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Luise Millerin (1922)
Luise Millerin ist eine deutsche Stummfilm-Adaption von Friedrich Schillers Kabale und Liebe (1784) aus dem Jahre 1922, nach einem Drehbuch von G. W. Pabst.
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Einordnung und Bedeutung
Luise Millerin ist ein deutscher Stummfilm aus dem Jahr 1922 und eine weitgehend werkgetreue Adaption von Friedrich Schillers Drama Kabale und Liebe aus dem Jahr 1784. Der 116 Minuten lange Film behandelt Standesdünkel, Machtmissbrauch, Korruption und Intrigen am Fürstenhof sowie deren tödliche Folgen für die Liebe zweier junger Menschen.
Regie führte Carl Froelich, der den Film auch produzierte. Das Drehbuch verfassten G. W. Pabst und Walter Supper. Lil Dagover spielt Luise Millerin, Paul Hartmann den Major Ferdinand. Weitere zentrale Rollen übernehmen Friedrich Kühne als Präsident, Fritz Kortner und Ilka Grüning als Luises Eltern, Gertrude Welcker als Lady Emilie Milford, Werner Krauß als Sekretär Wurm, Reinhold Schünzel als Hofmarschall Kalb und Walter Janssen als Fürst von Anspach.
Liebe gegen Standesgrenzen
Major Ferdinand liebt Luise Miller, die Tochter eines einfachen Musikanten. Die Väter beider Liebenden lehnen ihre geplante Verbindung ab. Besonders Ferdinands Vater, der Präsident von Walter, hält Luise wegen ihrer einfachen Herkunft für ungeeignet. Stattdessen will er Ferdinand mit Lady Milford, der Geliebten des Fürsten von Anspach, verheiraten. Durch diese Verbindung hofft der Präsident, seinen Einfluss am Fürstenhof zu vergrößern.
Ferdinand widersetzt sich dem Plan und erwägt, im äußersten Fall mit Luise zu fliehen. Er sucht Lady Milford auf, weil er hofft, auch sie werde die geplante Ehe ablehnen. Sie empfindet jedoch viel für ihn. Zudem erklärt sie, dass sie bisher einen mäßigenden Einfluss auf den despotischen Fürsten ausgeübt habe und bei einem Scheitern der bereits weit vorbereiteten Hochzeit Ehre und Ansehen verlieren würde.
Lady Milford will Luise persönlich kennenlernen. Luises Klarheit, Unschuld und Anständigkeit beeindrucken sie so sehr, dass sie auf Ferdinand verzichtet. Sie beschließt, Hof und Land zu verlassen und ein einfaches, aber ehrliches neues Leben zu beginnen.
Intrige und tragisches Ende
Der scheinbare Sieg der Liebenden hält nicht lange an. Der Präsident und sein gehorsamer Helfer Wurm setzen eine Intrige in Gang, damit Ferdinand Luise für untreu hält und die Machenschaften am Hof nicht bekannt werden. Luises Eltern werden willkürlich verhaftet und mit der Hinrichtung bedroht. Um sie zu retten, muss Luise einen Liebesbrief an Hofmarschall Kalb schreiben und schwören, sie habe ihn aus freien Stücken verfasst.
Der Brief gelangt zu Ferdinand. Er deutet ihn als Beweis für Luises Untreue und beginnt, an ihrer Liebe zu zweifeln. Luise sieht zunächst nur im Selbstmord einen Ausweg, weil dieser ihre Unschuld beweisen könnte. Ihr Vater hält Selbstmord jedoch für eine schwere Sünde und bringt sie davon ab. Wegen ihres erzwungenen Eides darf Luise Ferdinand die Wahrheit nicht sagen und schweigt.
Ferdinand versteht ihr Verhalten nicht und vergiftet sowohl Luise als auch sich selbst. Erst im Angesicht des Todes fühlt sich Luise nicht mehr an den Eid gebunden. Sie enthüllt die Intrige und verzeiht Ferdinand, dass er sie getötet hat. Ferdinand reicht seinem Vater vor seinem eigenen Tod die Hand zur Versöhnung.
Herstellung und Veröffentlichung
Der Film entstand Mitte 1922 im Maxim-Filmatelier in der Blücherstraße 32 in Berlin. Die Kamera führten Kurt Lande und Vilmos Fényes. Die Filmzensur genehmigte das Werk am 15. August 1922; die Uraufführung folgte sechs Tage später. Der für Jugendliche freigegebene Siebenakter hatte eine Länge von 2921 Metern.
Die umfangreichen Filmbauten entwarfen Robert Herlth und Walter Röhrig unter Beteiligung der Architekten Stefan Lhotka, Hans Sohnle und Max Frick. Walter Schulze-Mittendorf fertigte die Filmplastiken an.
Zeitgenössische Beurteilung
Die zeitgenössischen Kritiken bewerteten den Film sehr positiv. Das Grazer Tagblatt bezeichnete ihn als gelungenes „Filmkleid“ für Kabale und Liebe und als ein „Prachtwerk deutscher Lichtspielkunst“. Hervorgehoben wurden die weitgehende Nähe zur Handlung des Dramas, die Ausstattung und die schauspielerischen Leistungen. Wo im Stummfilm das gesprochene Wort fehlte, habe die bildliche Gestaltung die Aussage übernommen.
Auch das Tagblatt lobte den Szenenreichtum, die klassische Ausstattung, die wirkungsvolle Gestaltung der Umgebung und die Mitwirkung bedeutender deutscher Schauspieler. Nach dieser Kritik wurde das gesprochene Wort kaum vermisst, weil die Begleittexte die Handlung klar erläuterten.