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Ohrmuschel

Die Ohrmuschel (Auricula auris, kurz auch Auricula) ist ein Teil des Außenohrs bei Säugetieren um den äußeren Gehörgang. Gestalt und Steife gibt ihr ein von …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Aufbau und Funktion
  2. 2. Einzelne Strukturen und Versorgung
  3. 3. Vergleich bei Säugetieren
  4. 4. Embryonale Entwicklung
  5. 5. Fehlbildungen und Kunstkopf-Stereophonie

Aufbau und Funktion

Die Ohrmuschel (Auricula auris, kurz Auricula) ist der sichtbare Teil des Außenohrs, der den äußeren Gehörgang umgibt. Sie besteht aus elastischem Ohrknorpel (Cartilago auriculae), der von Knorpelhaut (Perichondrium) und Haut überzogen ist. Das Ohrläppchen (Lobulus auriculae) bildet eine Ausnahme: Es ist weich und enthält keinen Ohrknorpel. Die Ohrmuschel ist durch Bindegewebe am Periost des Schläfenbeins und an dessen Warzenfortsatz (Processus mastoideus) befestigt; diese Befestigung wird teilweise durch die Bänder Ligamentum auriculae anterius, posterius und superius verstärkt.

Hauptaufgaben der Ohrmuschel sind das Auffangen von Schallwellen und die Lokalisation einer Schallquelle. An den Reliefkanten wird der Schall gebrochen und abhängig von seinen Frequenzanteilen unterschiedlich gedämpft. Schall von hinten wird etwas stärker gedämmt als Schall von vorn. Diese Unterschiede liefern dem Gehirn Informationen über die räumliche Herkunft eines Geräusches, besonders darüber, ob es von vorne oder hinten kommt. Form, Größe und Stellung der Ohrmuscheln beeinflussen außerdem den optischen Gesamteindruck des Gesichts.

Beim Menschen sind die Ohrmuscheln individuell geformt. Ihre Form wird vererbt und kann deshalb für Vaterschaftsnachweise herangezogen werden. Die Ohrmuskulatur ermöglicht nur eine sehr geringe Beweglichkeit, die funktionell ohne Bedeutung ist und höchstens ein Wackeln zulässt.

Einzelne Strukturen und Versorgung

Die Vorder- und Rückseite der Ohrmuschel zeigen zahlreiche Erhebungen und Vertiefungen. Einer Erhebung auf der einen Seite entspricht jeweils eine Vertiefung auf der anderen Seite. Der äußere, geschwungene Rand heißt Ohrleiste (Helix). An ihm kann das Tuberculum auriculae liegen, eine Verdickung, die auch Darwin-Ohrhöcker genannt wird.

Der Helix gegenüber liegt die Gegenleiste (Anthelix). Sie teilt sich im oberen Drittel in den oberen und unteren Schenkel, Crus superius anthelicis und Crus inferius anthelicis. Zwischen beiden liegt die dreieckige Vertiefung Fossa triangularis. Die Rinne zwischen Helix und Anthelix heißt Scapha. Die Ohrhöhlung der Vorderseite (Concha auriculae) führt über den Ohrmuscheltrichter beziehungsweise das Cavum conchae zum Eingang des äußeren Gehörgangs. Der den Gehörgangseingang überlappende Höcker heißt Tragus. Auf der Rückseite liegt als wichtigste Vertiefung der retroauriculäre Sulcus, auch Fossa anthelicis genannt. Er verläuft von oben nach unten fast über die gesamte Ohrlänge und entspricht der Rückseite der Anthelix.

Die Blutversorgung erfolgt durch die Arteriae auriculares anteriores und den Ramus auricularis der Arteria auricularis posterior. Der venöse Abfluss verläuft über die gleichnamigen Venen und die Venae temporales superficiales. Die Lymphe wird über die Lnn. retroauriculares und die Lnn. parotidei abgeleitet.

