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La Llorona (Folklore)

La Llorona (deutsch: „Die Weinende“, „die Wehklagende“) ist eine Figur der lateinamerikanischen Folklore. Sie ist der Geist einer Frau, die um ihre Kinder immer …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee der Legende
  2. 2. Erscheinung und Lebensgeschichte
  3. 3. Verhalten des Geistes
  4. 4. Mögliche Ursprünge
  5. 5. Moderne Verwendung

Grundidee der Legende

La Llorona bedeutet auf Deutsch „Die Weinende“ oder „die Wehklagende“. Sie ist eine Figur der lateinamerikanischen Folklore und wird meist als Geist einer Frau beschrieben, die um ihre Kinder weint. Der Kern vieler Erzählungen lautet: Sie hat ihre Kinder in einem Fluss ertränkt; in anderen Varianten wurden sie und ihre Kinder von ihrem Mann ertränkt. Wenn La Llorona Menschen erscheint, meist in der Nähe von Flüssen, gilt sie gewöhnlich als Vorbotin des Todes.

Die Legende ist in vielen unterschiedlichen Fassungen verbreitet, besonders in Mexiko, aber auch in anderen Teilen Lateinamerikas. Die Figur ist bis heute populär und wird in Kunst, Horrorfilmen, Computerspielen, Gruselromanen und Jugendbüchern aufgegriffen.

Erscheinung und Lebensgeschichte

In den Legenden heißt die Frau oft Maria oder Rita. Sie wird als junge, sehr schöne Frau beschrieben. Augenzeugenberichte innerhalb der Erzählungen stellen sie meist als weiß gekleidete Dame dar, manchmal wie eine Braut. In düsteren Fassungen ähnelt sie zwar ebenfalls einer Braut, ist aber dürr wie ein Skelett und hat unheimlich glühende Augen.

Der gemeinsame Erzählkern beschreibt Maria oder Rita als Frau, die von vielen Freiern umworben wurde und davon träumte, einen schönen, reichen und mächtigen Mann zu heiraten und viele Kinder zu bekommen. Dieser Wunsch erfüllt sich zunächst, doch ihr Mann betrügt sie bald mit einer anderen Frau. Er verlässt das Herrenhaus, in dem er mit Maria lebt, unter dem Vorwand, Beruf oder Familie verlangten es von ihm. Währenddessen bekommt Maria mehrere Kinder; die genaue Anzahl ist je nach Version verschieden.

Als der Mann zurückkehrt, gesteht er seine Affären, oder Maria findet sie selbst heraus. Sie droht, ihn nicht gehen zu lassen und seine Affären bekannt zu machen. Er droht ihr daraufhin: Niemand werde einer „einfachen Frau“ glauben, das Haus gehöre ihm, und er werde ihr Haus und Kinder wegnehmen, wenn sie nicht schweige. Außerdem bedroht er die Kinder. Maria zerbricht an den Schikanen und der häuslichen Gewalt, verliert erst die Nerven und dann den Verstand. Nachdem sie gewarnt hat, sie werde die Kinder töten, wenn er sie weiter bedrohe, finden der Mann und seine Arbeiter am nächsten Morgen Frau und Kinder tot im nahen Fluss. In dieser Version hat Maria ihre Kinder mit bloßen Händen ertränkt und sich danach selbst in die Fluten gestürzt. Andere Versionen erzählen dagegen, dass der Mann sie und die Kinder ertränkt habe.

Verhalten des Geistes

La Llorona gilt in den Legenden als ambivalente Gestalt, also als Figur mit widersprüchlichen Zügen. Einerseits erscheint sie als verzweifelte Mutter, andererseits als gefährlicher Geist. Ihr von Rachsucht und Verzweiflung getriebener Geist soll untreuen Ehemännern nachstellen und sie töten.

