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Sonett 18

Sonett 18 ist eines der bekanntesten der 154 Sonette des englischen Dichters William Shakespeare, erstmals veröffentlicht 1609. In dem Gedicht vergleicht …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Entstehung
  2. 2. Aussage und Gedankengang
  3. 3. Form und sprachliche Gestaltung
  4. 4. Überlieferung, Übersetzungen und Wirkung

Überblick und Entstehung

Sonett 18 ist eines der bekanntesten der 154 Sonette von William Shakespeare. Es wurde erstmals 1609 veröffentlicht. Das lyrische Ich vergleicht eine geliebte Person mit einem Sommertag, verwirft diesen Vergleich aber schließlich: Die geliebte Person sei schöner, ausgeglichener und vor allem durch die Dichtung unvergänglich. Das Gedicht behandelt damit Schönheit, Vergänglichkeit, Zeit und die Macht der Lyrik.

Die Sonette erschienen gesammelt 1609 in London bei Thomas Thorpe unter dem Titel Shakespeare’s Sonnets. Never before Imprinted. Wegen ihres Formats heißt diese Ausgabe in der Forschung „Quarto-Ausgabe“. Ob Shakespeare die Veröffentlichung selbst wollte, ist ungeklärt; zahlreiche Druckfehler und Entstellungen sprechen eher gegen seine Beteiligung. Die Sonette dürften jedoch deutlich früher entstanden sein. Zeitgenossen spielten schon in den 1590er Jahren auf Shakespeares lyrisches Werk an; deshalb wird angenommen, dass er Sonett-Manuskripte im Freundeskreis zirkulieren ließ.

1639 veröffentlichte John Benson eine neu angeordnete und mit anderen Shakespeare zugeschriebenen Gedichten vermischte Ausgabe. Erst E. Malone legte 1780 wieder eine kritische Ausgabe auf Grundlage der Quarto-Ausgabe vor und übernahm erneut Thorpes Nummerierung. Sie wurde Ausgangspunkt späterer Ausgaben, die den Text möglichst unverfälscht wiedergeben wollen.

Aussage und Gedankengang

Das lyrische Ich spricht eine geliebte Person an. Anders als bei den vorangehenden Sonetten ist nicht eindeutig, ob diese Person ein Mann oder eine Frau ist. Die Anfangsfrage lautet: „Shall I compare thee to a summer’s day?“ („Soll ich dich einem Sommertag vergleichen?“).

Schon die zweite Zeile beantwortet die Frage negativ. Die geliebte Person sei „more lovely and more temperate“, also lieblicher und maßvoller als ein Sommertag. Der Sommer ist nämlich nicht beständig: Raue Winde schütteln die Knospen im Mai, der Sommer dauert nur kurz, die Sonne kann zu heiß scheinen oder durch Wolken verdunkelt werden. Alles Schöne verliert irgendwann seine Schönheit, entweder durch Zufall oder durch den Wandel der Natur.

Dem stellt das Sonett den „eternall Summer“ der angesprochenen Person gegenüber. Dieser ewige Sommer soll nicht verblassen; auch der Tod soll sich nicht rühmen können, die Person in seinem Schatten zu besitzen. Der entscheidende Grund steht im Schluss: Die Person lebt in den „eternall lines“, den ewigen Verszeilen, weiter. Solange Menschen atmen oder sehen können, lebt das Gedicht – und schenkt der geliebten Person Leben.

Form und sprachliche Gestaltung

Sonett 18 ist ein typisches Shakespeare-Sonett. Es hat 14 Zeilen in fünfhebigen Jamben. Ein Jambus ist ein Versfuß aus einer unbetonten und einer betonten Silbe; „fünfhebig“ bedeutet, dass jede Zeile fünf solcher Betonungseinheiten besitzt.

Der Aufbau besteht aus drei Quartetten, also drei Vierzeilern, und einem abschließenden Zweizeiler. Das Reimschema lautet „abab cdcd efef gg“. Damit unterscheidet sich die Form vom italienischen Sonett, das aus zwei Quartetten und zwei Terzetten besteht. Der Schlusszweizeiler kann die Aussage des Gedichts zusammenfassen oder eine überraschende Wendung bringen. Bei Sonett 18 fasst er die Behauptung zusammen, dass Dichtung dauerhaft Leben verleiht.

Das Gedicht verwendet Naturbilder: Sommer, Knospen, Wind, Sonne, Wolken und den Wechsel der Jahreszeiten. Diese Bilder zeigen die Vergänglichkeit der Natur. Demgegenüber stehen die bleibenden Verse. Im Sonettzyklus folgen auf die ersten 17 Sonette, die einen jungen Mann zu Heirat und Kindern auffordern, deshalb wird Sonett 18 häufig ebenfalls an einen jungen Mann gerichtet verstanden. Der Text selbst legt das Geschlecht der angesprochenen Person aber nicht fest.

Überlieferung, Übersetzungen und Wirkung

Shakespeares Sonette fanden bei ihrer Veröffentlichung 1609 zunächst vergleichsweise wenig Beachtung und wurden teils abgelehnt. Kritik richtete sich unter anderem gegen die Thematisierung einer homoerotischen Beziehung und die teilweise zynische Darstellung heterosexueller Liebe. Seit dem 18. Jahrhundert wurden die Sonette wiederentdeckt und zunehmend geschätzt. Die Forschung untersucht unter anderem Originaltext, Datierung, Anordnung, Authentizität und mögliche biografische Bezüge.

Gary Waller nannte sie „the greatest collection of love poems in the language“ („die großartigste Liebesgedichtsammlung in der [englischen] Sprache“). Sonett 18 gilt wahrscheinlich als das bekannteste Gedicht des Zyklus. Es wurde vielfach übersetzt und vertont. Im Shakespeare Music Catalog von 1991 sind für Sonett 18 über 120 Vertonungen verzeichnet. Eine Musicalvertonung berücksichtigte das Gedicht mit Bryan Ferry als Sänger; 2020 trug Frances McDormand es im Film Nomadland vor.

Shakespeares Sonette zählen zu den am häufigsten ins Deutsche übersetzten Werken der Weltliteratur. Es gibt über 40 Gesamtübertragungen und von Sonett 18 mehr als 150 deutschsprachige Übersetzungen. Dazu gehören klassische Übersetzungen, etwa von Dorothea Tieck, ebenso Parodien und Übertragungen in deutsche Dialekte. Die im Artikel wiedergegebene Übersetzung von Emil Wagner, der auch unter dem Namen Ludwig Reinhold Walesrode veröffentlichte, beginnt mit „Soll ich vergleichen dich dem Sommertag?“ und bewahrt die zentrale Aussage: Das Lied lebt fort und verleiht der geliebten Person Leben.

Lernvideos zu Sonett 18

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