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Morsemerkwort

Ein Morsemerkwort diente dazu, sich den Code eines Buchstabens im Morsealphabet zu merken. Je nach Sprache wurden dazu verschiedene Wörter benutzt.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Funktionsweise
  2. 2. Typische Merkwörter
  3. 3. Historische Hinweise
  4. 4. Geeignetere Lernmethoden

Begriff und Funktionsweise

Ein Morsemerkwort ist eine Eselsbrücke, mit der man sich den Morsecode eines Buchstabens merken sollte. Je nach Sprache und Ausbilder wurden unterschiedliche Wörter verwendet. Die Merkwörter hatten in der Ausbildung eine historische Tradition, eignen sich aber nicht dazu, das Morsen bei üblicher Tastgeschwindigkeit zu erlernen: Das gedankliche Übersetzen über Wörter und Silben ist dann zu langsam. Deshalb wurden sie durch das Gehörlesen ersetzt, bei dem ein Morsezeichen unmittelbar an seinem Klang erkannt wird.

Ein Merkwort beginnt mit dem Buchstaben, dessen Code es wiedergibt. Jede Silbe steht für ein Signal: Enthält die Silbe den Vokal O, bedeutet sie einen Strich, also ein langes Signal. Jede andere Silbe bedeutet einen Punkt, also ein kurzes Signal. Zusätzlich konnte der Silbenrhythmus als Merkhilfe dienen. Solche Hilfen heißen Rhythmuswörter oder Klangbildwörter. Es gab auch Mischformen aus O-Silbenwörtern und Rhythmuswörtern sowie Varianten, die sich an der 1947 von der ICAO entwickelten Buchstabiertafel orientierten.

Typische Merkwörter

Die Wortlisten waren nicht einheitlich: Die deutsche Liste unterschied sich von der schweizerischen, und viele Ausbilder verwendeten eigene Fassungen.

Typische Beispiele zeigen die Zuordnung der Silben:

  • A hat den Code · −. Das Merkwort „Adolf“ wird als a-DOLF gegliedert: „a“ steht für einen Punkt, „DOLF“ wegen des O für einen Strich.
  • B hat den Code − · · ·. Bei „Borvaselin“ ergeben BOR-va-se-lin einen Strich und drei Punkte.
  • L hat den Code · − · ·. „Leonidas“ wird le-O-ni-das gegliedert.
  • M hat den Code − −. „Motor“ besteht aus den beiden O-Silben MO-TOR.
  • S hat den Code · · ·. Die drei Silben von „Sabine“ enthalten kein O.
  • T hat den Code −. Das Merkwort lautet „Tod“.
  • V hat den Code · · · −. „Verbrennungstod“ wird ver-bren-nungs-TOD gegliedert.
  • Z hat den Code − − · ·. „Zoroaster“ ergibt mit ZO-RO-as-ter zwei Striche und zwei Punkte.

Auch Umlaute wurden berücksichtigt: Ä entspricht · − · − und wurde etwa mit „Äsop ist tot“ wiedergegeben; Ö entspricht − − − · mit „Ökonomie“; Ü entspricht · · − − mit „Überkonto“. Eine solche deutsche Merkhilfen-Liste ist im Großen Brockhaus, 15. Auflage, Band 12, Leipzig 1932, Seite 762, dokumentiert.

Historische Hinweise

Ernestine Gilbreth Carey und Frank Bunker Gilbreth Jr., zwei Kinder des US-amerikanischen Tayloristen Frank Gilbreth, beschrieben 1948 in dem Buch „Cheaper by the Dozen“, wie ihr Vater ihnen den Morsecode mithilfe von Eselsbrücken beigebracht hatte.

Besonders bekannt wurde eine rhythmische Silbenhilfe für den Buchstaben L. Die Wortfolge „Ich liebe Dich“ entspricht im Rhythmus dem Morsezeichen · − · ·. Sie stammt aus einer musikalischen Liebeserklärung in der Operette „Sissi“ von Fritz Kreisler, die am 23. Dezember 1932 im Theater an der Wien uraufgeführt wurde. Die Folge ist auch im später erschienenen Sissi-Film zu hören. Außerdem wurde sie durch das 1939 uraufgeführte deutsche Funkerlied bekannt.

Geeignetere Lernmethoden

Für die üblichen Telegrafiegeschwindigkeiten ist das Gehörlesen geeigneter als das Entschlüsseln über Merkwörter. Dabei werden Punkte und Striche nicht einzeln abgezählt; stattdessen wird das gesamte Morsezeichen an seinem Klang erkannt.

Eine besonders wirksame Trainingstechnik veröffentlichte 1936 der deutsche Psychologe Ludwig Koch. Bei der Koch-Methode werden die Zeichen in einer bestimmten Reihenfolge und bereits mit relativ hoher Geschwindigkeit gelernt, zum Beispiel mit 80 BpM.

Bei der Farnsworth-Methode, benannt nach dem US-amerikanischen Funkamateur Donald R. Farnsworth, werden die einzelnen Zeichen ebenfalls von Anfang an schnell gegeben. Zunächst sind jedoch die Abstände zwischen den Morsezeichen vergrößert. Während des Lernens werden diese Abstände schrittweise bis auf ihre Normlänge verkürzt.

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