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Kunstjahr 1924
Das Jahr 1924 gilt als Beginn der Goldenen Zwanziger Jahre in Deutschland. Einklappen. Kunstjahr 1924. Die Twin Towers des alten Wembley-Stadions 1924 …
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Überblick und internationale Großereignisse
Das Kunstjahr 1924 steht für wichtige Entwicklungen in Architektur, bildender Kunst und Surrealismus sowie für neue Künstlergruppen und Institutionen. Zugleich gilt 1924 als Beginn der Goldenen Zwanziger Jahre in Deutschland.
Vom 23. April bis zum 1. November besuchen rund 27 Millionen Menschen die British Empire Exhibition in Wembley bei London. Die Kolonialausstellung kostet £12 Millionen und wird als größte bis dahin weltweit inszenierte Ausstellung bezeichnet. Maxwell Ayrton entwirft das Projekt als Architekt, Owen Williams arbeitet als leitender Ingenieur. Die drei Hauptgebäude sind die Paläste der Industrie, der Technik und der Künste; der Palast der Technik ist damals das größte Stahlgebäude der Welt. Die meisten Hallen sind nur für eine begrenzte Nutzungsdauer bestimmt und werden später abgerissen. Das British Empire Exhibition Stadium bleibt jedoch auf Vorschlag von Baron James Stevenson erhalten. Noch 1924 findet dort das FA-Cup-Finale statt.
Vom 4. Mai bis zum 27. Juli werden während der VIII. Olympischen Sommerspiele in Paris fünf Kunstwettbewerbe veranstaltet: in Baukunst, Literatur, Malerei, Musik und Bildhauerkunst. Der Luxemburger Jean Jacoby gewinnt die Goldmedaille für Malerei.
Architektur und modernes Stadtbild
Am 20. Mai reicht Rudolf Steiner die Pläne für den Neubau des im Vorjahr abgebrannten Goetheanums in Basel ein. Die Genehmigung erfolgt am 9. September unter Auflagen und führt zu Protesten aus den Reihen des Heimatschutzes beider Basel.
Am 6. Juni wird in Höchst, heute ein Stadtteil von Frankfurt am Main, das Technische Verwaltungsgebäude der Farbwerke Hoechst eingeweiht. Der Bau stammt von Peter Behrens und gilt als Schlüsselwerk der Industriearchitektur.
Am 15. Dezember nimmt Berlin den Verkehrsturm am Potsdamer Platz in Betrieb. Er trägt die erste Verkehrsampel Deutschlands. Der Turm wird auf zahlreichen zeitgenössischen Bildern und Postkarten dargestellt und entwickelt sich rasch zu einem Sinnbild des modernen Berlins in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre.
Künstlergruppen, Ausstellungen und Preise
Am 31. März gründen Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Paul Klee und Alexej von Jawlensky auf Anregung von Galka Scheyer die Ausstellungsgemeinschaft Die Blaue Vier. Ihre ersten Ausstellungen finden vorwiegend im Umfeld des Bauhauses statt.
Im September gründen die Kunstsammler Otto Ralfs, Erich Scheyer, Hermann Querner jun. und weitere Beteiligte in Braunschweig die Gesellschaft der Freunde junger Kunst. Sie unterstützt besonders Künstler, die heute der Klassischen Moderne zugerechnet werden. Die erste Ausstellung der Gesellschaft wird am 16. November im Landesmuseum eröffnet.
Der australische Archibald Prize geht zum vierten Mal in Folge an William B. McInnes. Außerdem erhalten Michael Drobil, Gustav August Hessl, Oskar Laske und Emil Strecker den erstmals vergebenen Julius-Reich-Preis.
Surrealismus und sowjetische Avantgarde
André Breton veröffentlicht 1924 das Manifeste du Surréalisme. Darin definiert er den Surrealismus als einen „reinen psychischen Automatismus“. Mit dem Manifest wird Breton zum wichtigsten Theoretiker dieser geistigen Bewegung. Gemeinsam mit Pierre Naville und Benjamin Péret gründet er außerdem die Zeitschrift La Révolution surréaliste. Ihre erste Ausgabe erscheint am 1. Dezember; das Vorwort verfassen Jacques-André Boiffard, Paul Éluard und Roger Vitrac.
In der Sowjetunion löst die Regierung im Frühjahr das Moskauer Institut für künstlerische Kultur, kurz INChUK, auf. Als Nachfolgeinstitution entsteht in Leningrad das GINChUK, das Staatliche Institut für künstlerische Kultur, unter der Leitung von Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch. Dem Institut gehören bis 1926 mehrere Künstler der Russischen Avantgarde an.
Geborene und Gestorbene
1924 werden zahlreiche spätere Künstler, Architekten, Fotografen, Gestalter und Kunstvermittler geboren. Dazu zählen der Philosoph und Kunstkritiker Arthur C. Danto am 1. Januar, der Comiczeichner André Franquin am 3. Januar, der Bildhauer Eduardo Chillida am 10. Januar, die Künstlerin und Designerin Gloria Laura Vanderbilt am 20. Februar, der Grafiker und Bildhauer Eduardo Paolozzi am 7. März sowie der Galerist Otto van de Loo am 9. März.
Weitere Geburtsjahrgänge umfassen die Fotografin Elfriede Mejchar am 10. Mai, den Fotografen Chargesheimer am 15. Mai, den Maler Philip Pearlstein am 24. Mai, den Bildhauer Fritz Koenig am 20. Juni und den Kunsthistoriker Pontus Hultén am 21. Juni. In der zweiten Jahreshälfte werden unter anderem der Illustrator und Animator Gene Deitch am 8. August, der Architekt Ludwig Leo am 2. September, der Künstler Lucebert am 15. September, der Maler und Kunsttheoretiker Enrico Baj am 31. Oktober, die Fotografen Robert Häusser am 8. November und Robert Frank am 9. November sowie der Architekt John Portman am 4. Dezember geboren.
Zu den 1924 Verstorbenen gehören der Architekt Carl Zaar am 16. Januar, der post-impressionistische Aquarellist Maurice Prendergast am 1. Februar, die Mäzenatin Mathilde von Rothschild am 8. März und der Architekt Louis Sullivan am 14. April. Am 11. August stirbt der Architekt Franz Schwechten, am 19. August Ferdinand Cheval, der Erbauer des „Palais idéal“. Der Maler Hans Thoma stirbt am 7. November, die Malerin Dora Hitz am 20. November und der russisch-französische Maler sowie Bühnen- und Kostümbildner Léon Bakst am 27. Dezember.