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Max Bürger (Mediziner)
Max Ferdinand Bürger (* 16. November 1885 in Hamburg; † 5. Februar 1966 in Leipzig) war ein deutscher Internist, Pathophysiologe, Ernährungs- und …
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Einordnung und Bedeutung
Max Ferdinand Bürger (* 16. November 1885 in Hamburg; † 5. Februar 1966 in Leipzig) war ein deutscher Internist, Pathophysiologe, Ernährungsforscher und Altersforscher. Als Internist beschäftigte er sich mit Erkrankungen der inneren Organe; Pathophysiologie meint die Lehre davon, wie krankhafte Veränderungen Körperfunktionen beeinflussen. Besonders wichtig ist Bürger für die Gerontologie, also die wissenschaftliche Erforschung des Alterns. Der Artikel bezeichnet ihn als Begründer der Gerontologie.
Eine ihm zugeschriebene Entdeckung des Glukagons wird im Artikel ausdrücklich korrigiert: Glukagon wurde nicht von Bürger entdeckt, sondern bereits 1923 von Charles Kimball und John Murlin an der Universität Rochester. Glukagon ist ein Hormon; nähere medizinische Einzelheiten nennt der Artikel dazu nicht.
Ausbildung und beruflicher Weg
Bürger studierte Medizin in Würzburg, Kiel, München, Berlin und erneut Würzburg. In Würzburg wurde er 1911 promoviert. Während des Ersten Weltkrieges arbeitete er als Stabsarzt. 1918 habilitierte er sich in Kiel für Innere Medizin; die Habilitation ist eine wissenschaftliche Qualifikation für die Hochschullehre.
1920 wurde Bürger in Königsberg Oberarzt, 1922 Professor. 1929 wechselte er nach Osnabrück. Dort war er Direktor der Inneren Abteilung und leitete den Neubau des Städtischen Krankenhauses. Von 1931 bis 1937 war er Ordinarius in Bonn und Direktor der Universitätspoliklinik. Ein Ordinarius war ein ordentlicher Professor mit Lehrstuhl.
1937 beantragte Bürger die Aufnahme in die NSDAP. Er wurde rückwirkend zum 1. Mai 1937 aufgenommen; seine Mitgliedsnummer war 4.194.223. Im selben Jahr trat er auch dem NS-Dozentenbund und dem NS-Lehrerbund bei. Danach wurde er Ordinarius für Innere Medizin und Direktor der Medizinischen Universitätsklinik Leipzig.
Nachkriegszeit und Auszeichnungen
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Bürger erneut Ordinarius für Innere Medizin und Direktor der Medizinischen Universitätsklinik. Dieses Amt behielt er bis zu seiner Emeritierung 1957. Sein Nachfolger wurde Rolf Emmrich.
1950 wurde Bürger Mitglied der Leopoldina und ordentliches Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften. 1952 erhielt er den Nationalpreis der DDR II. Klasse. 1955 wurde er ordentliches Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften und Ehrendoktor der Universität Leipzig. 1956 wurde er mit der Paracelsus-Medaille ausgezeichnet.
Gerontologie und Institutionen
Bürger arbeitete besonders auf dem Gebiet der Gerontologie. 1938 gründete er in Leipzig die „Deutsche Gesellschaft für Altersforschung“. Die heutige Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie ist eine Nachfolgerin dieser Gesellschaft. Geriatrie bezeichnet die Medizin des höheren Lebensalters.
Ebenfalls 1938 gründete Bürger zusammen mit dem Hallenser Physiologen Emil Abderhalden in Leipzig die „Zeitschrift für Alternsforschung“. 1984 wurde ein Berliner Geriatriekrankenhaus nach ihm benannt. Außerdem sind die zusammengefassten Institute für Klinische Immunologie und für Virologie des Universitätsklinikums der Universität Leipzig nach ihm als Max-Bürger-Forschungszentrum (MBFZ) benannt.
Privatleben und spätere Bewertung
Seit 1905 war Bürger Mitglied des Corps Bavaria Würzburg. Am 7. August 1921 heiratete er Hedwig Gertrud Maria Zeiss, eine Enkelin von Carl Zeiss. Das Ehepaar hatte vier Kinder. Sein Grab befindet sich auf dem Südfriedhof in Leipzig.
Seit 1976 vergab die Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie alle zwei Jahre bei ihren Kongressen den Max-Bürger-Preis. Seit 2014 wurde die Vergabe ausgesetzt, um Bürgers Biografie historisch-wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Auf der Mitgliederversammlung am 26. September 2014 entschieden die Mitglieder mit deutlicher Mehrheit, der Empfehlung des Präsidiums zu folgen und die Namensgebung nicht fortzuführen. Ab 2015 wurde der Preis in „Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie“ umbenannt.
Wissenschaftliche Arbeiten
Die ausgewählten Veröffentlichungen zeigen Bürgers Arbeit in Innerer Medizin, Pathophysiologie, Stoffwechsel- und Altersforschung. Mit Max Grauhan veröffentlichte er mehrere Arbeiten über postoperativen Eiweißzerfall, also den Abbau von Eiweiß nach Operationen: 1922 erschien die erste Mitteilung „Über postoperativen Eiweißzerfall“, 1923 die zweite Mitteilung „Die postoperative Azoturie“ und 1924 die dritte Mitteilung „Die postoperative Azotämie“. 1927 folgte mit Grauhan „Der postoperative Eiweißzerfall, sein Nachweis und seine Bedeutung“.
Weitere genannte Werke sind „Pathologisch-physiologische Propädeutik“ (Berlin 1924), „Altern und Krankheit“ (Georg Thieme, Leipzig 1947), „Osmotherapie“ (Stuttgart 1952), „Einführung in die innere Medizin“ (Verlag Walter de Gruyter, Berlin 1952), „Klinische Fehldiagnosen“ (Stuttgart 1953), „Angiopathia diabetica“ (Stuttgart 1954), „Einführung in die pathologische Physiologie“ (Georg Thieme, Leipzig 1956), „Die chemische Biomorphose des menschlichen Gehirns“ (Berlin 1957) und „Funktionelle Engpässe des Kreislaufs“ (München 1957).