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Pyramide von Cholula

Die Pyramide von Cholula ist dem Volumen nach die größte bekannte Pyramide der Welt. ... Pyramide in Ägypten und auch vier Meter niedriger als die Sonnenpyramide …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Aufbau
  2. 2. Lage
  3. 3. Entstehung und Entwicklung
  4. 4. Archäologische Erforschung
  5. 5. Namen

Bedeutung und Aufbau

Die Pyramide von Cholula ist dem Volumen nach die größte bekannte Pyramide der Welt. Sie ist ein vorhispanischer Tempel-Pyramidenkomplex, der dem mesoamerikanischen Gott Quetzalcoatl gewidmet gewesen sein dürfte. Das Bauwerk entstand nicht in einem einzigen Schritt: Verschiedene Völker erweiterten und überbauten es über mehrere Jahrhunderte hinweg.

Die Pyramide besitzt heute eine Höhe von 66 m und eine Grundfläche von 450 × 450 m. Ihr Volumen beträgt etwa 4,45 Millionen Kubikmeter. Trotz des größeren Volumens ist sie deutlich niedriger als die Cheops-Pyramide in Ägypten und vier Meter niedriger als die Sonnenpyramide in Teotihuacán. Ausgrabungen zeigen jedoch, dass die Pyramide früher höher gewesen sein muss. Die oberste ihrer vier Plattformen ist sehr groß; die untersten Stufen liegen heute einige Meter unter der Erdoberfläche. Auf der Spitze steht inzwischen eine christliche Kirche.

Lage

Die Pyramide steht in San Andrés Cholula, einem Vorort der mexikanischen Stadt Puebla. Die Ebene von Cholula befindet sich in einem zentralmexikanischen Tal auf 2.175 m Höhe.

Im Westen begrenzen die Vulkane Popocatépetl und Iztaccíhuatl das Tal. Im Norden liegt der inaktive Vulkan La Malinche. Im Osten erhebt sich der 5.747 m hohe Pico de Orizaba, der zur Sierra Nevada gehört. Die Ebene wird durch den Fluss Atoyac entwässert, der heute durch Puebla fließt und mit dem See Valsequillo verbunden ist.

Entstehung und Entwicklung

In Cholula sind erste Besiedlungen ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. nachgewiesen. Ein unbekanntes Volk begann dort mit dem Bau des Quetzalcoatl gewidmeten Tempel-Pyramidenkomplexes. Bis etwa 750 n. Chr. arbeiteten mehrere Völker daran, darunter die Olmeca-Xicalanca, die nicht mit den Olmeken verwechselt werden dürfen. Später wurde die Pyramide von Trägern der Ñuiñe-Kultur, darunter Chichimeken und Tolteken, weiter genutzt.

Nach den Beschreibungstafeln auf dem Ausgrabungsgelände wurde die Pyramide alle 52 Jahre erweitert. Die Zahl 52 hatte in den mesoamerikanischen Kulturen eine besondere Bedeutung und begegnet dort in vielen Bereichen.

Die erste Pyramide bestand aus Lehmziegeln. Sie hatte eine Seitenlänge von 190 m und war etwa 34 m hoch. Wie die ungefähr zur gleichen Zeit und etwa 100 km entfernt errichteten Pyramiden von Teotihuacán war sie um 17 Grad nach Nordosten ausgerichtet.

Die letzten Überbauten, die fünfte bis siebte Bauphase, entstanden im 8. Jahrhundert. Dadurch erreichte die Anlage ihre endgültige Größe von ungefähr 450 × 450 m. Diese Erweiterungen wurden im Talud-Tablero-Stil ausgeführt. Dieser Baustil, bei dem geneigte Wandflächen und senkrechte Tafelflächen miteinander verbunden werden, war auch in Teotihuacán vorherrschend. Das weist auf eine starke Verbindung zu den Erbauern der dortigen Anlage hin.

Ab dem 8. Jahrhundert ging die Bevölkerung Cholulas – parallel zur Entwicklung Teotihuacáns – stark zurück. In der Blütezeit hatte die Stadt etwa 100.000 Einwohner. Am Ende der klassischen Periode wurde das Großbauwerk nicht mehr erweitert und wuchs teilweise zu. In der Postklassik entstanden an anderen Orten der Stadt weiterhin Sakralbauten, beispielsweise im 12. Jahrhundert unter den Tolteken.

Nach der spanischen Eroberung wurde im 16. Jahrhundert auf der Spitze die Kirche „Iglesia de Nuestra Señora de los Remedios“ errichtet. Alexander von Humboldt bestimmte 1804 vor Ort die Höhe und die geografische Lage der mehrfach überbauten Anlage.

Archäologische Erforschung

Die Pyramide wird seit 1917 wissenschaftlich untersucht. Ein in der Nähe gefundener, 10 Tonnen schwerer Hauptaltar deutet darauf hin, dass der Tempel Quetzalcoatl geweiht war. Der Name wird mit „coatl“ für Schlange und „quetzalli“ für grüne Feder erklärt. Quetzalcoatl wurde von vielen mesoamerikanischen Völkern verehrt.

Unter der Leitung von Ignacio Marquina entstand zwischen 1931 und 1956 ein begehbares Tunnelsystem. Die insgesamt 8 km langen Tunnel wurden hauptsächlich in das Innere der Pyramide gegraben, damit die verschiedenen Überbauungsschichten untersucht werden konnten. Dabei identifizierte man mindestens fünf Bauphasen. In dem für Touristen zugänglichen Abschnitt sind diese Schichten gut zu erkennen.

1966 begann man, Teile des Tempels wieder freizulegen. Deshalb ist die Pyramidenform heute besonders an der West- und Südseite erkennbar. Insgesamt ähnelt die Anlage jedoch eher einem dicht bewachsenen Berg als einem von Menschen errichteten Bauwerk.

Warum die Pyramide heute dieses Aussehen besitzt, ist nicht abschließend geklärt. Nach einigen Berichten ließ Hernán Cortés sie zuschütten und verwendete Steine nahe gelegener kleinerer Pyramiden, um die christliche Kirche „Santa Maria de los Remedios“ darauf errichten zu lassen. Reste dieser kleineren Pyramiden sind von der Kirche aus noch zu sehen. Andere Berichte besagen, dass die große Pyramide bei Cortés’ Ankunft bereits nicht mehr als Bauwerk erkennbar gewesen sei und deshalb von ihm nicht zerstört wurde.

Namen

Der ursprüngliche Name der Pyramide ist – wie bei den meisten präkolumbischen Tempeln auf dem amerikanischen Kontinent – nicht mehr bekannt. In Mexiko heißt sie „Gran Pirámide de Cholula“, auf Deutsch „große Pyramide von Cholula“.

Weitere gebräuchliche Namen sind „Tlachihualtepetl“, ein Nahuatl-Ausdruck für „menschengemachter Berg“, und „Teocalli“, Nahuatl für „Haus der Götter“. Die Bezeichnung „Teocalli“ wird allerdings auch für viele andere Pyramiden in Mexiko verwendet.

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