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Linus Neumann

Linus Neumann (* 1983) ist Hacker, Berater für IT-Sicherheit und ein Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC). Der Diplom-Psychologe lebt und arbeitet in …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Person und öffentliche Rolle
  2. 2. Kritik an IT-Sicherheitsgesetzen
  3. 3. Weitere Sicherheits- und Technikthemen
  4. 4. Wahlen und Netzneutralität
  5. 5. Aktivismus, Medien und weitere Tätigkeiten

Person und öffentliche Rolle

Linus Neumann (* 1983) ist Hacker, Berater für IT-Sicherheit und Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC). Der Diplom-Psychologe lebt und arbeitet in Berlin. Für den CCC tritt er regelmäßig als Sachverständiger für IT-Sicherheit in Ausschüssen des Deutschen Bundestags auf. Seit 2011 veröffentlicht er gemeinsam mit Tim Pritlove den wöchentlichen Podcast „Logbuch:Netzpolitik“. Trotz seines vielfältigen aktivistischen Engagements versteht er sich nicht als Netzaktivist.

Kritik an IT-Sicherheitsgesetzen

Im Mai 2014 empfahl Neumann als Sachverständiger im Ausschuss Digitale Agenda, die Qualität von Open-Source-Software durch finanzierte Auditierungen und Bug Bounties zu sichern. Ein Audit ist eine systematische Sicherheitsprüfung; Bug Bounties sind Belohnungen für gemeldete Sicherheitslücken. Außerdem forderte er stärker dezentrale Sicherheitssysteme, bei denen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nicht optional sein dürfe. Sicherheitspolitik solle unabhängig und evidenzbasiert sein; grundrechtseinschränkende Maßnahmen sollten auf ihre Wirkung geprüft werden.

Den Entwurf des ersten IT-Sicherheitsgesetzes kritisierte er im April 2015: Er sehe keinen Schutz für Endnutzer vor, schwäche vielmehr deren Datenschutz durch weitergehende Datenspeicherung bei Providern und erhöhe hauptsächlich Bürokratie. Auch das Vorschlagsrecht der Betreiber für gesetzliche „Sicherheitsstandards“ und die Rolle des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) beanstandete er. Das Gesetz wurde im Juni 2015 unverändert beschlossen und trat am 25. Juli 2015 in Kraft.

Weitere Sicherheits- und Technikthemen

Beim IT-Sicherheitsgesetz 2.0 warnte Neumann vor einem „zweifelhaften Umgang mit Schwachstellen“ und zu weitgehenden Eingriffsbefugnissen in IT-Systeme. Das „IT-Sicherheitskennzeichen“ nannte er „Ressourcenverschwendung“, kritisierte den Fokus auf „Unternehmen im besonderen öffentlichen Interesse“ sowie das Konzept „nicht vertrauenswürdiger Anbieter“.

2013 kritisierte er De-Mail als System, dessen Sicherheit nicht zu seiner besonderen Attraktivität als Angriffsziel passe. Die gesetzlich verlangten Sicherheitsniveaus für sensible Daten seien abgesenkt worden, um das Verfahren zu ermöglichen; die betreffenden Gesetze beschloss der Bundestag später mit kleinen Änderungen.

Als Projektleiter von GSMmap im Team des Sicherheitsforschers Karsten Nohl informiert er über Schwächen von Mobilfunknetzen. Die Daten entstehen mithilfe von Open-Source-Software und Crowdsourcing, also durch Beiträge vieler Nutzer. Im Herbst 2013 demonstrierte er im Berliner Regierungsviertel das Abhören von Mobiltelefonen. Im Dezember 2013 stellte er zudem fest, dass „E-Mail made in Germany“ entgegen den Aussagen der Anbieter noch unverschlüsselte Nachrichten übertragen konnte; die Umstellung auf konsequent SSL-verschlüsselten Transport erfolgte im April 2014.

