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Prämenstruelles Syndrom
Prämenstruelles Syndrom (PMS) bezeichnet komplexe körperliche und emotionale Beschwerden im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus, die vier bis vierzehn Tage …
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Definition und Einordnung
Das prämenstruelle Syndrom (PMS) umfasst körperliche und emotionale Beschwerden, die mit dem Menstruationszyklus zusammenhängen. Sie können vier bis vierzehn Tage vor der Regelblutung auftreten und hören mit Beginn der Regel auf. In der ICD-10 wird es unter N94.3 als „Prämenstruelle Beschwerden“ geführt. Die ICD-11 enthält unter anderem „Prämenstruelle Symptome oder Beschwerden“ (MF33), „Prämenstruelle Störungen“ (GA34.4) und das „Prämenstruelle Spannungssyndrom“ (GA34.40).
Angaben zur Häufigkeit schwanken stark, weil unterschiedliche Definitionen verwendet werden. Bis zu 90 % aller Frauen im gebärfähigen Alter haben in der Lutealphase, also der Zyklusphase nach dem Eisprung, körperliche oder psychische Symptome. Diese müssen jedoch nicht automatisch ein PMS bedeuten.
Beschwerden und schwere Formen
Der Schweregrad ist unterschiedlich. Etwa ein Viertel der Betroffenen berichtet über stark ausgeprägte Symptome. Drei bis acht Prozent leiden an einer besonders schweren Form, der Prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS). Dabei kann eine schwere Dysphorie, also eine ausgeprägt gereizte, niedergeschlagene oder belastete Stimmung, Arbeit und soziale Kontakte erheblich beeinträchtigen.
Mögliche körperliche Beschwerden sind Ödeme (Wasseransammlungen im Gewebe), Hautveränderungen, Müdigkeit und Erschöpfung, Übelkeit, Kreislaufbeschwerden, Durchfall, Unterbauchkrämpfe sowie Kopf- und Rückenschmerzen. Weitere mögliche Symptome sind Heißhunger oder Appetitlosigkeit, Mastodynie (schmerzhafte Spannung, Schwellung oder extreme Empfindlichkeit der Brüste), erhöhte Reizempfindlichkeit etwa gegenüber Licht, Berührung, Lärm, Geruch oder Arbeitsdruck, Migräne, Ohnmacht, Völlegefühl, Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr im Bereich der Geschlechtsorgane oder des kleinen Beckens), Schleimhautreizungen und die Aktivierung latenter Entzündungsherde.
Zu den möglichen psychischen Beschwerden zählen Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit, Hyperaktivität oder Ruhelosigkeit, depressive oder manische Stimmungen, Angst, Reizbarkeit, Aggressivität, grundloses Weinen oder Lachen, vermindertes Selbstwertgefühl, Überforderung oder Kontrollverlust sowie Appetitveränderungen.
Linderung und Behandlung
Zur Linderung können pflanzliche Präparate wie Mönchspfeffer (Agnus castus) eingesetzt werden. Je nach Beschwerden kommen auch SSRI, also Serotoninwiederaufnahmehemmer, oder Aldosteronantagonisten in Betracht; Letztere können beispielsweise bei Neigung zu Ödemen verwendet werden. Invasive Maßnahmen wie GnRH-Analoga sind nur in Ausnahmefällen nötig. Eine bestimmte Kombination aus Fettsäuren kann Symptome ebenfalls lindern und könnte bei einer Ernährungsumstellung berücksichtigt werden.
Entwicklung der Diagnose und Kritik
Der Zusammenhang zwischen seelischem Befinden und Menstruationszyklus ist lange bekannt. Robert T. Frank beschrieb prämenstruelle Beschwerden 1931 erstmals als eigene klinische Entität unter dem Namen „premenstrual tension“. Raymond Greene und Katharina Dalton verwendeten 1953 die Bezeichnung „prämenstruelles Syndrom“. 1985 nahm die Amerikanische Psychiatrische Vereinigung die PMDS erstmals als Dysphorische Störung der späten Lutealphase (LLPDD) in ihre Liste seelischer Erkrankungen auf.
In Deutschland wird klinisch vor allem nach ICD-10 und nicht nach DSM-5 diagnostiziert. PMS und PMDS stehen dort nicht in der Kategorie „Psychische und Verhaltensstörungen (F00–F99)“. In der 2022 in Kraft getretenen ICD-11 sind prämenstruelle Störungen dagegen enthalten.
Die PMDS wird teilweise als soziales Konstrukt kritisiert, das die Pharmaindustrie zur Rechtfertigung von Medikamentenverschreibungen eingeführt habe. Kritiker befürchten eine Pathologisierung natürlicher Vorgänge. Ein 2014 im Journal of Clinical Psychiatry veröffentlichtes Review fand jedoch keine Belege für diese Befürchtungen und bestätigte das Vorkommen der Erkrankung.