilität besteht. Das Anstrengungsniveau steigt, wenn das Preisgeld erhöht wird oder ein Sportler Siegeschancen hat. Mehr Teilnehmer erhöhen zwar die gesamte Anstrengung, aber nicht unbedingt die Anstrengung eines einzelnen Akteurs. Maximale individuelle Anstrengung wird in diesem Modell erreicht, wenn zwei Akteure gegeneinander antreten.

Bei Wettbewerben mit mehreren unterschiedlich starken Akteuren kann es zu keiner Leistungsmaximierung kommen. Schwächere Sportler schöpfen ihre Leistung nicht voll aus, weil sie kaum Siegchancen haben; stärkere nutzen dann ebenfalls nicht ihre komplette Leistung. Eine Belohnung des zweiten Platzes kann schwächere Teilnehmer stärker motivieren. Durch Screening können Veranstalter ein homogeneres Teilnehmerfeld schaffen. Bei ähnlichem Leistungsniveau sind unterschiedlich hohe Preise sinnvoll, bei unterschiedlich starken Teilnehmern sollten sich die Preise eher ähneln.

Bei Teamsportarten kooperieren die Mitglieder eines Teams miteinander und konkurrieren mit anderen Mannschaften. Die Grenzproduktivität hängt von allen Akteuren im Team ab. Ein zentrales Problem ist Trittbrettfahrerverhalten, weil die individuelle Leistung oft schwer vom Teamergebnis zu trennen ist. Daraus entstehen Informationsasymmetrien: Der Verein als Principal kann nicht sicher erkennen, ob der Sportler als Agent seine Leistung maximiert. Weitere Probleme sind Moral Hazard, weil Sportler ein möglichst hohes Gehalt und Vereine maximalen Erfolg anstreben, sowie Adverse Selection bei externen Neuzugängen. Dagegen helfen Kontrollmechanismen, Anreizmechanismen, Screening, Nachwuchsförderung sowie Signaling oder Selbstauslese durch externe Akteure.

Ligen und Arbeitsmarkt der Sportler

Sportligen werden als natürliche Monopole beschrieben, weil Marktzutrittsbarrieren bestehen und ein Eintritt in den Markt nicht einfach möglich ist. Eine Liga kann auch als Kartell verstanden werden. Sie grenzt ihr Gut von anderen Gütern ab, ist teilweise substituierbar und kann mit anderen Ligen konkurrieren. Technischer Fortschritt ist hier kaum oder nur gering vorhanden. Die Liga kann als Preiskartell auf dem Fernsehrechtemarkt auftreten, Spielregeln und Spielplan festlegen und damit als Marktaufteilungskartell handeln. Durch die Festlegung der Teilnehmeranzahl besitzt sie auch Merkmale eines Mengenkartells. Cheating kann jedoch den Kartellmarkt zusammenbrechen lassen.

Auf dem Arbeitsmarkt der Sportler zeigt sich ein ruinöser Gehälterwettbewerb besonders bei erfolgreichen Profisportlern. Sie sind eine Schlüsselressource für sportlichen Erfolg und damit für den Zuschauersport. Sportler können ihr Gehalt mit Vereinen aushandeln. Je niedriger das Gehalt eines einzelnen Sportlers ist, desto größer kann ein Verein seinen Kader aufstellen. Technischer Fortschritt kann den Kader verkleinern, wenn er Verletzungsgefahr und Verletzungshäufigkeit reduziert; dadurch können Akteure einen höheren Prohibitivlohn verlangen.

Das Angebot an Sportlern steigt, wenn der Substitutionseffekt den Einkommenseffekt übersteigt und dadurch das Gehalt steigt. Steigende Opportunitätskosten können das Angebot dagegen verringern. Produktivitätssteigerungen wirken unterschiedlich: Bei direkter Produktivitätssteigerung werden für dasselbe Ergebnis weniger Sportler benötigt. Bei indirekter Produktivitätssteigerung sinkt der Grenzertrag, der Preis reduziert sich, die Nachfrage nach Wettbewerb steigt und dadurch kann auch die Nachfrage nach Akteuren steigen.

Vereine verhalten sich oft als Monopson, also als Nachfrager mit starker Marktmacht, und können durch vertragliche Regulierungen niedrige Gehälter zahlen. Spielerbindungsinstrumente sind Reserve Clause, Draft System, Negotiation List, Salary Caps, Final Offer Arbitration und Transfersystem mit Ablösesumme. Eine Konkurrenzliga kann die Gehälter erhöhen, wenn Sportler zuvor unter ihrer Grenzproduktivität bezahlt wurden. Auch Gewerkschaften können durch Marktmacht und Verhandlungsgeschick die Lohnfindung verbessern. Besteht eine Gewerkschaft, liegt auf der Angebotsseite ein Monopol und auf der Nachfragerseite ein Monopson vor.

Nach dem Coase-Theorem würde sich ein Akteur bei erfüllten Bedingungen immer für den Verein entscheiden, bei dem seine Wertgrenzproduktivität am größten ist. Fehlen Bedingungen, verändert sich die Allokation der Sportler. Vereine sind aus Sicht der Akteure heterogen, also nicht gleichartig. Ein Sportler kann deshalb auf höheres Gehalt verzichten, wenn er andere Einflüsse wie Teampartner oder Reputation wichtiger findet.

Vergütung und Ausbildung

Ein Vergütungssystem im Sport soll das Leistungsniveau eines Spielers steigern. Dafür soll es anreizkompatibel und transparent sein, damit nachträgliche Manipulation nicht möglich ist. Weitere wichtige Faktoren sind schnelle Reaktionen auf Erfordernisse und Wirtschaftlichkeit, also die Minimierung der Kosten.

Verschiedene Prämien setzen unterschiedliche Anreize. Die Punktprämie hängt von den erzielten Punkten der Mannschaft ab und wird an alle Teammitglieder in gleicher Höhe gezahlt. Sie belohnt Kooperation im Team. Die Auflaufprämie wird individuell ausgehandelt und richtet sich nach der Anzahl der Wettkämpfe, die ein einzelner Akteur bestreitet; dadurch steigen interner Wettkampf und individueller Anreiz. Die Jahresleistungsprämie wird vor Saisonbeginn ausgehandelt und ist wie die Auflaufprämie unabhängig vom Team. Die Torprämie ist besonders im Fußball eine individuelle Prämie, die persönliche Leistungen vergüten soll.

Für die Ausbildung im Bereich Sportökonomie und im verwandten Sportmanagement gibt es in Deutschland verschiedene Berufsausbildungen und Studiengänge. Studiengänge werden von staatlichen und privaten Fachhochschulen und Universitäten angeboten. Im Jahr 2016 existieren 27 Bachelor- und 24 Masterstudiengänge an deutschen Hochschulen.

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