Bei automatisierten Risikomanagementsystemen zur Suche nach möglichen Steuersündern warnte er vor unbemerkter, sich verstärkender struktureller Diskriminierung und „blinden Flecken“ im Prüfprozess. Seine Rahmenbedingungen wurden in einen abgelehnten Entschließungsantrag der Opposition aufgenommen.

Wahlen und Netzneutralität

Vor der Bundestagswahl 2017 analysierten Thorsten Schröder, Martin Tschirsich und Neumann eine Software zur Erfassung und Auswertung von Wahlergebnissen. Ihr vom CCC veröffentlichter Bericht beschrieb mehrere Angriffspfade, über die aggregierte und erfasste Wahldaten manipuliert werden könnten. Updates des Herstellers bewertete der CCC als ineffektiv, „unsinnig und nicht nachvollziehbar“. Mit einer „Open Source Spende“ als „Digitale Erste Hilfe“ forderte er, von öffentlicher Hand bezahlte Software müsse öffentlich einsehbar und überprüfbar sein. Der Hersteller stellte Updates ein; die Software wurde dennoch in mehreren Bundesländern bei der Bundestagswahl eingesetzt. Bei den hessischen Landtagswahlen 2018 wurden großflächige Unregelmäßigkeiten und Ausfälle mit dem Verbot dieser Software in Verbindung gebracht.

Neumann setzt sich für Netzneutralität ein, also für die gleichberechtigte Übertragung von Daten im Netz. Mit dem Verein Digitale Gesellschaft führte er Kampagnen gegen Telekom-Pläne, DSL-Flatrates nach einem bestimmten Datenvolumen zu drosseln, während Telekom-eigene Dienste ausgenommen wären. Dazu gehörten der Aufruf an Telekom-Aktionäre, ihr Stimmrecht dem CCC zu übertragen, und eine Plakataktion am Ort der Hauptversammlung.

Aktivismus, Medien und weitere Tätigkeiten

Bei einer satirischen Pro-Guttenberg-Demonstration in Berlin bestritt Neumann zunächst trotz einer Aufzeichnung, deren Anmelder gewesen zu sein. Im selben Jahr berichtete er beim Chaos Communication Congress unter Pseudonym über die Aktion; im Mai 2021 räumte er die Anmeldung ein. Seine Anleitung von 2012 zum Widerspruch gegen die Zustellung der „Gratis-Bild“ führte zu vielen Tausend E-Mails und zeitweise zum Zusammenbruch des E-Mail-Systems des Axel-Springer-Verlags. Der Verlag erhob den Vorwurf einer Mailbombe; Ermittlungen ergaben jedoch auch Datenschutzverstöße des Verlags und unzutreffende Angaben über Absprachen mit dem Landesdatenschutzbeauftragten, worauf ein Aufsichtsverfahren folgte.

Ende Dezember 2025 rief Neumann mit Marc-Uwe Kling auf dem 39. Chaos Communication Congress den monatlichen „Digital Independence Day“ (DI.DAY; deutsch: „Digitaler Unabhängigkeitstag“, kurz DUT) aus. Am ersten Sonntag jedes Monats soll digitale Selbstbestimmung durch den Wechsel von großen Tech-Plattformen zu freien, lokalen oder dezentralen Alternativen gestärkt werden. Der erste Termin war der 4. Januar 2026.

Neumann schrieb ab August 2010 für netzpolitik.org und wurde dort kurz darauf erstes fest angestelltes Redaktionsmitglied. „Logbuch:Netzpolitik“ startete im Oktober 2011; die meist ein- bis zweistündigen Folgen behandeln netzpolitische Themen im deutschsprachigen Raum und finanzieren sich über Spenden. Im April 2014 erschien die 100. Folge mit Hans-Christian Ströbele. Neben dem Psychologiestudium gab Neumann ab 2008 mit Roland Brückner die werbefinanzierte Kinderbuch-Reihe „Mumpelmonster“ heraus. 2019 war er Sprecher des Kulturvereins Kulturkosmos Müritz, der unter anderem das Fusion-Festival veranstaltet.

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