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Schloss Herrenhausen
Schloss Herrenhausen ist eine ehemalige Residenz der Kurfürsten und Könige von Hannover im Stadtteil Herrenhausen von Hannover.
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Überblick und Bedeutung
Schloss Herrenhausen ist eine ehemalige Residenz der Kurfürsten und Könige von Hannover im hannoverschen Stadtteil Herrenhausen. Zusammen mit dem Großen Garten bildet es ein historisches Ensemble. Die Dreiflügelanlage öffnet sich nach Süden zum Garten und ist dessen architektonischer Bezugs- und Ausgangspunkt. Eine weitere Sichtachse führt in Nord-Süd-Richtung vom Schloss zum Welfenmausoleum.
Seine klassizistische Gestalt erhielt das Schloss 1819 bis 1821 durch den Hofbaumeister Georg Ludwig Friedrich Laves im Auftrag König Georgs IV. Nachdem es 1943 bei einem Luftangriff zerstört worden war, wurde es von 2011 bis 2013 wiederaufgebaut. Heute beherbergt der rekonstruierte Bau das Tagungszentrum Schloss Herrenhausen und das Museum Schloss Herrenhausen.
Vom Gutshof zum Sommerschloss
Die ersten Gebäudeteile entstanden ab etwa 1640 durch den schrittweisen Umbau eines Gutshofs zu einem Lusthaus. Um 1670 war die typische Dreiflügelanlage bereits erkennbar. In der Mittelachse des zweigeschossigen Hauptgebäudes lag eine Durchfahrt zum Hof. Toreinfassung, Balkon und Gaube betonten die Mitte der Nordfassade. Hofseitig führte eine zweiläufige Freitreppe zum Piano nobile, dem repräsentativen Hauptgeschoss. Die eingeschossigen Seitenflügel dienten zunächst als Stallungen, Scheunen und Unterkünfte für das Dienstpersonal.
Unter Herzog Johann Friedrich baute Marinus Cadart die Anlage ab 1676 entscheidend zum Sommerschloss aus. Der Wohntrakt wurde verbreitert und mit repräsentativen Wohn- und Gesellschaftsräumen ausgestattet. Mittelpunkt des höfischen Lebens war der kleine Mittelsaal über der Durchfahrt. Von dort bot der Blick auf den kunstvoll gestalteten Garten ein Bild für die Macht des Regenten.
In den Seitenflügeln entstanden Winterquartiere für frostempfindliche Pflanzen und damit eine erste Orangerie. Die Flügel erhielten begehbare, mit Blei abgedichtete Flachdächer. Große Kaskade und Grotte ermöglichten über diese Dachterrassen den direkten Zugang von den Wohnräumen zum Garten. Hinzu kamen ein westlicher Küchenflügel und vor der Nordseite ein Ehrenhof mit halbrunder Einfassungsmauer. Als Vorbild für die gesamte Anlage diente der Villenbau der italienischen Renaissance.
1683 wurde im Schloss der spätere britische König Georg II. geboren. Um 1688 plante Herzog Ernst August eine wesentlich größere Anlage, angeregt durch Villen des Veneto und besonders durch Andrea Palladios nicht verwirklichte Villa Trissino. Johann Peter Wachter übertrug den Entwurf in einen Bauplan für ein Holzmodell, das Johann Heinrich Wachter ausführte. Von dem Vorhaben wurde zunächst nur die Galerie Herrenhausen verwirklicht.
Umbauten und königliche Nutzung
Kurfürst Georg Ludwig setzte ab 1698 vor allem auf den Ausbau der Wasserspiele und ließ die geplante große Schlossanlage nicht errichten. Zwischen 1704 und 1706 wurde das vorhandene Schloss unter der Aufsicht von Graf Giacomo Querini und der Bauleitung Tommaso Giustis grundlegend instand gesetzt. Eine neue Verputzdekoration ahmte gequaderte Fenster- und Eckeinfassungen nach und bewahrte den italienisch geprägten Charakter. Über den Seitenflügeln entstanden kurze Kopfbauten. Dienst-, Gäste- und Bedienstetenwohnungen wurden vor die Ehrenhofmauer gesetzt. Aus dieser Bauphase stammen die erhaltenen Sandsteinpfeiler und schmiedeeisernen Gitter zwischen Gartenhof und Großem Parterre.
Tobias Henry Reetz erneuerte 1725 die Fassade des Fachwerkschlosses, sodass es weiterhin wie ein Massivbau wirkte. Sein Entwurf für einen größeren Neubau wurde nicht umgesetzt. Er sollte das als unpassend empfundene Größenverhältnis zwischen dem vollendeten Garten und dem kleinen Schloss verbessern. Auch spätere Neubau- und Umbaupläne blieben unverwirklicht. 1780 ließ Hofmaurermeister Johann Georg Täntzel unter Georg III. die gesamte barocke Fassadendekoration entfernen, weil der aufwendige Verputz des Fachwerks zu hohe Unterhaltungskosten verursachte.
