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Linda Carty
Linda Anita Carty (* 5. Oktober 1958) ist eine im Jahr 2002 durch den US-Bundesstaat Texas wegen Mordes und Entführung zum Tode verurteilte ehemalige …
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Überblick und Hintergrund
Linda Anita Carty (* 5. Oktober 1958) ist eine ehemalige Grundschullehrerin und ehemalige Informantin der US-Drogenvollzugsbehörde DEA. Sie besitzt die US-amerikanische und die britische Staatsbürgerschaft. Im Jahr 2002 wurde sie im US-Bundesstaat Texas wegen Mordes und Entführung zum Tod durch letale Injektion verurteilt. Sie bestreitet bis heute jede Beteiligung. Der Fall ist auch bedeutsam, weil die britischen Behörden nach ihrer Festnahme nicht informiert wurden, obwohl dies nach bilateralen Konsularkonventionen erforderlich gewesen wäre.
Carty wurde auf St. Kitts geboren, das damals britische Kolonie war; ihre Eltern waren Anguillaner. 1982 emigrierte sie in die Vereinigten Staaten und erhielt dort die Staatsbürgerschaft. Zuvor hatte sie auf St. Kitts als Grundschullehrerin gearbeitet und studierte später Pharmakologie an der Universität von Houston.
Frühere Verurteilung und Tätigkeit für die DEA
1992 wurde Carty wegen Autodiebstahls und Amtsanmaßung verurteilt, nachdem sie sich als FBI-Agentin ausgegeben hatte. Sie erhielt eine zehnjährige Bewährungsstrafe. Bedingung war, dass sie als verdeckte Informantin in der Drogenszene für die DEA tätig wurde.
Nach ihrer späteren Darstellung wurde jemand mit karibischem Hintergrund gesucht, der keinen Verdacht erregen würde. Ihre Tätigkeit habe verlangt, dass sie wie eine Drogendealerin lebte. Sie erklärte außerdem, währenddessen Pharmazie studiert und später in Teilzeit als Friseuse gearbeitet zu haben. Als Informantin lieferte sie Informationen, die zu zwei Verhaftungen führten. Nach ihrer eigenen Darstellung führten ihre Hinweise zudem zur Beschlagnahme von Betäubungsmitteln im Wert tausender US-Dollar und zur Festnahme zahlreicher Drogendealer. Ihre Tätigkeit endete, als sie selbst wegen eines Drogenvergehens festgenommen wurde.
Entführung und Tod von Joana Rodriguez
Im Jahr 2001 wurden Joana Rodriguez und ihr wenige Tage alter Säugling entführt. Rodriguez wurde später getötet, das Baby noch in derselben Nacht unversehrt gefunden. Für diese Tat wurde Carty verurteilt, obwohl sie jede Beteiligung bestritt.
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft drangen Chris Robinson, Gerald Anderson und Carlos Williams am frühen Morgen des 16. Mai 2001 bewaffnet in die Wohnung einer benachbarten mexikanischen Einwandererfamilie im Südwesten Houstons ein. Die drei Männer sagten später aus, Carty habe ihnen von angeblich dort verstecktem Marihuana und Bargeld erzählt. Der angebliche Raub sei jedoch eine Finte gewesen, um sie zur Entführung des Babys zu bewegen.
Carty habe nach dieser Darstellung das Kind verlangt, weil es angeblich das leibliche Kind ihres Ehemanns sei. Sie habe gehofft, es als ihr eigenes auszugeben und damit ihre problematische Beziehung zu retten. Vor der Tat habe sie mehreren Personen von einer angeblichen Schwangerschaft und baldigen Geburt berichtet. In ihrem Auto fanden Ermittler eine chirurgische Schere, ein Stethoskop, einen OP-Kittel sowie Kindersitz, Windeln und Säuglingsnahrung. Laut Staatsanwaltschaft habe sie gegenüber den Komplizen erklärt, sie werde das Baby „aus der Mutter herauszuschneiden“, und sie „brauche das Baby“.
Rodriguez, 25 Jahre alt, und ihr Säugling wurden aus der Wohnung verschleppt. Carty soll vor dem Haus gewartet und mit einem der Männer im Haus telefoniert haben. Rodriguez wurde tot im geschlossenen Kofferraum eines Mietwagens gefunden. Sie war erstickt: Eine Plastiktüte war mit mehreren Lagen Klebeband um ihren Kopf gewickelt, ihre Hände waren auf dem Rücken gefesselt.
Urteil, Berufungen und Kritik
Die Anklage führte mehrere Beweise und Indizien an. Mobilfunkdaten belegten 11 Anrufe Cartys mit einem der Täter zwischen 0:50 und 2:50 Uhr, also zur Tatzeit und im weiteren Verlauf der Nacht. Der Ehemann des Opfers sagte aus, einer der Entführer habe in ein Telefon gesagt: „Wir sind hier drin. Willst du es [haben]?“ Anschließend habe er gerufen, „sie draußen sei“, bevor Täter Mutter und Kind mitnahmen. Im Mietwagen mit der Leiche wurden Cartys Fingerabdrücke gesichert. Eine Mitgefangene sagte außerdem aus, Carty habe sie um einen gefälschten Brief eines angeblichen „Oscar“ gebeten. Darin sollte stehen, „Chris und Zeb“ hätten Carty hereingelegt, ihr Auto geliehen und „das Baby hineingesetzt“.
Carty und die drei Männer wiesen sich im Prozess gegenseitig die Verantwortung für Rodriguez’ Tod zu. Die Komplizen behaupteten, Rodriguez sei beim Schließen des Kofferraums noch am Leben gewesen; Carty habe sich zwischen 3:30 und 4:00 Uhr in den geöffneten Kofferraum gebeugt und die Plastiktüte befestigt. Carty erklärte dagegen, die Männer hätten ihr wegen ihrer früheren DEA-Tätigkeit eine Falle gestellt. Sie sei nicht einfach getötet worden, weil man stattdessen diesen „Plot“ ausgeheckt habe.
Die Jury sprach Carty am 19. Februar 2002 schuldig; am 21. Februar 2002 wurde sie zum Tod durch letale Injektion verurteilt. Die Mittäter erhielten wegen ihrer Aussagen gegen Carty langjährige Haftstrafen und entgingen der Todesstrafe. In Berufungen kritisierte Carty unter anderem ihre Verteidigung: Von ihr genannte Zeugen seien nicht kontaktiert und kein Familienmitglied sei angehört worden. Der frühere DEA-Agent Charles Mathis erklärte 2014 eidesstattlich, District Attorney Connie Spence habe ihn zu einer Aussage gedrängt; die Staatsanwaltschaft wies dies zurück. Auch zwei frühere Mitangeklagte sagten später, sie seien zu Aussagen gegen Carty genötigt worden. Im September 2016 lehnte ein texanisches Gericht eine erneute Anhörung ab, da es genügend andere Schuldbeweise gebe. Das Texas Court of Criminal Appeals bestätigte dies am 7. Februar 2018; der Oberste Gerichtshof der USA lehnte es im November 2018 ab, den Fall anzuhören.
Kritik betraf auch die fehlende Benachrichtigung britischer Stellen nach Cartys Verhaftung. Großbritannien sah darin in einem Amicus Curiae, einer Stellungnahme eines nicht am Verfahren beteiligten Dritten, einen Rechtsbruch. Reprieve kritisierte zudem, Cartys ursprünglicher Verteidiger habe keine möglicherweise strafmildernden Beweise vorgelegt. Der Fall wurde unter anderem von Channel 4 und in Werner Herzogs Dokumentationsreihe Im Todestrakt behandelt.