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Maurizio Lazzarato
Nachdem er regelmäßig zur Zeitschrift Futur antérieur beigetragen hatte, gründete er mit anderen die Zeitschrift Multitudes, deren Redaktion er angehört.
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Überblick und Tätigkeit
Maurizio Lazzarato (* 1955 in Italien) ist ein Soziologe und Philosoph des Postoperaismus. Der Postoperaismus ist eine theoretische Strömung, die sich mit Arbeit, Kapitalismus und sozialen Bewegungen beschäftigt. Lazzarato lebt und arbeitet in Paris als freier Forscher.
Im Zentrum seiner Forschung stehen immaterielle Arbeit, die Zersplitterung der Lohnarbeiterschaft, die Ontologie der Arbeit, der kognitive Kapitalismus und postsozialistische Bewegungen. Immaterielle Arbeit meint dabei Arbeit, die nicht vor allem materielle Güter herstellt, sondern etwa Wissen, Kommunikation oder andere nichtstoffliche Leistungen. Kognitiver Kapitalismus bezeichnet einen Kapitalismus, in dem Wissen und geistige Tätigkeiten wichtig für die Produktion sind.
Politischer und wissenschaftlicher Weg
Lazzarato studierte in den 1970er Jahren an der Universität Padua und beteiligte sich an der Bewegung Autonomia Operaia. Nachdem er wie weitere italienische Aktivisten angeklagt worden war, ging er nach Paris ins Exil, um der Strafverfolgung zu entgehen. Die Anklage wurde erst in den 1990er Jahren niedergeschlagen.
Für den Postoperaismus erschloss er das Werk des französischen Soziologen Gabriel Tarde (1843–1904) neu. Außerdem befasst er sich mit Kino, Video und neuen Techniken der Bilderproduktion. Für die Biennale von Venedig entwickelte er zusammen mit Knobotic research das Projekt „IO- dencies / travail immatériel“. Seit 1990 verfasste er gemeinsam mit Angela Melitopoulos Texte für Ausstellungskataloge.
Prekäre Arbeit und publizistische Arbeit
Lazzarato beteiligt sich an Aktionen und Überlegungen zur Lage der „Intermittens des Spektakels“ (intermittents du spectacle). Dabei geht es um intermittierend, also nicht dauerhaft, beschäftigte Menschen im Bereich des Spektakels. In der Gruppe Coordination des intermittents et précaires d'Ile-de-France (CIP-IDF) leitet er ein Forschungsprojekt zu ihrem Status.
Er schrieb regelmäßig für die Zeitschrift Futur antérieur. Später gründete er mit anderen die Zeitschrift Multitudes und gehört deren Redaktion an.
Schriften und Themen
Seine Monografien behandeln besonders immaterielle Arbeit, Postfordismus, Prekarität, Verschuldung, Kapitalismus und die Produktion von Subjektivität. „Videofilosofia. La percezione del tempo nel post-fordisme“ erschien 1996; die deutsche Ausgabe „Videophilosophie, Zeitwahrnehmung im Postfordismus“ erschien 2002 bei b_books (ISBN 978-3933557230).
Zu seinen weiteren Werken zählen „Lavoro immateriale. Forme di vita e produzione di soggettività“ (1997), „Puissances de l’invention. La psychologie économique de Gabriel Tarde contre l’économie politique“ (2002), „Les révolutions du capitalisme“ (2004), „The Making of the Indebted Man: An Essay on the Neoliberal Condition“ (2012), „Signs and Machines: Capitalism and the Production of Subjectivity“ (2014), „Governing by Debt“ (2015), „Capital Hates Everyone: Fascism or Revolution“ (2021) und „War and Money: The Imperialism of the Dollar“ (2025). Die deutsche Ausgabe von „The Making of the Indebted Man“ lautet „Die Fabrik des verschuldeten Menschen. Essay über das neoliberale Leben“ und erschien 2012 bei b_books.
Kürzere Texte
In kürzeren Texten veröffentlichte Lazzarato unter anderem zur Biopolitik, zur europäischen Kulturtradition sowie zu neuen Formen der Wissensproduktion und -zirkulation. Weitere Themen sind seine Auseinandersetzung mit Tardes „Monadologie et sociologie“ sowie das Verhältnis von Arbeit und Kapital in der Wissensproduktion. Beispiele sind „Para uma definiçao de conceito de bio-politique“ (1998), „Europäische Kulturtradition und neue Formes von Wissenproduktion und Zirkulation“ (1999) und „Travail et capital dans la production des connaissances“ (2000).