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Mauricio Rosenmann Taub
Mauricio Rosenmann Taub (* 29. Juni 1932 in Santiago; † 8. März 2021 in Essen) war ein chilenischer Komponist und Schriftsteller. Mauricio Rosenmann Taub …
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Überblick
Mauricio Rosenmann Taub (* 29. Juni 1932 in Santiago; † 8. März 2021 in Essen) war ein chilenischer Komponist, Schriftsteller und Hochschullehrer. Sein Schaffen verbindet Musik, Sprache, Schrift und grafische Gestaltung. In seinen Kompositionen entwickelte er besondere Verfahren der Alteration, also der gezielten Veränderung musikalischen Materials. In seiner Lyrik sind die sprachliche Form und ihre sichtbare Gestaltung eng miteinander verknüpft.
Ausbildung und Lehrtätigkeit
Rosenmann studierte in Santiago Klavier und Komposition, unter anderem bei Gustavo Becerra-Schmidt und Juan Allende-Blin. Dort erhielt er mehrere Auszeichnungen, darunter den Orrego-Carvallo-Preis der chilenischen Universität.
Mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes setzte er seine Ausbildung in Stuttgart und Freiburg fort. Anschließend wechselte er an das Pariser Konservatorium in die Klasse von Olivier Messiaen. Gleichzeitig arbeitete er beim französischen Rundfunk in der Groupe de recherches musicales und studierte Orgel bei Édouard Souberbielle. An der Sorbonne belegte er Musikwissenschaft und Sprachwissenschaft. Unterstützt durch den Sprachwissenschaftler André Martinet erhielt er zudem ein Stipendium der französischen Regierung.
Das Studium bei Messiaen schloss Rosenmann mit dem premier prix ab. Danach kehrte er nach Freiburg zurück und absolvierte an der Freiburger Musikhochschule bei Wolfgang Fortner die Reifeprüfung für Komposition und Musiktheorie. An derselben Hochschule wurde er Dozent. Von 1974 bis 1999 war er Professor für das Hauptfach Musiktheorie an der Folkwang-Hochschule Essen.
Musikalisches und literarisches Schaffen
In Rosenmanns Kompositionen spielt die Alteration eine wichtige Rolle. Auch das Sichtbare gewann in seinen rein instrumentalen Werken zunehmend an Bedeutung. Seine Stücke für Klavier und Kammerensemble wurden in mehreren europäischen Ländern und in Chile aufgeführt; seine Bühnenwerke vor allem in Deutschland und der Schweiz.
Zu den Bühnenwerken gehört Maquinación für Kammerensemble und eine Flippermaschine als Solisten (1979–1980). Frankenstein-OperAzione (1992) verwendet Texte von Mary Shelley und das Andante aus Mozarts Klaviersonate KV 545 als Cantus, also als zugrunde liegende musikalische Stimme. Solomisazione – Opera per una persona sola entstand ab 1997.
Für Rosenmanns Dichtung ist die untrennbare Verbindung von Schrift beziehungsweise Sprache und ihrer grafischen Darstellung zentral. Erste Gedichte erschienen 1960 in einer Freiburger Zeitschrift. 1969 veröffentlichte er los paraguas del no; bis 2012 folgten zwölf weitere Bücher, überwiegend auf Spanisch, sowie verschiedene Essays.
In Disparación (2006–2007), Solo por ser usted (2009–2010) und Modulación (2011–2012) setzte Rosenmann musikalische Intervalle mit klanglichen oder grafischen Ähnlichkeiten bestimmter Wörter in Beziehung. Dadurch erscheinen Geste, Schriftbild und Klang nicht als getrennte Ausdrucksformen, sondern als Bestandteile eines zusammenhängenden künstlerischen Werks.
Theorie und Unterricht
Rosenmann veröffentlichte musiktheoretische Untersuchungen, in denen er Komposition, Analyse und praktische Ausführung miteinander verband.
• Lieder ohne Ton (1995) enthält Anmerkungen zu Werken beziehungsweise Arbeiten von Federico Mompou, Ralf R. Ollertz, Carlos Saura und Frédéric Chopin.
• Die Entstellung als Analyse- und Kompositionsverfahren erschien 1999 in der Zeitschrift Musiktheorie. Der Essay schloss das gemeinsam mit Studenten der Folkwang Hochschule durchgeführte Kompositionsprojekt Entwebernung ab. Grundlage waren Anton Weberns Klaviervariationen op. 27. Aufführungen und Analysen fanden 1993 in Essen, 1994 in Dortmund und 1997 in Stuttgart statt.
• Ton- und Fingersatz im Finale der h-Moll-Sonate op. 58 von Chopin und in Ondine von Ravel untersuchte 2004 das Verhältnis von musikalischem Satz und pianistischer Ausführung.
• Irrealer Klang – irrealer Satz behandelte 2004 den Anfang von Richard Wagners Tristan sowie zwei Préludes von Chopin.
Ausgewählte Werke
Die musikalischen Werke zeigen Rosenmanns Interesse an ungewöhnlichen Besetzungen, technischen Medien und szenischen Formen. Beispiele sind fasolauta für Flöte, Klavier, Synthesizer und Tonband (1973–1976), vis-à-vis für zwei Klaviere und einen Pianisten (1977), Frankenstein-OperAzione für Software-Solo, Darsteller, Sänger, Sprechchor, Instrumentalisten, Workstation und Tonband (1992), Scenata mit vier szenischen Sonaten (1994–1997), Solomisazione – Opera per una persona sola (1997–2002), Sirenata für zwei Flöten, Klavier, Sängerin beziehungsweise Sprecherin und Tonband (2006), Madam Czerny für Klavier solo (2007–2008) und Pour les vingt doigts für Klavier und Celesta, zweihändig (2012–2018).
Zu den lyrischen Veröffentlichungen zählen neben los paraguas del no (1969) unter anderem El Europicho (1973–1983), Chile o el p/fisco sauer (1972–1983/1995), Formicación (1996), Alteration : Albumblätter (1997), Breviario (2001), Disparación, silabario disparatado (2007), Invitación al garabato (2009), Solo por ser usted (2010), Modulación (2012), Preparaíso (2014), Cuando me desperté comprendí que estaba dormido (2015) und Antepoemas, Sinfonía para nombres solos III (2019/2020).