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Les Gammas! Les Gammas!

Les Gammas! ist ein französischer Sprachkurs in Form einer 39-teiligen Fernsehserie, die vom französischen Fernsehen ORTF (später TF1) und der deutschen ARD …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kernidee und Bedeutung
  2. 2. Handlung und Lernprinzip
  3. 3. Didaktik und Darstellung
  4. 4. Fortlaufende Geschichte und tabula rasa
  5. 5. Zeitgeist und Edutainment
  6. 6. Begleitmaterial

Kernidee und Bedeutung

Les Gammas! Les Gammas! ist ein französischer Sprachkurs in Form einer 39-teiligen Fernsehserie. Er wurde zwischen 1974 und 1976 vom französischen Fernsehen ORTF, später TF1, und der deutschen ARD produziert. Die Sender bezeichneten die Serie als „Beitrag des Fernsehens zum deutsch-französischen Kulturabkommen“ von 1954.

Die Serie war für das Schulfernsehen gedacht, wirkte aber deutlich anders als frühere Sprachkurse. Sie verband Sprachunterricht mit einer fortlaufenden fiktionalen Handlung und wurde dadurch zu einem Überraschungserfolg im deutschen Fernsehen. Wiederholungen werden bis heute ausgestrahlt; außerdem wurde die Serie von Fernsehsendern in Europa, Amerika, Afrika und Asien übernommen.

Wichtige Beteiligte waren der Produktionsleiter Christian Stehr, der für die didaktischen Inhalte verantwortliche französische Germanist Jean M. Zemb, der Regisseur Rüdiger Graf und der Drehbuchautor René Ehni. Produziert wurde die Serie vom Bayerischen Rundfunk; Walter Flemmer war Produzent, Hermann Thieme schrieb die Musik, Eckard Kaemmerer führte die Kamera. Michel Petit moderierte.

Handlung und Lernprinzip

Die Serie erzählt von drei Außerirdischen vom fiktiven Planeten Gamma. Sie müssen mit ihrem Raumschiff, einer Holzkugel, auf der Erde notlanden, und zwar in Frankreich. Die drei gehören offenbar zu einer menschenähnlichen, also humanoiden, Lebensform und werden als eine Frau und zwei Männer dargestellt. Im Verlauf der Serie erhalten sie die Namen Odile, Adrien und Émile; gespielt werden sie von Catherine Stermann, Pierre Maxence und Jacques David.

Die Gammas müssen ihr Raumschiff wieder flugfähig machen. Dafür brauchen sie Kontakt zu Menschen, werden aber zugleich von einer sensationslustigen Öffentlichkeit und staatlichen Behörden verfolgt. Französisch zu lernen ist für sie deshalb überlebensnotwendig.

Am Anfang sprechen die Gammas nur die Sprache ihres Heimatplaneten. In dieser Sprache kommen offenbar besonders häufig die Silben „gam“ und „ma“ vor. Dadurch werden auch beim Publikum keine Französischkenntnisse vorausgesetzt. In 39 Folgen wird dennoch ein relativ hohes Niveau erreicht. Der Schwerpunkt liegt auf Konversation, also auf dem praktischen Sprechen und Verstehen. Die Zahl 39 hängt ursprünglich mit der Länge eines deutschen Schuljahrs zusammen, das im Durchschnitt 40 Wochen umfasst.

Didaktik und Darstellung

Les Gammas! Les Gammas! unterscheidet sich von älteren Sprachkursen im Fernsehen und Hörfunk sowohl durch seine Anlage als auch durch seine Didaktik. Didaktik meint hier die Art, wie Lernen gestaltet wird. Die Serie spiegelt bildungspolitische Neuansätze wider, die seit den 1960er Jahren in Frankreich und in der Bundesrepublik Deutschland kontrovers diskutiert wurden.

