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Kastell Kapersburg
Das ehemalige römische Limes-Kastell Kapersburg im Taunus gehört zu den am besten erhaltenen römischen Militäranlagen des Obergermanisch-Rätischen Limes.
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Kern, Lage und Geschichte
Das Kastell Kapersburg war eine römische Militäranlage am Obergermanisch-Rätischen Limes im Taunus. Es gehört zu den am besten erhaltenen römischen Militäranlagen dieses Limesabschnitts. Die Anlage diente der Stationierung eines Numerus, also einer kleineren römischen Truppeneinheit, und kontrollierte wahrscheinlich Verkehrswege über den Taunuskamm in das Usinger Becken. Das Kastell wurde vermutlich kurz nach der Mitte des 3. Jahrhunderts im Rahmen des Limesfalls kampflos aufgegeben.
Kapersburg liegt gut zwei Kilometer südwestlich des Steinkopfs an der westlichen Grenze des Wetteraukreises zum Hochtaunuskreis. Die nächsten Ortschaften sind Pfaffenwiesbach, ein Ortsteil von Wehrheim, und Ober-Rosbach, ein Ortsteil von Rosbach vor der Höhe; sie liegen zweieinhalb beziehungsweise dreieinhalb Kilometer entfernt. Das Kastell befindet sich auf 425 m ü. NHN bei 50° 18′ 47″ N, 8° 38′ 8,4″ O. Der Limes verläuft etwa 60 Meter westlich. In der Umgebung wurde bereits in römischer Zeit Forstwirtschaft betrieben. Direkt neben dem Kastell liegt heute das Munitionsdepot Köppern.
Die Anlage entstand frühestens in trajanischer Zeit, also ab 98 n. Chr., möglicherweise aber erst um 130. Die Münzreihe deutet sogar auf einen Beginn erst um die Mitte des 2. Jahrhunderts hin. Als möglicher Vorläufer gilt das Kleinkastell Ockstädter Wald. Um die Mitte des 3. Jahrhunderts wurde wahrscheinlich ein Teil der Besatzung abgezogen. In dieser sogenannten Reduktionsphase wurde die Anlage verkleinert: Die verbliebene Einheit konzentrierte sich auf das nordöstliche Viertel um den Getreidespeicher, während die äußere Wallanlage verfiel. Anstelle der früheren Halle der Principia entstand ein kleiner quadratischer, beheizbarer Steinbau, vermutlich die Unterkunft des Centurios. Eine Mauer zwischen diesem Bau und dem Nordtor schloss den weiter genutzten Bereich ab.
Das Ende fällt in die innen- und außenpolitische sowie wirtschaftliche Krise des Römischen Reiches um die Mitte des 3. Jahrhunderts. Hinweise auf eine gewaltsame Zerstörung gibt es nicht. Als Schlussmünze wurde ein Antoninian des Postumus gefunden; außerdem kam im nördlichen Turm des Osttores ein Antoninian des Gallienus zutage, geprägt 255/56 n. Chr.
Bauphasen und Aufbau des Kastells
Archäologisch lassen sich drei Bauphasen unterscheiden:
- Das erste Holz-Erde-Kastell entstand gegen Ende des 1. Jahrhunderts und umfasste ungefähr 0,8 ha.
- Gegen die Mitte des 2. Jahrhunderts, in späthadrianischer oder antoninischer Zeit, wurde eine Anlage mit einer Umwehrung aus Trockenmauerwerk und einer Fläche von rund 1,3 ha errichtet.
- Gegen Ende des 2. Jahrhunderts ersetzte ein Kastell mit Mörtelmauer und gut 1,6 ha Fläche den Vorgängerbau.
Die heute sichtbaren Mauerzüge gehören zur letzten Ausbauphase. Das rechteckige Lager war 134 × 122 Meter groß, hatte abgerundete Ecken und vier Tore. Die Nordwestecke war als einzige Kastellecke mit einem Turm bewehrt. Die gesamte Umwehrung wurde von einem einfachen Spitzgraben umgeben. Das Haupttor, die Porta praetoria, war nicht zum nahe gelegenen Limes, sondern nach Norden auf das Kleinkastell Ockstädter Wald ausgerichtet. Bis auf die Porta decumana, das rückwärtige Tor, besaßen alle Tore Doppeltürme.
Die Nord-Süd-Achse war asymmetrisch nach Westen verschoben. Ursache war, dass man bei den Erweiterungen die Via praetoria und die Via principalis der älteren, kleineren Kastelle beibehielt. Das Lager wuchs dadurch vor allem einseitig nach Südosten.
Im verschobenen Zentrum lagen die Principia, das Stabsgebäude. Sichtbar sind heute vor allem die Fundamente des Fahnenheiligtums, der Aedes, sowie einiger Schreibstuben am Südrand. Die Principia besaßen außerdem eine Halle, die sich über die Via principalis erstreckte, und Nebengebäude wie eine Waffenkammer. Sie waren zunächst in Fachwerkbauweise errichtet worden; die heute sichtbaren Steinfundamente stammen aus einer späteren Ausbauphase. In der Spätphase wurden der nördliche und östliche Teil abgerissen und überbaut. Das Fahnenheiligtum blieb wahrscheinlich bis zum Ende in Gebrauch, worauf der Fund einer Geniusstatue aus dem 3. Jahrhundert hinweist.
