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Marcel Pagnol
Marcel Pagnol (* 28. Februar 1895 in Aubagne, Bouches-du-Rhône; † 18. April 1974 in Paris) war ein französischer Schriftsteller, Dramatiker und Regisseur.
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Bedeutung und Herkunft
Marcel Pagnol (* 28. Februar 1895 in Aubagne im Département Bouches-du-Rhône; † 18. April 1974 in Paris) war ein französischer Schriftsteller, Dramatiker und Regisseur. Bekannt wurde er durch Theaterstücke und Filme über Menschen aus Marseille sowie durch Romane und autobiografische Kindheitserinnerungen, die in der Provence spielen. Neben Frédéric Mistral und Jean Giono gilt er als bedeutender Schriftsteller dieser Region.
Pagnol wuchs in der Provence und ab 1904 in Marseille auf. Die Landschaft der Collines du Garlaban prägte seine Kindheit und wurde später zum Schauplatz seiner bekanntesten Romane und Filme. Daher wird sie auch „Collines de Pagnol“ genannt.
Lebensweg
Pagnols Vater Joseph war Grundschullehrer, seine Mutter Augustine Schneiderin. Nach dem Schulbesuch am Gymnasium von Thiers erwarb Pagnol einen Hochschulabschluss an der Universität Aix-en-Provence. Ursprünglich wollte er Englischlehrer werden. Der Erfolg seiner frühen Bühnenstücke führte jedoch dazu, dass er sich dem Theater zuwandte. Seit 1927 arbeitete er als freier Schriftsteller.
1932 lernte Pagnol den Schriftsteller Jean Giono kennen und adaptierte später mehrere seiner Werke. 1942 verkaufte Pagnol sein Filmstudio. Zwei Jahre danach wurde er Präsident der Société des Auteurs et Compositeurs Dramatiques, einer Vereinigung von Bühnenautoren und Komponisten. 1946 wurde er in die Académie Française aufgenommen. Außerdem war er Honorarkonsul von Portugal und Monaco.
Pagnol starb 1974 und wurde in La Treille beigesetzt, dem für seine Kindheit wichtigen Ort. 2025 erinnerte Sylvain Chomets biografischer Trickfilm „Marcel et Monsieur Pagnol“ an sein Leben und Werk.
Theater, Film und Durchbruch
Seinen Durchbruch erzielte Pagnol am Petit Théâtre de Paris mit „Marius“ (1929), „Fanny“ (1931) und „César“ (1936). Die drei Werke handeln von Menschen aus seiner Heimatstadt Marseille. „Fanny“ wurde später auch als Broadway-Musical von den Librettisten S. N. Behrman und Joshua Logan sowie dem Komponisten Harold Rome erfolgreich. Für „César“ erschien 1946 eine Bühnenversion.
Die erfolgreichen Kinoadaptionen seiner Stücke veranlassten Pagnol, sich in den 1930er Jahren überwiegend dem Film zuzuwenden. Zu seinen wichtigen Filmen zählen „Marius“ (1931), „Fanny“ (1932), „Angèle“ (1934), „César“ (1936), „Das Mädchen und der Scherenschleifer“ (1937), „Le Schpountz“ (1938) und „Die Frau des Bäckers“ (1938). Letzterer erhielt 1940 den New York Film Critics Circle Award als Bester fremdsprachiger Film. Bei „Toni“ (1935) war Pagnol nur Produzent; für „Manons Rache“ (1952) schrieb er auch das Drehbuch.
Weitere Theaterstücke sind „Les Marchands de gloire“ (1925), „Jazz“ (1926), „Topaze“ (1928), „Catulle“ (1929), „Judas“ (1955) und „Fabien“ (1956). „Judas“ wurde 1967 vom ORF-Landesstudio Oberösterreich und 1988 vom Bayerischen Rundfunk als Hörspiel bearbeitet.
Kindheitserinnerungen
Zwischen 1957 und 1959 veröffentlichte Pagnol die autobiografische Romantrilogie „Souvenirs d’enfance“, auf Deutsch „Eine Kindheit in der Provence“. Sie umfasst „La gloire de mon père“ (1957; „Der Ruhm meines Vaters“), „Le château de ma mère“ (1957; „Das Schloss meiner Mutter“) und „Le temps des secrets“ (1959; „Marcel und Isabelle. Die Zeit der Geheimnisse“). Autobiografisch bedeutet, dass der Autor Erfahrungen aus seinem eigenen Leben literarisch verarbeitet.
Die Trilogie gehört seit Jahrzehnten zur Standardlektüre französischer Schüler und trug wesentlich zu Pagnols anhaltender Popularität in Frankreich bei. Sie wurde unter anderem ins Deutsche, Englische, Dänische und Chinesische übersetzt; die deutsche Übersetzung stammt von Pamela Wedekind. 1977 erschien aus dem Nachlass ein vierter Teil, „Le temps des amours“ („Die Zeit der Liebe“). Yves Robert verfilmte die Kindheitserinnerungen 1990 als „Der Ruhm meines Vaters“ und „Das Schloss meiner Mutter“.
Romane und Übersetzungen
Zu Pagnols frühen Romanen gehören „La petite Fille aux yeux sombres“ (1921) und „Le Mariage de Peluque“ (1921). Der zweite Roman wurde 1932 unter dem Titel „Pirouettes“ neu aufgelegt und erschien in deutscher Übersetzung von Dagmar Türck-Wagner als „Pirouetten der Liebe“.
Der zweiteilige Roman „L’Eau des collines“ (1963; „Die Wasser der Hügel“) besteht aus „Jean de Florette“ und „Manon des sources“. Claude Berri verfilmte beide Teile 1986 als „Jean Florette“ und „Manons Rache“. Pamela Wedekinds deutsche Übersetzung erschien erstmals 1964 bei Langen-Müller in München.
Pagnol arbeitete außerdem als Übersetzer. Er übertrug William Shakespeares „Hamlet“ (1947) und „Le Songe d’une nuit d’été“ („Ein Sommernachtstraum“, 1970) sowie Vergils „Les Bucoliques“ (1958).