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Oregon-Petition

Die Oregon-Petition ist die gebräuchliche Bezeichnung für eine Erklärung gegen das Kyoto-Protokoll als Teil der Klimaschutzpolitik, die vom Oregon Institute …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kern und Bedeutung
  2. 2. Entstehung und Gestaltung
  3. 3. Unterschriften und fachliche Einordnung
  4. 4. Aussage des Petitionstextes
  5. 5. Verbreitung und spätere Nutzung

Kern und Bedeutung

Die Oregon-Petition ist die gebräuchliche Bezeichnung für eine Erklärung gegen das Kyoto-Protokoll, also gegen ein internationales Abkommen der Klimaschutzpolitik. Sie wurde 1999 vom Oregon Institute of Science and Medicine (OISM) herausgegeben. Erstellt wurde sie von Frederick Seitz, dem Vorsitzenden des OISM und Mitbegründer des konservativen Think-Tanks George C. Marshall Institute. Seitz wird zugleich zu den bedeutenden Wissenschaftlern in den USA gezählt, die die menschengemachte globale Erwärmung leugnen.

Die Petition gilt nicht als fachwissenschaftlicher Gegenbeweis zur Klimaforschung, sondern wird als politische Desinformationskampagne betrachtet. Ihr Ziel wird darin gesehen, die Öffentlichkeit über die Erkenntnisse der Klimaforschung und über den wissenschaftlichen Konsens zur globalen Erwärmung zu verwirren. Klimaskeptiker und besonders die organisierte Klimawandelleugnerindustrie führen sie häufig als Beispiel dafür an, dass es angeblich große wissenschaftliche Unsicherheit über den menschlichen Einfluss auf die globale Erwärmung gebe. Laut Artikel stammen die Unterschriften jedoch fast ausschließlich von Fachfremden; nur etwa 0,5 % der Unterzeichner verfügen über einen wissenschaftlichen Hintergrund in Atmosphärenwissenschaften oder Klimatologie. Deshalb gilt die Petition als typisches Beispiel für eine Strategie, bei der falsche Experten für eigennützige Zwecke angeführt werden, wie sie seit den 1970er Jahren zunächst von der Tabakindustrie eingesetzt wurde.

Entstehung und Gestaltung

Die Petition entstand unter Federführung von Frederick Seitz und wurde später von Arthur B. Robinson reviewt. Beide sind keine Klimaforscher. Verbreitet wurde sie anschließend durch Robinsons Institute of Science and Medicine sowie durch das Heartland Institute.

Der Petition lag eine „Informationsübersicht“ bei, verfasst von Arthur B. Robinson, Noah E. Robinson und Willie Soon. Diese Beilage war optisch bewusst wie ein Fachaufsatz in der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) gestaltet. Frederick Seitz fügte diese Beilage der Petition bei und warb zugleich mit seinem Namen und seiner früheren Rolle als Präsident der National Academy of Sciences (NAS) für weitere Unterschriften.

Die NAS verurteilte dieses Vorgehen. In einer beispiellosen Antwort warf sie ihrem früheren Vorsitzenden vorsätzliche Täuschung vor und betonte, dass Seitz’ Meinung stark von der Position der Wissenschaft abweiche. Wegen zahlreicher Anfragen stellte die Academy ausdrücklich klar, dass sie nicht an der Petition beteiligt war und ihrem Inhalt ganz und gar widerspricht. Der Autor Brian Angliss wies außerdem darauf hin, dass laut OISM-Internetseite jede Person mit Bachelor-, Master- oder Doktortitel in einem mit den Naturwissenschaften verwandten Fach als „Wissenschaftler“ gilt. Seit dem Schuljahr 1970/1971 habe es in den USA rund 10,6 Millionen Absolventen gegeben, die nach diesen Kriterien als Wissenschaftler für die Oregon-Petition gelten konnten.

Unterschriften und fachliche Einordnung

Nach Angaben des OISM wurde die Petition rund 31.000 Mal unterzeichnet. Die Liste enthält jedoch nicht nur reguläre Unterstützungen. Genannt werden doppelte Einträge, Namen von Personen, die sich nicht an eine Unterzeichnung erinnern können, offensichtliche Spaßeinträge und in manchen Fällen betrügerisch aufgenommene Namen. Beispiele sind die Spice Girls, der bereits 1882 verstorbene Charles Darwin sowie fiktive Charaktere aus den Serien MAS*H und Star Wars.

