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RISC Software
Die Kernkompetenzen bündeln sich heute in den Bereichen Industrial AI, Medical AI, Data Intelligence, Industrial Software Applications, B2B Processes sowie …
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Überblick
Die RISC Software GmbH ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung mit Sitz im Softwarepark Hagenberg in Hagenberg im Mühlkreis, Österreich. Sie verbindet Symbolisches Rechnen, Mathematik und Informatik, um anwendungsorientierte Softwarelösungen für die Wirtschaft zu entwickeln. Als Spin-off des Research Institute for Symbolic Computation der Johannes Kepler Universität Linz ist sie eine Schnittstelle zwischen akademischer Grundlagenforschung und industrieller Anwendung.
Die Gesellschaft ist eine GmbH und wurde 1992 gegründet. Geschäftsführer ist Wolfgang Freiseisen. Für 2025 werden 91 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie ein Umsatz von 8,9 Mio. Euro angegeben. Die Anteile halten die Johannes Kepler Universität Linz mit 80 % und die Upper Austrian Research GmbH, die Forschungsholding des Landes Oberösterreich, mit 20 %.
Die wichtigsten Arbeitsfelder sind Industrial AI, Medical AI, Data Intelligence, Industrial Software Applications, B2B Processes sowie Quantum Computing. Insgesamt geht es darum, wissenschaftliche Methoden in praktische Software, Simulationen, Datenlösungen und Beratungsleistungen für Unternehmen und Forschungspartner zu übertragen.
Organisation und Aufgaben
RISC Software wurde 1992 von Bruno Buchberger als anwendungsorientierter Teil des Research Institute for Symbolic Computation der Johannes Kepler Universität Linz gegründet. Die Einrichtung ist gemeinwohlorientiert und arbeitet daran, Ergebnisse aus der universitären Grundlagenforschung in angewandte Forschung und Projekte mit Partnern aus Wirtschaft und Industrie zu überführen.
Das Unternehmen liegt innerhalb der strategischen Stärkefelder des Landes Oberösterreich besonders in den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnologien, Mechatronik, Life Sciences, Logistik und Energie. Es besitzt ein zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem nach ISO 9001. Außerdem verfolgt es einen Gender Equality Plan und beteiligt sich an Förderprojekten, die den Frauenanteil in technischen Berufen, also MINT-Berufen, und die Chancengleichheit in der Forschung stärken sollen.
Die Arbeit ist eng mit industrieller Anwendung verbunden: Rund 30 % der Aktivitäten entfallen auf öffentlich geförderte Forschungsprojekte, etwa 70 % des Projektvolumens auf kundenfinanzierte Projekte für die Wirtschaft. Damit soll ein direkter Technologietransfer von wissenschaftlicher Grundlagenforschung zu marktfähigen Softwareprodukten entstehen.
Die RISC Software GmbH ist in vier Bereiche gegliedert. Data Intelligence entwickelt intelligente Datenlösungen für Produktion, Energie und Mobilität. Industrial Software Applications entwickelt spezialisierte Softwarelösungen für Modellierungen, Analysen, Simulationen und Steuerungen in Ingenieurwissenschaften, Fertigungssystemen und Produktionsprozessen. Die Forschungsabteilung Medizin-Informatik entwickelt medizinische Software auf Grundlage komplexer Methoden aus Mathematik, Informatik und Biomechanik; sie war vor ihrer Eingliederung 2008 eine Forschungsabteilung der Upper Austrian Research GmbH. Domain-Specific Applications entwickelt agile Software für Daten- und Prozessmanagement.
Forschungsschwerpunkte
Unter dem Leitbild „Approved Applied Algorithmic Intelligence“ bündelt RISC Software seine Forschung in sechs technologische Fokusbereiche. Industrial AI and Simulation befasst sich mit KI-Modellen für industrielle Fertigungsprozesse und physikalischen Simulationen mithilfe digitaler Zwillinge. Ein digitaler Zwilling ist ein digitales Modell eines realen Systems, mit dem Zustände und Prozesse simuliert werden können.
Medical AI and Simulation konzentriert sich auf die digitale Transformation im Gesundheitswesen, besonders auf KI-basierte Diagnostik und computergestützte Operationsplanung. Data Intelligence entwickelt intelligente Datenlösungen für Produktion, Logistik, Mobilität und Energie. Industrial Software Applications entwirft spezifische Softwarearchitekturen für komplexe industrielle Anforderungen und Prozessoptimierungen.
B2B Processes and Web Applications digitalisiert Geschäftsprozesse durch moderne Webanwendungen und Portallösungen. Quantum Computing und Machine Learning erforscht Quantenalgorithmen, also Rechenverfahren für Quantencomputer, um komplexe Optimierungsprobleme zu lösen und die Recheneffizienz zu steigern.