Dass es sich um Schulfernsehen handelt, zeigt sich vor allem an Michel Petit, dem Präsentator der Serie. Seine Rolle ähnelt aber weniger einem Lehrer im Frontalunterricht, also einem Unterricht, bei dem eine Lehrperson vor der Klasse erklärt. Petit wirkt eher wie ein Showmaster oder Animateur. Zwischen den Spielszenen erscheint er in Bluescreen-Technik vor einfarbigem Hintergrund, meist mit nur einem Bugholzstuhl oder einer Stehleiter als Requisit. Er trägt schwarze oder weiße Kleidung und erklärt französische Sprache mithilfe großer Texteinblendungen.

Fortlaufende Geschichte und tabula rasa

Die Serie nutzt eine abgeschlossene Handlung mit durchgehender Geschichte. Als Vorbild dienten weniger Serien aus einzelnen, voneinander unabhängigen Episoden, sondern Telenovelas, wie sie damals vor allem aus Lateinamerika, besonders Brasilien und Mexiko, bekannt waren. Dadurch sollte beim Publikum, das zugleich Kursteilnehmer war, der Wunsch entstehen, keine Folge zu verpassen. Stilistisch greift die Serie Elemente des Roadmovies und der Science Fiction auf, zwei Gattungen, die Mitte der 1970er Jahre gerade stärker anerkannt wurden.

Ein zentrales Lernprinzip ist der „tabula rasa“-Ansatz. „Tabula rasa“ bedeutet hier, dass die Hauptfiguren fast bei null anfangen. Den Gammas sind nicht nur französische Wörter unbekannt, sondern oft auch die Dinge und Begriffe, die diese Wörter bezeichnen. Die Lernenden haben dadurch häufig einen Wissensvorsprung gegenüber den Figuren. Die Serie verzichtet damit weitgehend darauf, die Fremdheit des Französischen im Verhältnis zur Muttersprache und Kultur der Lernenden in den Mittelpunkt zu stellen. Dieser Ansatz erklärt laut Artikel auch den Erfolg über Deutschland und Europa hinaus.

Zeitgeist und Edutainment

Les Gammas! Les Gammas! zeigt viel vom Zeitgeist der 1970er Jahre. Die drei friedlichen, manchmal etwas verwirrten Gammas tragen lange Haare und sackartige graue Kutten. Damit spielen sie mit dem damals verbreiteten Klischee des Blumenkindes. Szenen, in denen sie dem „Establishment“, etwa der Polizei, entkommen, erinnern unterschwellig an bekannte Hippie-Filme wie Easy Rider.

Auch die Begeisterung für Raumfahrt und Science Fiction ist wichtig: Zur Entstehungszeit machte die Menschheit ihre ersten Schritte ins Weltall, und Sendungen und Filme mit Weltraumthemen wie Raumschiff Enterprise oder Mondbasis Alpha 1 waren populär. Die Mischung aus einfachen Requisiten, Pappkulissen und damals moderner Bluescreen-Technik trug zum avantgardistischen Gesamteindruck bei. Der Titel ist außerdem ein homophones Wortspiel auf „Les gamins!“, was auf Deutsch etwa „Lausbuben“, „Bengel“ oder „die kleinen Strolche“ bedeutet.

Die Serie gilt als frühes Beispiel von Edutainment, also der Verbindung von Bildung und Unterhaltung, noch bevor dieser Begriff geprägt wurde. Viele Zuschauer empfanden sie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen der Bundesrepublik als spannende und humorvolle Unterhaltung auf einem sonst eher schulisch geprägten Sendeplatz. Heute tragen Nostalgie, Wiederholungen und die als liebenswert empfundene Patina zu einem Fankreis und einem gewissen Kultstatus bei.

Begleitmaterial

Zur Serie erschienen 1974 drei kursbegleitende Lehrbücher bei der TR-Verlagsunion in München. Sie tragen den Titel Les Gammas! Les Gammas! und haben die ISBN-Nummern 3-8058-0551-9, 3-8058-0552-7 und 3-8058-0553-5.

Außerdem wird eine DVD genannt: Les Gammas! Les Gammas! Französischkurs mit allen 39 Folgen.

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