In den Versionen, in denen sie ermordet wurde, ziehen Engel sie aus dem Fluss, und sie steigt in den Himmel auf. Dort verspricht Gott ihr Einlass, wenn sie ihre Kinder wiederfinden könne. Seitdem sucht sie unermüdlich nach ihnen. In den Versionen, in denen sie ihre Kinder selbst getötet hat, wird erzählt, sie sei auch als Geist wahnsinnig geworden, weil sie ihre Kinder nicht wiederfinden kann. Deshalb sei sie neidisch auf glückliche Familien und versuche, anderen Familien die Kinder wegzunehmen.

Daraus erklärt sich die Warnfunktion der Legende: In Mexiko und Mittelamerika werden Kinder und Jugendliche bis heute davor gewarnt, abends allein an Flussufern oder in dunklen, leeren Gassen zu spielen. La Llorona könne erscheinen und Kinder in den Fluss ziehen. Jungen Männern nähere sie sich manchmal mit der Frage: „Wo sind meine Kinder?“ Wer antworte: „Sie spielen noch im Fluss“, bringe sie dazu, dorthin zurückzukehren. Wer keine Auskunft geben könne, werde von ihr ertränkt. Eine Begegnung mit La Llorona soll in jedem Fall einen Fluch oder eine schwere Krankheit nach sich ziehen.

Mögliche Ursprünge

Die Legenden um La Llorona tauchten um 1550 in spanischen Besiedlungen in Mexiko und Mittelamerika auf, als Spanisch zunehmend zur Landessprache wurde. Schon damals gab es mehrere Varianten. Die Figur der „Weinenden Dame“ scheint der Urbevölkerung bereits länger bekannt gewesen zu sein, wurde aber erst ab dem frühen 16. Jahrhundert schriftlich festgehalten.

Als möglicher Einfluss gilt die aztekische Göttin Cihuacóatl, deren Name „Schlangenfrau“ bedeutet. Sie soll vom Himmel gestiegen sein, um bei der Erschaffung der Erde mitzuwirken. Nachdem die Menschen geschaffen waren, weinte sie jede Nacht, weil sie die Herzen aller Männer verschlingen wollte, um deren Liebe und Gunst zu gewinnen. Daraus entstand nach der Darstellung im Artikel der Brauch, junge Männer zu opfern und ihnen die Herzen zu entreißen. Auffällig sind Parallelen zu La Llorona: Cihuacóatl trägt weiße Gewänder, ihr Gesicht ist mit einem weißen Schleier bedeckt, und sie trägt einen schlanken Flechtkorb auf dem Rücken, in den sie entführte Kinder steckt. Wie La Llorona ertränkt auch sie Kinder in einem Fluss, allerdings Kinder, die sie zuvor entführt hat. Der Fluss gilt in aztekischen Mythen als Ort der Wiedergeburt.

Auch Cihuateotl, „Tote der Geborenen“, könnte die Legende beeinflusst haben. So heißen mächtige Totengeister von Müttern, die bei der Geburt ihres Kindes starben. Außerdem gibt es bei den Maya eine ähnliche Figur: Xtabay, eine rachsüchtige Naturgöttin, die in Wäldern leben soll. Sie sei dazu verdammt, immer nur Zwillinge zu gebären, und weine deswegen jede Nacht bitterlich. Wer ihr begegne, werde in einer bestimmten Nacht von ihr heimgesucht und getötet.

Moderne Verwendung

La Llorona ist nicht nur eine traditionelle Sagengestalt, sondern auch Teil moderner Subkultur. Sie erscheint in Romanliteratur, Drama- und Horrorfilmen sowie Jugendbüchern.

Beispiele aus der Literatur sind Ray John Arágons The Legend of La Llorona von 1980 und Gilbert Hernandez’ La Llorona: The Legend of the Crying Woman von 2000. Im Film erscheint die Figur unter anderem in Ramón Peóns La Llorona von 1933, in Jayro Bustamantes La Llorona von 2019 und im Horrorfilm Lloronas Fluch von Michael Chaves, ebenfalls aus dem Jahr 2019. Tehlor Kay Mejia verarbeitete die Legende 2020 in dem Jugendbuch Paola Santiago and the River of Tears.

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