Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Salzburger Bauernkrieg
Die Aufständischen siegten am 3. Juli 1525 bei Schladming über den Landeshauptmann der Steiermark und erzielten damit den einzigen Erfolg eines Bauernheeres in …
Inhalt5 Abschnitte
Überblick und Ursachen
Der Salzburger Bauernkrieg bezeichnet zwei nahe aufeinanderfolgende Aufstände von Bergknappen und Bauern im Erzstift Salzburg 1525 und 1526. Kennzeichnend war die besonders gute administrative und militärische Organisation der Aufständischen. Ihr Sieg bei Schladming am 3. Juli 1525 war der einzige Erfolg eines Bauernheeres in einer größeren Schlacht während des Deutschen Bauernkrieges.
Wichtige Ursachen lagen in der Politik des Kardinal-Erzbischofs Matthäus Lang von Wellenburg. Er forderte am 30. Mai 1522 eine außerordentliche Steuer für Kosten der Kaiserkrönung Karls V. und Reichstage. Als die Stadt Salzburg sich wehrte, zog Lang am 11. Juli 1523 mit einigen hundert Landsknechten ein. Er ließ die Festung Hohensalzburg mit dem Geschützturm „Bürgermeister“ verstärken, dessen Kanonen auf die Stadt gerichtet waren.
Der Aufschwung des Gold- und Silberbergbaus brachte Holzknappheit. Langs Waldordnung von 1524 schützte zwar die Wälder, beschränkte aber die bisherige Waldnutzung und Privilegien der Bergleute. Gewerken und Knappen wollten deshalb lieber einem weltlichen Fürsten als einem Fürstbischof unterstehen. Zusätzliche Empörung entstand, nachdem der lutherisch predigende Leutpriester Eustachius von Heiterwang verurteilt worden war und Bauern ihn am 8. Mai 1525 in Schellenberg befreit hatten. Lang ließ zwei beteiligte Bauern ohne Gerichtsverfahren enthaupten. Ende Mai begann der Aufstand; sein Hauptziel war die Absetzung des als Tyrann angesehenen Erzbischofs.
Aufstand und Reformpläne 1525
Etwa 400 Bergknappen aus Hallein bildeten die Kerntruppe; hinzu kamen einige tausend Bauern aus den Gebirgstälern. Die Salzburger Unterschicht öffnete ihnen am 29. Mai die Stadttore. Lang zog sich daraufhin auf die Festung Hohensalzburg zurück. Bergleute unterminierten den Bürgermeisterturm, stellten die Arbeit aber ein, weil die Aufständischen ihren Lohn nicht organisieren konnten. Dadurch wurde die Festung und damit der Erzbischof gerettet.
Die Aufständischen übernahmen faktisch die Herrschaft und nannten sich „gemeine Landschaft Salzburg“ oder „christliche ersame Gemein dieser Provinz im Pirg Saltzburg Bistumb.“ Ihre 24 Artikel beriefen sich auf das Göttliche Recht: Das Evangelium sollte unverfälscht verkündet und wirtschaftliche Forderungen biblisch begründet werden. Gerichte sollten bei Pfarrer- und Richterernennungen beteiligt sein; Geistliche sollten der gewöhnlichen Gerichtsbarkeit unterstehen.
Für Salzburg war ein Landschaftsregiment vorgesehen, an dem Adel, Bürger und Bauern beteiligt sein sollten. Es sollte Klöster und Finanzen verwalten sowie Amtsträger einsetzen; der Erzbischof sollte geistliche Aufgaben und ein festes Einkommen behalten. Die Aufständischen wollten also nicht ohne Obrigkeit regieren, sondern einen Nachfolger Langs finden. Das Regiment organisierte ein Landesheer, verpflichtete Söldner und ließ sich von erzbischöflichen Amtleuten huldigen.
Sieg bei Schladming und Waffenstillstand
Erzherzog Ferdinand entsandte unter Siegmund von Dietrichstein ein Söldnerheer gegen Aufstände in der Steiermark. Die Salzburger mobilisierten zahlreiche Kriegsknechte, wohl überwiegend Knappen. Unter Hauptmann Michael Gruber besiegten sie Dietrichsteins Truppen am 3. Juli 1525 bei Schladming. Dietrichstein und weitere Adlige wurden nach Hohenwerfen gebracht; allein aus den steirischen Kriegskassen erbeuteten die Sieger 19.000 Gulden.
