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Martin-Luther-Kirche (Emden)

Die Martin-Luther-Kirche ist nach der Zerstörung einer Kirche aus dem Jahre 1775 im Zweiten Weltkrieg die zweite lutherische Kirche in Emden, einer Stadt, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Entstehung
  2. 2. Zerstörung und Neubau
  3. 3. Bauform, Licht und Glocken
  4. 4. Künstlerische Ausstattung
  5. 5. Orgel

Bedeutung und Entstehung

Die Martin-Luther-Kirche ist die lutherische Kirche in Emden, einer seit der Reformationszeit vor allem reformiert geprägten Stadt. Nach der Zerstörung des Vorgängerbaus von 1775 im Zweiten Weltkrieg entstand sie als zweite lutherische Kirche an diesem Ort. Sie ist heute Predigtkirche des Regionalbischofs des evangelisch-lutherischen Sprengels Ostfriesland-Ems. Seit 2007 befindet sich in Emden außerdem der Sitz der lutherischen Landessuperintendentur Ostfriesland-Ems; zuvor war er in Aurich.

Nach der Emder Revolution von 1595 waren lutherische Gottesdienste verboten. Erst 1685 erlaubte der Magistrat der lutherischen Minderheit einige Gottesdienste im Jahr. Dafür richtete sie in der Mühlenstraße aus zwei Privathäusern einen Gottesdienstraum ein, der äußerlich nicht als Kirche erkennbar war. Dieser Raum wurde bald zu klein. 1774/75 entstand deshalb im Bollwerk ein repräsentativer Rokoko-Neubau.

Zerstörung und Neubau

Die Rokoko-Kirche wurde beim Bombenangriff am 7. Juni 1942 mitsamt ihrer Inneneinrichtung zerstört. Nach dem Krieg kaufte die Gemeinde an der Graf-Edzard-Straße eine ausgediente Holzbaracke der Wehrmacht. Sie richtete sie mit einem schlichten Altar und einer kleinen Orgel als Notkirche ein.

Die heutige Kirche zählt zu den ersten Nachkriegsbauten der evangelischen Landeskirche Hannovers. Sie wurde nach Plänen des Konsistorialbaumeisters und Architekten Ernst Witt (1898–1971) am alten Standort in der Bollwerkstraße errichtet. Die Grundsteinlegung war am 1. Juli 1956. Am 14. Dezember 1958 weihte der damalige Hannoversche Landesbischof Johannes Lilje den Neubau als dreischiffige Basilika ein. Eine Basilika ist ein Kirchenbau mit höherem Mittelschiff und niedrigeren Seitenschiffen.

Bauform, Licht und Glocken

Mit 1.200 Plätzen ist die Martin-Luther-Kirche der größte Kirchenbau, den die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete. Sie steht unmittelbar am alten Stadtgraben. Ihr 50 m hoher Turm prägt das Stadtbild Emdens. Der Haupteingang liegt in der westlichen Giebelwand.

Das Kirchenschiff ist 44 × 20 Meter groß und trägt ein braunes Ziegeldach in Satteldachform. Im Osten schließt sich ein niedrigerer Anbau mit dem Chorraum an; der Chorraum ist der Bereich um den Altar. Schmale, hohe Bleiglasfenster mit waagerechtem Sturz sorgen im hochliegenden Teil für viel Licht. Die kleineren Fenster der Seitengänge lassen dagegen nur gedämpftes Licht ein.

Anders als die Vorgängerkirche erhielt der Neubau ein Geläut. Die fünf Glocken wurden 1958 von Gebrüder Rincker in Sinn im Lahn-Dill-Kreis gegossen und haben die Schlagtöne cis’, e’, fis’, gis’ und a’. Die große Glocke schweigt seit 2017 wegen statischer Probleme.

Künstlerische Ausstattung

Über dem Südeingang befindet sich das Sandsteinrelief „Gruppe der Lauschenden“ des Bremer Steinbildhauers Kurt Lettow. Das runde Buntglasfenster im westlichen Giebel heißt „Phoenixfenster“ und zeigt die Zerstörung Emdens: Flammen gehen in den auffliegenden Vogel Phoenix über. Dies symbolisiert den Wiederaufbau der Stadt und die Auferstehung Christi.

Der schlicht gestaltete Altar besteht aus Anröchter Dolomit. Kanzel und Taufe sind aus Sandstein. In die Altarrückwand ist Kurt Lettows Gipsschnitt „Stillung des Sturms“ eingelassen: Er zeigt Jesus mit seinen Jüngern auf dem See Genezareth. Den Innenraum schließt eine Kassettendecke aus Holz ab.

Orgel

Die heutige Orgel baute Rudolf von Beckerath 1995. Mit 44 Registern auf drei Manualen und Pedal ist sie die größte Orgel Emdens und die drittgrößte Ostfrieslands. Ein Register ist eine Pfeifenreihe mit bestimmtem Klang; Manuale sind die mit den Händen gespielten Klaviaturen. Das Instrument ist besonders für romantisch-symphonische Musik konzipiert und ergänzt damit die historische Orgellandschaft Ostfrieslands.

Die Orgel besitzt Hauptwerk, Positiv, Schwellwerk und Pedal. Das Hauptwerk reicht von C bis a³ und enthält unter anderem Prinzipal 16′, Rohrflöte 8′, Mixtur V, Fagott 16′ und Trompete 8′. Das Positiv umfasst beispielsweise Gedackt 8′, Prinzipal 4′, Scharff III und Dulzian 8′. Im Schwellwerk stehen unter anderem Bourdon 16′, Viola da gamba 8′, Voix célèste 8′, Plein jeu V und Hautbois 8′ zur Verfügung. Das Pedal reicht von C bis f¹ und enthält unter anderem Untersatz 32′, Subbaß 16′, Posaune 16′ und Trompete 8′.

Die Spieltrakturen, also die Verbindungen von Tasten zu Pfeifenventilen, sind mechanisch; die Registertrakturen sind elektrisch. Zu den Koppeln gehören II/I, III/I, III/II, I/P, II/P und III/P sowie eine Superoktavkoppel III/P, Suboktavkoppeln III/I und III/II und eine Transponierkoppel II/I. Weitere Ausstattung sind Zimbelstern, elektronische Setzeranlage und Crescendowalze.

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