Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Macbeth – Der Königsmörder
Macbeth – Der Königsmörder ist eine US-amerikanische Literaturverfilmung aus dem Jahr 1948 nach William Shakespeares Drama Macbeth.
Inhalt5 Abschnitte
Gegenstand und Eckdaten
Macbeth – Der Königsmörder ist eine US-amerikanische Literaturverfilmung des Dramas Macbeth von William Shakespeare. Der Film erschien 1948, trägt im Original ebenfalls den Titel Macbeth und wurde von Orson Welles inszeniert. Welles schrieb außerdem das Drehbuch, übernahm die Produktion gemeinsam mit Charles K. Feldman und Richard Wilson und spielte die Titelrolle Macbeth.
Der 107 Minuten lange, englischsprachige Schwarzweißfilm entstand bei Republic Pictures in den USA und ist in Deutschland ab 12 Jahren freigegeben (FSK 12). Die Musik komponierte Jacques Ibert, die Kamera führte John L. Russell, den Schnitt übernahm Louis Lindsay. Der Film ist vor allem durch Welles’ stark eigenständige, theatralische und expressive Umsetzung des Shakespeare-Stoffs geprägt.
Handlung
Die Handlung folgt im Großen und Ganzen dem Shakespeare-Drama Macbeth. Im Mittelpunkt steht Macbeth, der von Orson Welles dargestellt wird. Jeanette Nolan spielt Lady Macbeth, Dan O’Herlihy Macduff, Roddy McDowall Malcolm und Edgar Barrier Banquo. Weitere wichtige Figuren sind Duncan, Lennox, Ross, Fleance, Macduffs Sohn, der Doktor und Seyton.
Die Besetzung umfasst außerdem mehrere Rollen, die von denselben Darstellern in verschiedenen Funktionen übernommen werden: Peggy Webber spielt Lady Macduff und eine Hexe, Lurene Tuttle eine Hofdame und eine Hexe sowie Brainerd Duffield den Ersten Mörder und eine Hexe. Gus Schilling verkörpert den Pförtner.
Entstehung und Besetzung
Orson Welles plante ab 1947 eine Shakespeare-Verfilmung. Zunächst wollte er Othello adaptieren, erhielt nach mehreren Flops unter seiner Regie jedoch keine finanzielle Unterstützung. Deshalb wandte er sich Macbeth zu. Stilistisch stellte er sich das Projekt als eine „perfekte Kreuzung von Sturmhöhe und Frankensteins Braut“ vor.
Gemeinsam mit Charles K. Feldman überzeugte Welles Herbert Yates, den Leiter von Republic Pictures, von der Verfilmung. Republic Pictures gehörte zu den sogenannten Poverty-Row-Studios in Hollywood, die gewöhnlich vor allem B-Movies und Western produzierten. Yates wollte mit dem Shakespeare-Film das künstlerische Niveau seines Studios anheben. Wegen der begrenzten finanziellen Möglichkeiten konnte er Welles nur 700.000 US-Dollar zur Verfügung stellen. Zusätzlich musste Welles eigenes Vermögen einsetzen. Für die Dreharbeiten auf dem Gelände der Republic Studios standen insgesamt 24 Tage zur Verfügung.
Welles besetzte sich selbst als Macbeth. Für Lady Macbeth wollte er zunächst Vivien Leigh gewinnen, doch das Budget erlaubte eine so teure Schauspielerin nicht. Tallulah Bankhead, Anne Baxter, Mercedes McCambridge und Agnes Moorehead kamen ebenfalls nicht infrage, weil sie entweder anderweitig beschäftigt waren oder die Rolle ablehnten. Schließlich verpflichtete Welles die bekannte Theaterschauspielerin Jeanette Nolan, die mit diesem Film ihr Debüt gab. Welles und Nolan hatten bereits ein Jahrzehnt zuvor beim Radio zusammengearbeitet.
Dan O’Herlihy gab mit der Rolle des Macduff sein amerikanisches Spielfilmdebüt. Roddy McDowall, der früher ein Kinderstar gewesen war, spielte Malcolm. Eine Besonderheit ist die Besetzung von Welles’ Tochter Christopher Welles, die in ihrer einzigen Filmrolle Macduffs Sohn verkörpert.
Deutsche Synchronfassung
Die deutsche Synchronfassung entstand 1975 im Auftrag des ZDF in Berlin. Macbeth wurde von Michael Chevalier gesprochen, Macduff von Lothar Blumhagen, Malcolm von Hans-Jürgen Dittberner und Banquo von Helmut Wildt. Für Lady Macbeth werden Judy Winter oder Eva Katharina Schultz als mögliche Synchronsprecherinnen genannt.
Weitere Zuordnungen sind: Kurt Mühlhardt für Duncan, Wolfgang Condrus für Lennox, Oliver Rohrbeck für Macduffs Sohn, Eric Vaessen für den Doktor und Walter Bluhm für Seyton.
Künstlerische Einordnung und Kritiken
Das Lexikon des internationalen Films beschreibt Welles’ Umsetzung als einen abstrakten Film von fast experimentellem Charakter. Die intensive theatralische Wirkung entstehe vor allem durch die optische Gestaltung. Besonders hervorgehoben werden die ausgefallenen Kostüme, die Pappkarton-Dekors und der expressive Inszenierungsstil.
Prisma bezeichnet den Film als einen der eigenwilligsten Shakespeare-Filme. Die Gestaltung wird dort als roh und asketisch charakterisiert; genannt werden außerdem Männer in Fellen, bizarre Helme aus Pappmaschee und Pappmaschee-Dekorationen.