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Orthographisches Wörterbuch
Orthographisches Wörterbuch · 1 Benennung · 2 Abgrenzung · 3 Umfang · 4 Geschichte. 4.1 18. Jahrhundert; 4.2 19. Jahrhundert; 4.3 20. Jahrhundert · 5 Gegenwart · 6 …
Inhalt6 Abschnitte
Begriff und Zweck
Ein orthographisches Wörterbuch, auch orthografisches Wörterbuch, Rechtschreibwörterbuch oder Wörterbuch der Rechtschreibung, ist ein informationstyporientiertes Wörterbuch. Im engsten Sinn gibt es nur Auskunft darüber, wie ein Wort geschrieben wird. Häufig enthält es aber zusätzliche Angaben zu einzelnen oder allen Wörtern oder ist mit einem Regel- oder Lehrwerk verbunden, aus dem die Schreibweise erklärt wird.
Ob ein Werk ausdrücklich „orthographisches Wörterbuch“ heißt, entscheidet der Verfasser oder Herausgeber. Grundsätzlich kann man zwar aus jedem Wörterbuch die Schreibweise der darin enthaltenen Wörter entnehmen. Ein Wörterbuch gilt aber umso eher als orthographisch, je weniger Zusatzinformationen es enthält, die nicht direkt für die Schreibweise nötig sind.
Abgrenzung und Umfang
Orthographische Wörterbücher sind von anderen Wörterbüchern und von reinen Lehr- oder Regelwerken der Rechtschreibung zu unterscheiden. Ein Regelwerk ohne Wörterverzeichnis ist kein orthographisches Wörterbuch. Auch eine Grammatik wird nicht dadurch zu einem orthographischen Wörterbuch, dass sie in einem Kapitel zur Rechtschreibung ein Wörterverzeichnis enthält.
Grenzfälle sind amtliche Regelwerke der Rechtschreibung. Sie enthalten zwar orthographische Wörterverzeichnisse, diese beschränken sich aber auf eine bestimmte Zahl von Wörtern und auf Zweifelsfälle. Sie streben keine Vollständigkeit an wie ein Wörterbuch.
Der Umfang solcher Werke kann sehr unterschiedlich sein. Die kleinsten Werke haben weniger als 30 Seiten. Das größte orthographische Wörterbuch „ohne Zusatzinformationen“ war der Buchdruckerduden von Konrad Duden in der zweiten Auflage von 1907 mit 393 vierspaltigen Seiten.
Entwicklung im Deutschen
Die Geschichte der orthographischen Wörterbücher im Deutschen beginnt im Artikel mit Werken des 18. Jahrhunderts. 1711 erschien Heinrich Volck von Wertheims „Anweisung zur ORTHOGRAPHIA oder Rechtschreibung der Teutschen Sprache“ mit einem angefügten Vokabular deutscher, lateinischer und französischer Wörter. Dieses Werk war zugleich orthographisches Wörterbuch und Fremdwörterbuch; der orthographische Teil hatte 179 zweispaltige Seiten und gab über die Schreibung hinaus kaum Erläuterungen.
Weitere wichtige Werke waren Hieronymus Freyers „Anweisung zur Teutschen Orthographie“ von 1722, Johann Christoph Gottscheds „Grundlegung einer Deutschen Sprachkunst“ von 1748 mit einem „Orthographischen Verzeichniß gewisser zweifelhafter Wörter“, Ignaz von Weitenauers „Orthographisches Lexikon“ von 1764, Johann Christoph Adelungs „Kleines Woerterbuch“ von 1788 und Joseph Wismayrs „Grundsätze der deutschen Sprache“ von 1796. Wismayrs Anhang enthielt gleich oder ähnlich lautende Wörter mit Beispielsätzen, zum Beispiel „Biene – die Biene sammelt Honig“.
Im 19. Jahrhundert erschienen zunehmend Wörterbücher und Wörterverzeichnisse für den Schulgebrauch. 1841 veröffentlichte Johann Karl Christoph Vogel ein „Schulwörterbuch der deutschen Sprache“ mit besonderer Rücksicht auf die Orthographie. Ab 1855 erschienen orthographische Wörterverzeichnisse für Schulen, zunächst in Hannover, 1857 in Leipzig und 1870 in Berlin. 1861 erschien in Württemberg das erste amtliche orthographische Wörterverzeichnis für Schulen. Ab 1879 folgten amtliche Wörterverzeichnisse auch in Österreich, Bayern, Preußen und Baden.