Nach dieser Niederlage vertrat Ferdinand eine kompromisslose Haltung. Bayern setzte dagegen auf Verhandlungen und führte auch Geheimverhandlungen mit dem eingeschlossenen Lang. Der Schwäbische Bund wollte die Beschwerden gegen Lang untersuchen lassen, bestand aber darauf, dass er im Amt blieb.
Anfang August beschoss Lang die Stadt von der Festung aus. Mitte August standen sich bei Maxglan die Truppen der Landschaft unter Gruber und die Kräfte des Schwäbischen Bundes unter Herzog Ludwig von Bayern und Georg von Frundsberg gegenüber. Statt zu kämpfen, schlossen sie einen auf den 31. August 1525 datierten Vertrag, den compromiss. Lang gestand politische Beteiligung zu; unter bayerischer Aufsicht sollten Vorwürfe gegen ihn untersucht werden. Die Reformationsthematik blieb jedoch ausgeklammert. Ein Teil der Aufständischen kooperierte danach bedingt, während Radikalere ein weltliches Fürstentum statt des Erzstifts forderten. Im Gebirge hielt der Widerstand teilweise an.
Erneuter Aufstand und Niederlage 1526
Im Frühjahr 1526 erneuerte sich im Pinzgau der Widerstand, auch wegen eines Gerüchts über ein böhmisches Söldnerheer. Anfang April schlugen die Pinzgauer einen Stoßtrupp des erzbischöflichen Hofmarschalls Wiguleius von Thurn von Saalfelden zurück. Lang bereitete daraufhin einen umfassenden Militäreinsatz vor, trat dem Schwäbischen Bund bei und verlangte von den Aufständischen Unterwerfung auf Gnade und Ungnade. Später bezifferte er seine Kosten auf 300.000 Gulden und legte sie den nicht geflohenen überlebenden Knappen und Bauern auf.
Die Pinzgauer erhielten Unterstützung von Knappen aus Gastein, Rauris, Bramberg und dem Brixental sowie geflohenen Bergleuten aus Steiermark und Tirol. Diese galten als Elitetruppe. Zu den Tiroler Führern gehörten Michael Gaismair, Christoph Ganner, genannt Setzenwein, und Peter Paßler. Die Schwazer Knappen verweigerten weitgehend Unterstützung.
Nach der gescheiterten Belagerung von Radstadt am 24. Juni 1526 und der Entsetzung der Stadt durch den Schwäbischen Bund verließen viele Knappen das Bauernheer. Trotz eines Sieges Gaismairs an der Mandling und eines taktischen Vorteils Paßlers bei Zell war der Kampf nicht mehr finanzierbar. Am 3. Juli 1526 beschlossen Gaismair und Paßler in Embach, sich mit höchstens 2000 Kämpfern über den Rauriser Tauern und Lienz ins Venezianische zurückzuziehen.
Folgen für Bergleute und Bevölkerung
Die Knappen waren der militärisch stärkste Teil des Bauernheeres, blieben aber vor allem loyal, solange sie Sold erhielten; ohne Bezahlung kehrten viele in den Bergbau zurück. Ab 1526 wurden Bergleute neu überwacht: Aufwiegler und Anhänger Gaismairs sollten ermittelt und bestraft werden. Jeder Bergmann musste Fürst, Kammergut und Gewerken Loyalität und Arbeitseifer schwören; eine Meldepflicht beschränkte die Freizügigkeit. Caspar Praßler, 1525 ein Anführer, führte später als Bergrichter in Gastein Namenslisten. Michael Gruber blieb dagegen weitgehend straffrei und trat im Frühjahr 1526 als Truppenkommandant in Langs Dienst.
Am 20. November 1526 ließ Lang Beschwerden der Bauern nach dem „alten Herkommen“ regeln. Sechs Tage später verschärfte eine Ordnung die Herrschaft: Waffenherstellung und Waffenimport wurden streng kontrolliert, Konspiration und Ungehorsam mit „schwärer straff an leib und guet“ bedroht. Die Verwaltung sollte Bauern umfassender kontrollieren und ihre Mehrproduktion abschöpfen.
Prozessakten zu einem Aufstandsversuch in Sankt Gilgen 1532 zeigen fortdauernden Hass auf obrigkeitlichen Zwang. Sechs Anführer wurden nach teils unter Folter erpressten Geständnissen zum Tod verurteilt. Das Malefizrecht wurde zuvor so geändert, dass Untreue gegen den Landesfürsten oder dessen Obrigkeit als schweres Verbrechen verfolgt werden konnte. Zugleich erkannte das landesfürstliche Regiment, dass Pfleger und Richter nicht unbegrenzte Macht über die Landbevölkerung haben sollten.