Vergleich bei Säugetieren

Bei Säugetieren ist die Ohrmuschel sehr unterschiedlich gestaltet. Sie ist häufig spitz ausgezogen und wird deshalb auch Pinna genannt. Der elastische Ohrknorpel bestimmt ihre Form und Steifheit. Äußere Ohrmuskeln machen die Ohrmuschel bei den meisten Säugetieren beweglich. Dadurch können Tiere Schallquellen ohne Bewegung des Kopfes orten. Ohrbewegungen dienen außerdem der sozialen Kommunikation und werden als „Ohrspiel“ bezeichnet.

Die Haut der Ohrmuschel ist gut durchblutet. Bei Tieren warmer Klimazonen kann sie deshalb zur Wärmeabgabe beitragen; bei solchen Tieren ist sie häufig relativ groß. Bei Tieren aus kälteren Klimazonen ist sie dagegen oft sehr klein.

In der vergleichenden Anatomie werden die konkave Seite als Tütenhöhle (Scapha), die Außenseite als Ohrrücken (Dorsum auriculae) und der freie Rand als Helix bezeichnet. Die Tütenhöhle führt in den Ohrmuscheltrichter (Cavum conchae), der wiederum in den vertikalen Abschnitt des äußeren Gehörgangs übergeht. Der vorn und innen gelegene Rand des Eingangs zum Cavum conchae heißt Tragus; gegenüber liegen die vorderseitigen Wülste, die als Antitragus bezeichnet werden. Bei Fledermäusen kann der Tragus als beweglicher Ohrdeckel wirken.

Embryonale Entwicklung

Die Ohrmuschel entsteht aus Gewebe um die erste Kiemenfurche. Die eigentliche Ohrmuschel wird durch sechs mesenchymale Höcker gebildet: durch die ersten drei Höcker des ersten Kiemenbogens und den vierten bis sechsten Höcker des zweiten Kiemenbogens. Die Concha und der äußere Gehörgang entwickeln sich aus der ersten Kiemenfurche.

Um die siebte Schwangerschaftswoche bildet sich ein großer Teil des Mesenchyms des ersten Kiemenbogens zurück. Daher stammen etwa 85 % der endgültigen Ohrmuschel aus dem zweiten Kiemenbogen.

Fehlbildungen und Kunstkopf-Stereophonie

Fehlbildungen der Ohrmuschel reichen von Veränderungen einzelner Strukturen bis zum vollständigen Fehlen der Ohrmuschel (Anotie). Bei Missbildungen vom Grad I sind alle grundlegenden Strukturen vorhanden. Dazu gehören unter anderem eine zu schwache oder fehlende Anthelix, die ein Abstehen der Ohrmuschel verursacht (Apostasis otum), außerdem Ohrvergrößerungen (Makrotie) und Tassendeformitäten.

Missbildungen vom Grad II umfassen Tassenohren und Miniohren. Ihre operative Korrektur ist aufwendiger, weil zusätzliches Knorpel- und Hautgewebe benötigt wird. Bei Missbildungen vom Grad III fehlen die Strukturen einer normalen Ohrmuschel vollständig. Sie treten häufig gemeinsam mit Fehlbildungen des äußeren Gehörgangs oder des Mittelohrs auf. Beim Othämatom blutet es zwischen Ohrknorpel und äußerer Haut.

Die Ohrmuschel ist auch für die Kunstkopf-Stereophonie wichtig. Bei einer binauralen Tonaufnahme werden in einen nachgebildeten Kopf mit Ohrmuscheln Mikrofone an der Stelle des Gehörgangs, nicht an der Stelle des Trommelfells, eingebaut. Über Kopfhörer soll dadurch ein möglichst originalgetreues Klangerlebnis entstehen. Stimmen die Ohrmuscheln des Kunstkopfes jedoch deutlich nicht mit den eigenen Ohrmuscheln überein, kann die Richtungslokalisation gestört sein. Besonders Schallquellen von vorn können schräg nach oben bis zu 30° angehoben erscheinen (Elevation) oder ausschließlich hinten lokalisiert werden. Beim Hören über Kopfhörer sind die eigenen Ohrmuscheln an der Schallübertragung nicht beteiligt beziehungsweise „abgeschaltet“.

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