Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Seminarfacharbeit
Eine Seminarfacharbeit ist eine Arbeit, die von Schülern der gymnasialen Oberstufe in mehreren Bundesländern (u. a. in Thüringen, Saarland) angefertigt …
Inhalt5 Abschnitte
Grundidee und Zielsetzung
Die Seminarfacharbeit ist eine verpflichtende Arbeit für Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe in mehreren Bundesländern, unter anderem Thüringen und Saarland. Anders als Facharbeiten in anderen Ländern wird sie normalerweise als Gruppenarbeit von drei bis fünf Personen erstellt und hat einen vergleichsweise großen Einfluss auf die Abiturnote.
Sie soll auf wissenschaftliches Arbeiten vorbereiten. Dazu gehören selbstständiges Lernen, problembezogenes Denken, Zusammenarbeit, Kommunikation und die Reflexion über die eigene Rolle in der Gruppe. Die Thüringer Schulordnung nennt als Ziel ausdrücklich die Schulung von Kompetenzen (§ 75 Abs. 4). Die Arbeit soll einen wissenschaftlichen Neuwert besitzen, auch Eigenanteil genannt, und sich in Aufbau und Layout an Anforderungen wissenschaftlicher Seminararbeiten an Hochschulen orientieren.
Der Artikel weist darauf hin, dass seine Angaben teilweise nicht hinreichend belegt sind.
Einordnung in das Abitur
Die Seminarfacharbeit besteht aus drei getrennt bewerteten Teilen:
- Arbeitsprozess: 20 % der Gesamtnote
- schriftliche Arbeit: 30 % der Gesamtnote
- Kolloquium beziehungsweise Verteidigung: 50 % der Gesamtnote
Die Seminarfachnote ist im Abiturzeugnis Teil des Qualifikationsbereichs, der ein Drittel der Abiturnote ausmacht. Dieser Bereich umfasst die vier Noten in den Prüfungsfächern aus dem Schulhalbjahr 12/II, die jeweils dreifach gewerteten Prüfungsnoten und die vierfach gewertete Seminarfachnote.
Die Seminarfacharbeit kann auch nicht in das Abitur eingebracht werden. Dann werden die Prüfungsnoten jeweils vierfach gewertet. Bei einer Seminarfachleistung von 0 Punkten erfolgt keine Zulassung zum Abitur.
Vorbereitung, Gruppe und Thema
Der Arbeit geht Unterricht im Seminarfach voraus. Er wird im ersten Schuljahr der Sekundarstufe II mit einer Wochenstunde erteilt und vermittelt Anforderungen der Arbeit sowie Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens und Präsentierens.
Spätestens bis zum Ende des Halbjahres 11/I, an manchen Schulen früher, bilden die Schülerinnen und Schüler Gruppen. Nach der Thüringer Schulordnung sollen diese aus drei bis fünf Personen bestehen. Einzelarbeiten oder Zweiergruppen müssen bei der Schulleitung beantragt werden und werden nur ausnahmsweise genehmigt. Auch schulübergreifende Gruppen sind möglich.
Das Thema muss wissenschaftlichen Neuwert enthalten und mindestens zwei der drei Aufgabenfelder des Abiturs in Thüringen abdecken. Die Gruppe kann zusätzlich einen Außenbetreuer suchen, der das Thema außerhalb der Schule fachlich begleitet. Zu einem festgelegten Termin reicht sie ein Formblatt mit Mitgliedern, Außenbetreuer und endgültiger Themenformulierung ein. Das Thema muss eine vollständige Analyse ermöglichen; Gruppen und Themen benötigen die Genehmigung der Schulleitung. In der Regel wird außerdem ein Lehrer als Fachbetreuer zugeteilt.
Die Gruppe führt ein Berichtsheft, in dem der Arbeitsverlauf festgehalten wird.
Arbeitsphase und schriftliche Ausarbeitung
Nach Abgabe des Formblatts stehen etwa ein Jahr für die Erstellung der Arbeit zur Verfügung. Alle Arbeitsschritte werden im Berichtsheft protokolliert. Mindestens vier Konsultationen mit dem betreuenden Lehrer sind erforderlich und müssen anschließend durch Protokolle nachgewiesen werden.
Für Schriftart, Schriftgröße und Zeilenabstand gibt es Vorgaben, die jedoch schulabhängig sind und von der jeweiligen Schulkommission in einem gewissen Rahmen verändert werden können. Jedes Gruppenmitglied muss eine von der Kommission festgelegte Seitenzahl verfassen.
Der Eigenanteil kann beispielsweise in der Durchführung und Auswertung eines Experiments, einer Umfrage oder eines wissenschaftlichen Vergleichs bestehen. Bei einem Wechsel an ein anderes Gymnasium innerhalb Thüringens arbeitet ein Schüler an der Seminarfacharbeit der bisherigen Schule weiter. Verlässt ein Mitglied die Schule vorzeitig, müssen die übrigen Mitglieder die Arbeit allein fortführen; im Einzelfall kann dadurch auch eine Einzelarbeit entstehen.
Die fertige Arbeit wird in doppelter Ausführung gedruckt und gebunden. Sie ist im Halbjahr 12/I zu einem von der Schule festgelegten Termin abzugeben, meist vor den Herbstferien. Zusätzlich wird eine schriftliche Beurteilung durch den Außenbetreuer eingereicht.
Kolloquium, Sonderformen und Kritik
Das Kolloquium bildet den Abschluss und kann laut Schulordnung in 12/I oder 12/II stattfinden; meist wird es zu Beginn von 12/II durchgeführt. Die Gruppe präsentiert ihre wesentlichen Ergebnisse und beantwortet Fragen zum Fachgebiet. Vorher gibt sie Berichtsheft, Ablaufplan und Thesenpapier ab. Die Thesen des Papiers sollen den Inhalt widerspiegeln und im Kolloquium direkt oder indirekt bewiesen werden.
Je nach Schule dauert das Kolloquium 30 bis 60 Minuten, unabhängig von der Gruppengröße; jedes Mitglied soll mindestens 10 Minuten Redezeit haben. Eine Kommission aus drei Lehrern, darunter der Fachbetreuer, bewertet die Präsentation. Nach spätestens 60 Minuten wird sie abgebrochen; anschließend stellt die Kommission Fragen, deren fachgerechte Beantwortung in die Bewertung eingeht. Der Vorsitz kann auch Fragen weiterer Zuschauer zulassen.
An manchen vor allem mathematisch-naturwissenschaftlich-technisch ausgerichteten Gymnasien sind meist Dreiergruppen und zwingend MINT-Themen vorgesehen; Einzelarbeiten kommen dort dennoch vor. Manche Arbeiten werden in gekürzter Form bei „Jugend forscht“ eingereicht.
Als Kritik nennt der Artikel fehlende besondere Ausbildung der Lehrkräfte für das Seminarfach, dadurch möglicherweise widersprüchliche Auskünfte und begrenzte fachliche Beurteilungsmöglichkeiten. Kritisiert werden außerdem das hohe Gewicht des Kolloquiums, mögliche Vorteile für besonders anschaulich präsentierbare Themen sowie mögliche Ungleichbehandlung durch unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe der Prüfenden. Zwar gebe es Vorschriften und Punktkataloge, die Bewertung könne aber stark von persönlichen Ansprüchen und Vorstellungen der Lehrer abhängen.