Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Salinenkrebs
Der Salinenkrebs (Artemia salina), manchmal auch Salinkrebschen, Artemia oder Salzkrebs (der Plural Salzkrebschen bezeichnet jedoch die übergeordnete …
Inhalt6 Abschnitte
Überblick und Einordnung
Der Salinenkrebs (Artemia salina) ist ein kleiner Krebs aus der Klasse der Kiemenfußkrebse (Branchiopoda) und der Ordnung der Kiemenfüßer (Anostraca). Er gehört zur Gattung der Salzkrebschen (Artemia). In natürlicher Umgebung lebt er in salzigen Gewässern des Mittelmeerraums und angrenzender Gebiete sowie im Süden Afrikas.
Bekannt ist der Salinenkrebs auch aus Zoohandlungen: Dort werden Tiere oder „Eier“ als Frostfutter und Zierfischfutter verkauft. Im Handel werden allerdings regelmäßig nicht nur Dauereier von Artemia salina, sondern auch ähnliche Eier anderer Artemia-Arten unter diesem Namen angeboten. In Deutschland wurde der Salinenkrebs besonders als „Urzeitkrebs“ bekannt, weil solche Tiere seit Mitte der 1970er Jahre mehrfach Jugendzeitschriften als Beilage beigegeben wurden.
Lebensweise und Fortpflanzung
Salinenkrebse leben im Salzwasser. Sie ernähren sich filtrierend, das heißt, sie filtern Nahrungspartikel aus dem Wasser. Ihre Nahrung besteht vor allem aus Algen und Nanoplankton, also sehr kleinen im Wasser schwebenden Organismen.
Die sogenannten Eier sind tatsächlich mehrzellige Zysten mit inaktivem Stoffwechsel. Dieser Ruhezustand heißt Kryptobiose. In ihm können die Zysten mehrere Jahre überdauern, auch in trockener und sauerstofffreier Umgebung. Solche Dauereier werden von den Elterntieren freigesetzt, wenn der Salzgehalt steigt. Das deutet in ihrem Lebensraum darauf hin, dass ein Salzsee bald austrocknen könnte.
Wenn die Bedingungen günstiger sind, legen Salzkrebse Eier mit dünnerer Schale. Diese schlüpfen sehr schnell, können aber Trockenheit nicht überstehen.
Aufzucht und Entwicklung
Die frisch geschlüpften Larven heißen Artemia-Nauplien. Sie werden häufig als Fischfutter verwendet. Sie schlüpfen, wenn die Eier in salziges Wasser gelegt werden, je nach Temperatur nach 12 bis 36 Stunden.
Innerhalb eines Monats können sie bis zu einer Länge von einem Zentimeter heranwachsen. Für die Aufzucht gilt eine dreiprozentige Salzlösung als günstig. Gegenüber der Salinität, also dem Salzgehalt des Wassers, sind die Tiere jedoch relativ tolerant. Die Nauplien können mit Algen oder ersatzweise mit Trockenhefe gefüttert werden.
Salinenkrebse werden insgesamt 1–2 Zentimeter groß und können mehrere Monate leben. Je nach Salzgehalt und Futter kann sich ihre äußere Erscheinungsform, die Morphologie, verändern. Auch ihre Farbe hängt von den Umweltbedingungen ab.
Zuchtlinie Artemia nyos
„Artemia nyos“ ist der Handelsname einer besonders widerstandsfähigen Zuchtlinie von Salinenkrebsen. Sie stammt vom Züchter Harold von Braunhut aus New York und wird seit 1960 unter dem Warennamen „Sea-Monkey“ vertrieben. Dieser Name ist vor allem in den USA verbreitet.
Die Zuchtlinie ist kommerziell verfügbar. Sie wird für Forschungszwecke, als Tierfutter in der Aquaristik sowie für Freizeit- und Lehrzwecke verwendet. Der Namensteil „nyos“ ist eine Abkürzung für New York Ocean Science Laboratory, in dem die Zuchtlinie entstanden sein soll.
Bekanntheit als Urzeitkrebs
Sea-Monkeys wurden in den 1970er-Jahren regelmäßig über Kleinanzeigen in Comics und Heftromanen als „Phantastische Unterwassermännlein“ verkauft. Besonders in den 1980er- und 1990er-Jahren wurden sie Kindern als „Urzeitkrebse“ bekannt gemacht.
Mehrfach lagen sie Yps-Comic-Heften bei, ab 1994 auch Micky-Maus-Magazinen. Heute sind sie unter anderem als Bestandteil von Experimentierkästen im Handel erhältlich.
Gefährdung in Deutschland
In Deutschland gilt Artemia salina als extrem selten und vom Aussterben bedroht. Es gibt zwar immer wieder einzelne Funde von Salzkrebsen in Binnengewässern. Manche dieser Vorkommen können sich auch längere Zeit halten und fortpflanzen.
Vermutlich handelt es sich dabei aber fast immer um ausgesetzte Zuchttiere, etwa um „Urzeitkrebse“ der Zuchtlinie „Artemia nyos“. Diese gehören wahrscheinlich außereuropäischen Arten an, besonders der nordamerikanischen Artemia monica, die bis 2021 als Artemia franciscana bekannt war. In einigen Fällen ist dies nachgewiesen: mindestens vier von zwölf seit 1900 nachgewiesenen Vorkommen, möglicherweise mehr. Ob Artemia salina in Deutschland überhaupt noch vorkommt, ist daher unklar.