Eine zentrale Rolle spielte Konrad Duden. 1880 erschien sein „Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache“, 1881 der „Orthographische Wegweiser“ als Wörterbuch „für die Hosentasche“ und 1882 das „Vollständige Orthographische Wörterbuch für die Schule“.
Vereinheitlichung und Duden
Im 20. Jahrhundert wurden Rechtschreibung und Wörterverzeichnisse stärker vereinheitlicht. 1900 lag Dudens „Vollständiges Orthographisches Wörterbuch“ bereits in der sechsten Auflage vor. Ab 1902 erschienen in den deutschen Bundesstaaten vereinheitlichte orthographische Wörterverzeichnisse. Seitdem richteten sich orthographische Wörterbücher ausschließlich nach den vereinheitlichten Regeln und Wörterverzeichnissen.
1902 erhielt Konrad Dudens Wörterbuch in der 7. Auflage den Titel „Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache“. 1903 erschien der „Buchdruckerduden“, weil sich Buchdruckervereine Deutschlands, Österreichs und der Schweiz über die große Zahl möglicher Schreibweisen beklagt hatten. Der Buchdruckerduden enthielt deshalb für jedes Wort genau eine Schreibweise.
Nach weiteren Werken und Auflagen erschien 1947 die erste Nachkriegsauflage des Duden in Leipzig. 1955 erschien der Duden auch in Mannheim. 1956 erhielt er von der Kultusministerkonferenz das Privileg, in Zweifelsfragen verbindlich zu sein. Von 1956 bis 1996 versuchten konkurrierende Verleger orthographischer Wörterbücher erfolglos, gegen dieses Privileg vorzugehen.
Ab 1996 waren alle orthographischen Wörterbücher gleichberechtigt. Gerade daran entzündete sich eine allgemeine Diskussion, weil sich die Wörterbücher teilweise voneinander unterschieden.
Heutige Situation im Deutschen
Heute gibt es viele konkurrierende orthographische Wörterbücher. Sie versuchen, sich durch besondere Darstellung oder durch zusätzliche Informationen zu jedem Wort voneinander abzuheben. In der Schreibweise der Wörter unterscheiden sie sich teilweise, weil sie unterschiedliche Rechtschreibregeln zugrunde legen oder diese unterschiedlich auslegen.
Der Artikel unterscheidet zwei Gruppen: Wörterbücher, die angeben, sich an das aktuelle, von der Kultusministerkonferenz angenommene Regelwerk, also an die amtlichen Regeln, zu halten, und Wörterbücher, bei denen dies nicht der Fall ist. Für die Verwendung an Schulen werden nur Rechtschreibwörterbücher zugelassen, die angeben, sich an die amtlichen Regeln zu halten.
Französische Orthographiewörterbücher
Im französischen Sprachraum gibt es drei Typen von Orthographiewörterbüchern. Der buchende Typ listet möglichst viele Wörter alphabetisch auf und ergänzt Mindestangaben wie Wortart, Pluralform, Konjugation, Auflösung von Abkürzungen, gegebenenfalls Ausspracheangaben und Variantenverweise. Beispiele sind „Vérifiez votre orthographe“ von 2020 und „Jouette“ von 1980.
Ein zweiter Typ geht von der Aussprache aus. Das ist im Französischen wichtig, weil Orthographie und Aussprache stark auseinanderliegen können. Solche Wörterbücher tragen entweder häufige Fehlschreibungen mit Mitteln der Orthographie ein, wie Demeyère 2016, oder ordnen alle Wörter in phonetischer Umschrift alphabetisch, wie Taulelle 1989. Die phonetische Umschrift gibt die Lautung eines Wortes wieder; laut Artikel kann dieses Verfahren aber der Benutzerfreundlichkeit schaden.
Der seltene dritte Typ ist das historische orthographische Wörterbuch. Ein Beispiel ist Catach 1995. Es listet für jedes Wort die grafischen Varianten auf, die durch Wörterbuchvergleich seit dem frühen 17. Jahrhundert festgestellt wurden.