Von 1819 bis 1821 gestaltete Georg Ludwig Friedrich Laves das Schloss klassizistisch um. Die Fassaden erhielten eine Putzquaderung, also einen Putz, der den Eindruck von Steinquadern erzeugte. Die mittleren Fensterachsen wurden als leicht vorspringende Risalite ausgebildet. Auf der Gartenseite trat der Mittelrisalit nur wenig hervor; an der Nordfassade ergänzte Laves einen flachen Giebel mit hoher, figurengeschmückter Attika. Eine Attika ist ein Aufbau über dem Hauptgesims. Der Haupteingang führte nun in ein Vestibül statt in eine Durchfahrt und wurde durch einen säulengetragenen Balkon hervorgehoben. Eine hohe Attika über der gesamten Fassade verdeckte große Teile des Dachs.
Für den dreiwöchigen Besuch König Georgs IV. im Oktober 1821 passte Laves das Schloss gehobenen englischen Wohnstandards an. Er ließ Spültoiletten und Teeküchen einbauen, im Obergeschoss einen Speisesaal schaffen und den Küchenbereich erneuern; viele ältere Raumdekorationen blieben erhalten. Nachdem die hannoverschen Könige ab 1837 wieder in Hannover residierten, diente das Schloss repräsentativen Dîners und Empfängen. Georg V. nutzte Herrenhausen ab 1857 erneut als Sommerresidenz und später während des Baus des Welfenschlosses auch als Residenz.
Zerstörung und Wiederaufbau
Das überwiegend aus verkleidetem Holzfachwerk bestehende Schloss brannte bei einem Luftangriff in der Nacht vom 18. auf den 19. Oktober 1943 ab. Erhalten blieben nur die Freitreppe, Teile der Galerie und einige Nebengebäude. Die Ruinen verfielen und wurden in den 1950er Jahren fast vollständig abgetragen.
Mehrere Wiederaufbau- und Ersatzprojekte wurden nicht verwirklicht: Karl Cravatzo schlug im April und Mai 1958 ein Schlosshotel vor, Otto Fiederling 1959 ein Museum der bildenden Künste mit Kunsthalle. Nachdem das Grundstück 1962 von der hannoverschen Linie der Welfen an die Stadt Hannover übergegangen war, folgten unter anderem Pläne für die Musikhochschule, eine Aussichtstribüne mit Restaurant namens Bella Vista nach einem Entwurf Arne Jacobsens und eine bepflanzte Aussichtsplattform. Ministerpräsident Ernst Albrecht regte 1977 den Wiederaufbau des Schlosses an.
Ein Kulturvertrag zwischen der Stadt Hannover und dem Land Niedersachsen schrieb 1986 eine bauliche Ergänzung vor, die auf den Großen Garten abgestimmt sein sollte. Historische und denkmalpflegerische Untersuchungen bereiteten einen Architektenwettbewerb vor, der aus finanziellen Gründen nicht stattfand. Nach Verhandlungen mit der VolkswagenStiftung ab November 2007 schlossen die Stadt und eine stiftungseigene Gesellschaft im Juli 2009 einen Erbbaurechtsvertrag mit einer Laufzeit von mehr als 99 Jahren. Mit Mitteln der Volkswagenstiftung wurde die klassizistische Fassade des Laves-Schlosses nach Plänen des Hamburger Büros JK – Jastrzembski Kotulla rekonstruiert. Die Baukosten lagen bei etwas über 25 Millionen Euro.
Der Grundstein wurde am 6. Juni 2011 gelegt. Die Eröffnung fand am 18. Januar 2013 mit einem Festvortrag des Präsidenten des Bundesverfassungsgerichtes Andreas Voßkuhle statt.
Heutige Nutzung
Im Mittelflügel befindet sich seit dem Wiederaufbau das Tagungszentrum Schloss Herrenhausen, das vor allem wissenschaftlichen Vorträgen dient. Sein Vortragssaal im Untergeschoss hat ungefähr 270 Plätze. Im Obergeschoss liegt ein auch für Kammermusik geeigneter Festsaal mit 700 Plätzen bei Reihenbestuhlung beziehungsweise bis zu 360 Plätzen bei Banketten.
Am 14. Mai 2013 eröffnete in den Seitenflügeln und einem unterirdischen Verbindungsgang das Museum Schloss Herrenhausen als Abteilung des Historischen Museums Hannover. Die Ausstellung im Ostflügel behandelt die Entstehung der Herrenhäuser Sommerresidenz, ihre Bedeutung für den welfischen Fürstenstaat im Zeitalter des Barocks und wichtige Personen für die Geschichte des Großen Gartens im ausgehenden 17. Jahrhundert. Der Verbindungsgang erklärt die Gartengestaltung als Ausdruck barocker Kultur. Im Westflügel wird die Geschichte der Herrenhäuser Gärten seit 1760 dargestellt.