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Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie
Es wurde 2019 gegründet und betreibt Forschungsprojekte auf dem Gebiet der Verhaltensbiologie sowie auch der Evolutionsbiologie und der Ökologie. Max-Planck- …
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Aufgabe und Aufbau des Instituts
Das Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie (englisch: Max Planck Institute of Animal Behavior) ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung der Max-Planck-Gesellschaft (MPG). Es besteht seit 2019, betreibt Grundlagenforschung in Biologie und Ökologie und untersucht besonders Verhaltensbiologie, Evolutionsbiologie und Ökologie. Seine Standorte sind Radolfzell am Bodensee und der Campus der Universität Konstanz.
Ziel ist ein „quantitatives und vorhersagendes Verständnis der Entscheidungsfindungen und Bewegungen von Tieren in ihrer natürlichen Umwelt“. Quantitativ bedeutet dabei, dass Vorgänge mithilfe messbarer Daten untersucht werden; vorhersagend bedeutet, dass aus den Erkenntnissen künftiges Verhalten oder Bewegungen abgeschätzt werden sollen.
Seit Juli 2019 leiten drei Direktoren das Institut: Martin Wikelski die Abteilung Tierwanderungen, Iain Couzin die Abteilung Kollektivverhalten und Margaret Crofoot die Abteilung Ökologie der Tiergesellschaften. Alle drei haben zugleich Professorenstellen an der Universität Konstanz. Das Institut arbeitet dort eng mit dem Forschungsbereich Kollektives Verhalten, dem Center for the Advanced Study of Collective Behaviour, zusammen.
Entstehung und Entwicklung
Die Wurzeln des Instituts liegen in der Beobachtung und dem Schutz wildlebender Vögel am Bodensee. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde zur Form des Artenschutzes die Beringung von Vögeln eingesetzt. Bei der Beringung erhalten Vögel eine Kennzeichnung, damit sie später wiedererkannt und ihre Bewegungen untersucht werden können.
Die Vogelwarte Radolfzell befand sich von 1946 bis 2011 im Wasserschloss Möggingen. 1959 wurde sie in das Max-Planck-Institut für Verhaltensphysiologie eingegliedert. Nach einer Umorganisation war sie zunächst selbständige Forschungsstelle für Ornithologie innerhalb der MPG und von 2004 bis Juni 2019 Außenstelle des Max-Planck-Instituts für Ornithologie mit Hauptsitz in Bayern. In Radolfzell befindet sich weiterhin eine von drei in Deutschland aktiven Zentralen für Tiermarkierung, die früher Beringungszentrale hieß.
Ab Juli 2019 wurde das umbenannte Institut für Verhaltsbiologie zu einer selbständigen Organisation innerhalb der MPG. Martin Wikelski wurde 2008 Direktor am Max-Planck-Institut für Ornithologie; Iain Couzin kam im Oktober 2014 als zweiter Direktor hinzu, Margaret Crofoot wurde im Juli 2019 Direktorin.
Forschungsgruppen und Themen
Neben den drei Forschungsabteilungen arbeiten mehrere Gruppen an unterschiedlichen Fragen des Tierverhaltens. Dazu gehören kognitive und kulturelle Ökologie unter Lucy M. Aplin sowie Entwicklung und Evolution von Kognition unter Caroline Schuppli. Kognition bezeichnet Fähigkeiten wie Wahrnehmen, Lernen und Entscheiden.
Weitere Gruppen erforschen Anpassungen an ephemere, also kurzzeitig verfügbare, Ressourcen, Vogelzug und Tiermarkierung, kollektiven Vogelzug, Ursachen, Mechanismen und Folgen des Singvogelzugs sowie Tier-Umwelt-Interaktionen. Auch das LuiKotale-Bonobo-Projekt, die vergleichende Evolution des Sozialverhaltens und Kommunikation mit kollektiven Bewegungen gehören zu den Forschungsthemen. Damit untersucht das Institut sowohl einzelne Tiere als auch soziale Gruppen und ihre Bewegungen in natürlicher Umgebung.
Beobachtung von Tierbewegungen
Die ICARUS-Initiative steht für International Cooperation for Animal Research Using Space, auf Deutsch internationale Zusammenarbeit für die Beobachtung von Tierökologie unter Anwendung von Weltraumtechnologie. Sie soll ermöglichen, Zugrouten verschiedener Tierarten weltweit mithilfe von Satelliten zu verfolgen. Martin Wikelski und andere Forschende beschrieben den Nutzen eines globalen Beobachtungssystems für Tierwelt und Umwelt bereits 2007 in einem Aufsatz.
Während seiner Zeit als Assistenzprofessor an der Princeton University strebte Wikelski zunächst eine Zusammenarbeit mit der NASA an. Nach deren Absage vereinbarte er 2012 eine Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Anfang 2018 wurde die benötigte Computerhardware zur Internationalen Raumstation (ISS) transportiert. Dadurch sollten Daten über Tierbewegungen von der ISS zur Erde übertragen werden können; im März 2020 wurde die Testphase angekündigt.
Daten, Öffentlichkeit und Ausbildung
Movebank wurde 2007 initiiert und sammelt weltweit detaillierte Daten über Tierbewegungen aus Studien und Projekten. Die Daten verschiedener Quellen werden in einem öffentlich zugänglichen System zusammengeführt, damit sie mit modernen Computeranwendungen ausgetauscht und genutzt werden können. Die wachsende Menge dieser Trackingdaten wird dem Bereich Big Data zugeordnet. Ziel ist die Archivierung und Bereitstellung für Fachleute, Naturschutzorganisationen, Regierungen und die Öffentlichkeit. Anfang 2020 enthielt Movebank mehr als 7.600 Studien zu rund 1.000 Taxa; Taxa sind Gruppen von Lebewesen in der biologischen Systematik. Das Kommunikations-, Informations-, Medienzentrum der Universität Konstanz betreut die Langzeitarchivierung im Movebank Data Repository.
Der 2014 gestartete Open-Source-Animal-Tracker nutzt Movebank-Daten. Interessierte Laien können die Smartphone-App installieren und Tierbewegungen in ihrer Umgebung sowie weltweit verfolgen. Über MaxCine, sein Zentrum für Kommunikation und Austausch, bietet das Institut außerdem Führungen, Veranstaltungen und Vorträge für die Öffentlichkeit an; 2020 fanden Vorträge wegen der Covid-19-Pandemie online statt. Eine Kooperation des Instituts, des MPI für Ornithologie und des Fachbereichs Biologie der Universität Konstanz ermöglicht Studierenden aus aller Welt Forschung und Promotion zum Tierverhalten. Aktuelle Tätigkeitsberichte erscheinen im Jahrbuch der Max-Planck-Gesellschaft; seit 2008 veröffentlichten Mitarbeitende über 700 wissenschaftliche Aufsätze.