Zusätzlich kooperiert RISC Software eng mit dem JKU-Institut im Bereich der Symbolischen KI. Symbolische KI arbeitet mit formalen, logisch beschreibbaren Strukturen. Ziel ist, die Erklärbarkeit und Zuverlässigkeit von KI-Systemen durch mathematische Methoden abzusichern.
Forschungsprojekte
Die genannten Projekte sind Beispiele aktueller Forschungsschwerpunkte. Im Bereich Industrial AI and Simulation gehören dazu Platform-ZERO, ein EU-Horizon-Projekt zur „Null-Fehler-Produktion“ in der Photovoltaik-Industrie durch KI-Analyse, und MetaFacturing, ein Horizon-Europe-Projekt zur Digitalisierung der Metallteilerzeugung beim Gießen und Schweißen mithilfe digitaler Zwillinge, um Ausschuss zu reduzieren.
Im Bereich Medical AI and Simulation werden mehrere Projekte genannt. MEDUSA entwickelt eine hybride Trainings- und Planungsplattform für die Neurochirurgie, die neurochirurgische Eingriffe detailreich simulieren kann. AIMS entwickelt und validiert ein Frühwarnsystem mit künstlicher Intelligenz, das vor Zustandsverschlechterungen auf der Krankenstation warnen soll, bevor sie auftreten. nARvibrain nutzt Augmented Reality und KI zur Unterstützung der Hirntumordiagnostik sowie zur besseren Operationsvorbereitung und Patientenaufklärung.
Weitere medizinische Projekte sind ARES, ein Software-Tool zur objektiven Einschätzung des Ruptur-Risikos zerebraler Aneurysmen, BurnCase 3D zur Dokumentation von Verbrennungsverletzungen an virtuellen Patienten sowie SEE-KID zur computerunterstützten Simulation von Augenfehlstellungen und ihrer operativen Korrektur.
Im Bereich Data Intelligence wird PowerCast genannt. Das Projekt entwickelt adaptive KI-Modelle zur Prognose von Stromlasten und zur Integration schwankender erneuerbarer Energien in das Stromnetz. Im Bereich Quantum Computing und Machine Learning werden QuditML, Multi-Level-Quantencomputing für Machine Learning der nächsten Generation, und QML4Med, die Verbindung von Quantum Computing und Machine Learning im medizinischen Kontext, aufgeführt.
Industrielle Anwendungen
Neben Forschungsprojekten entwickelt RISC Software auch konkrete industrielle Anwendungen. Ein Beispiel ist die Simulation von NC-Bearbeitungen. 2005 gelang mit CrashGuard eine Weltneuheit: ein System zur Kollisionsvermeidung in Echtzeit bei CNC-Fertigungsmaschinen. CNC-Maschinen sind computergesteuerte Fertigungsmaschinen; Kollisionsvermeidung schützt Werkstück, Werkzeug und Maschine.
EuroTrans ist ein integriertes Softwaresystem zur Modellierung, Simulation und Steuerung fahrerloser Transportsysteme. Solche Systeme werden in der Logistik eingesetzt, um Material ohne Fahrerinnen oder Fahrer zu transportieren.
Ein weiteres Beispiel ist die Strukturoptimierung in einer seit über 20 Jahren bestehenden Kooperation mit Airbus Defence and Space. Dabei wird spezialisierte Software für multidisziplinäre Strukturanalyse entwickelt. Mathematische Algorithmen helfen, das Gewicht von Flugzeugkomponenten zu optimieren, um die Effizienz zu steigern und Emissionen zu senken.
Auszeichnungen
RISC Software und Partnerprojekte erhielten mehrere Preise und Auszeichnungen. 2023 gewann das MEDUSA-Konsortium den 2. Platz beim Landespreis für Innovationen in der Kategorie Forschungseinrichtung. 2022 erreichte das Unternehmen bei Austria’s Leading Companies den 1. Platz in der Kategorie „Umsatz bis 10 Mio. Euro“.
Weitere Auszeichnungen betreffen vor allem Innovations-, Forschungs- und IT-Projekte. Dazu gehören 2016 der Jurypreis für radikale Innovationen beim Landespreis für Innovationen für „Virtual Aneurysm“, 2015 der Spring Award „Mobilität der Zukunft“ für „Food4al@home“, 2012 der Sonderpreis für Forschungseinrichtungen beim Landespreis für Innovation für MEDVIS 3D und 2012 der Innovationspreis-IT in der Kategorie Industrie & Logistik für easy2sim.
Auch medizinische, logistische und E-Business-Projekte wurden ausgezeichnet, darunter SEE-KID, ein Datenerfassungssystem für medizinische Daten, Supply Network Design, Planning and Execution, Post.Versandmanager.Pro sowie PISA, ein IT-System für den Winterdienst. Diese Preise zeigen, dass die Arbeit der Einrichtung sowohl Forschungsnähe als auch praktische Anwendung in Industrie, Medizin, Logistik und Verwaltung umfasst.