Das Klimaportal Klimafakten.de ermittelte 2018 in einem Faktencheck, dass von den rund 31.000 Unterzeichnern nur 39 Personen aktiv in der Klimaforschung tätig seien. Bereits 2006 untersuchte Scientific American eine nicht repräsentative Stichprobe von 30 der 1.400 Unterzeichnenden, die in einem Fach promoviert hatten, das mit Klimaforschung zu tun hat. Von diesen 30 Personen gaben 11 an, die Petition weiterhin zu unterstützen. 6 erklärten, sie würden ihre Unterstützung heute nicht mehr geben. Der Rest konnte sich entweder nicht erinnern, war nicht auffindbar oder war gestorben. Daraus schätzte das Magazin, dass grob vielleicht nur 200 Unterzeichner an der Klimaforschung beteiligt gewesen seien.

Klimaforscher wiesen die Oregon-Petition inhaltlich zurück. In einem Meinungsbeitrag für die New York Times kritisierten der Physiker John Holdren und der Ökologe George Woodwell neben der zweifelhaften Authentizität der Unterschriften auch das 8-seitige Abstract, das die Petition begleitete. Es sei voller Fehler und Verdrehungen gewesen. Außerdem besitze Frederick Seitz keine Expertise in Klimafragen.

Aussage des Petitionstextes

Der Petitionstext forderte die Regierung der Vereinigten Staaten auf, die im Dezember 1997 in Kyoto, Japan, verfasste Vereinbarung zur globalen Erwärmung und ähnliche Vorschläge abzulehnen. Begründet wurde dies mit der Behauptung, vorgeschlagene Begrenzungen von Treibhausgasen würden der Umwelt schaden, den Fortschritt in Wissenschaft und Technologie hemmen sowie Gesundheit und Wohlergehen der Menschheit beschädigen.

Zentral war außerdem die Aussage, es gebe keinen überzeugenden wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass vom Menschen freigesetztes Kohlendioxid (CO2), Methan oder andere Treibhausgase heute oder in absehbarer Zukunft eine katastrophale Erwärmung der Erdatmosphäre und eine Störung des Erdklimas verursachen würden. Zusätzlich behauptete der Text, es gebe erhebliche wissenschaftliche Belege dafür, dass ein Anstieg des atmosphärischen CO2 viele positive Auswirkungen auf die natürliche Pflanzen- und Tierwelt der Erde habe.

Die im Artikel wiedergegebene deutsche Übersetzung formuliert entsprechend, die Vereinigten Staaten sollten die Kyoto-Vereinbarung von 1997 und ähnliche Erklärungen nicht unterzeichnen. Sie spricht von „menschengemachtem CO2, Methan oder anderen Treibhausgasen“ und behauptet, eine CO2-Zunahme in der Atmosphäre habe viele positive Auswirkungen auf Pflanzen- und Tierwelt.

Verbreitung und spätere Nutzung

Die Petition wird auch lange nach ihrer Entstehung von Klimawandelleugnern als vermeintlicher Beleg dafür benutzt, dass unter Klimaforschern keine Einigkeit über die menschengemachte globale Erwärmung bestehe. Obwohl sie bereits 1999 entstand, wird sie immer wieder von Online-Plattformen neu aufgegriffen und anschließend über soziale Medien stark verbreitet.

Ein Beispiel ist ein im September 2016 erschienener Fake-News-Artikel von YourNewsWire.com. Darin wurde die Oregon-Petition als angeblicher Beleg dafür genutzt, dass der menschengemachte Klimawandel ein Schwindel sei. Innerhalb eines halben Jahres wurde dieser Artikel mehr als 600.000 Mal bei Facebook geteilt. Trotz der Falschbehauptung gehörte er damit in den sozialen Medien zu den populärsten Klimaartikeln des Jahres 2016.

Die Oregon-Petition dient außerdem als Beispiel für ähnliche Aktionen. Teile ihrer Inhalte wurden von der 2019 von Clintel gestarteten Deklaration There is no climate emergency übernommen. Auch diese Deklaration wird als Desinformationskampagne betrachtet, die die Öffentlichkeit über den überwältigenden wissenschaftlichen Konsens zur menschengemachten globalen Erwärmung irreführen soll.

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