Im Nordosten lagen die Reste des Horreums, also des Getreidespeichers, und des Praetoriums, des Wohnhauses des Kommandanten. Das sichtbare Horreum wurde 208 oder 209 über dem abgerissenen ursprünglichen Praetorium errichtet. Weitere Mauerreste gehören vermutlich zum Bad des Kommandanten. Die übrigen Innenbauten bestanden wahrscheinlich aus Fachwerk und sind heute nicht mehr sichtbar.
Garnison und religiöser Fund
Als Besatzung ist ein Numerus nachgewiesen. Sein Beiname ist mit Ausnahme des Anfangsbuchstabens N unbekannt. Lange wurde aufgrund einer Vermutung von Louis Jacobi und anderen Forschern angenommen, die Einheit habe Numerus Nidensium geheißen und sei in Nida, dem heutigen Frankfurt-Heddernheim, rekrutiert worden. Marcus Reuter widersprach dieser Deutung: Numeri wurden üblicherweise nach ihrem Stationierungsort und nicht nach ihrem Rekrutierungsort benannt. Außerdem sei die Auflösung entsprechender Inschriften aus Kapersburg zu Nidensium nicht überzeugend. Die Kontroverse ist bislang nicht entschieden.
Der etwa 150 Mann starke Numerus wurde durch eine kleine Reiterabteilung, die Veredarii, verstärkt. Zu dieser berittenen Truppe passt der Fund eines Epona-Reliefs mit Inschrift. Epona war eine mit Pferden verbundene Gottheit; das Relief befindet sich heute im Wetterau-Museum.
Kastellbad und Lagerdorf
Zwischen Kastell und Limes liegen die sehr gut erhaltenen Fundamente des Kastellbades. Es wurde spätestens in der Mitte des 2. Jahrhunderts errichtet und ist ein Beispiel für die einachsige römische Thermenarchitektur, den sogenannten Reihentyp. Die Räume waren in der Reihenfolge des Badeablaufs angeordnet und auf das Westtor des Kastells ausgerichtet.
Das Apodyterium, der Umkleideraum, bestand wahrscheinlich aus Fachwerk und ist nicht erhalten. Konserviert sind die Strukturen des Frigidariums, also des Kaltbades, von zwei Tepidarien, den Laubädern, eines Caldariums, des Warmbades, und eines Sudatoriums, des Schwitzbades. Dadurch lässt sich der Aufbau eines römischen Bades besonders gut nachvollziehen. Drei Praefurnien, also Befeuerungsstellen, versorgten die Anlage mit Energie. Bis auf das Apodyterium und das Frigidarium wurden alle Räume durch Hypokausten beheizt; dabei handelt es sich um eine Heizung, bei der warme Luft unter dem Fußboden und in den Wänden zirkulierte. Das Wasser kam aus einer nahe gelegenen Quelle, die noch vorhanden ist.
Rund um das Kastell konnten außerdem ein weitläufiger Vicus, also ein Lagerdorf, und ein Gräberfeld lokalisiert werden. Ihre vollständigen Ausmaße sind jedoch nicht bekannt. Der Schwerpunkt des Vicus lag östlich des Kastells in Richtung des Berges Saukopf. Die Überreste sind im Gelände nur mit geschultem Auge zu erkennen.
Erforschung, Schutz und Umgebung
Das Kastell wurde 1482 erstmals urkundlich als Karpesserburgk erwähnt. Archäologische Untersuchungen fanden 1879 bis 1881 statt. Die systematische wissenschaftliche Erforschung übernahm die Reichs-Limeskommission 1896/97, 1901 und 1905. Weitere Freilegungs- und Konservierungsarbeiten folgten von 1906 bis 1914. Im Zusammenhang mit der Anerkennung des Obergermanisch-Rätischen Limes als UNESCO-Welterbe wurde das Kastell 2005 vollständig restauriert und in einen Archäologischen Park umgewandelt.
In römischer Zeit war Kapersburg über den Limesweg sowie über Köppern und Ober-Rosbach aus der Civitas Taunensium erreichbar. Von hier aus konnte der Verkehr über den Taunuskamm kontrolliert werden. Ein alter Handelsweg aus Südosten heißt heute „Hühnerpfad“, in Köppern „Im Hahnereck“; dies könnte auf eine vorrömische Nutzung hindeuten.
Nördlich schließen am gut erhaltenen Limesverlauf weitere Anlagen an. Das etwa 700 Meter nördlich gelegene Kleinkastell Ockstädter Wald war ein rund 0,2 ha großes, eintoriges Holzkastell mit einfachem Graben. Sein Tor war nach Südosten und damit vom Limes weg ausgerichtet. Es wurde nur kurze Zeit genutzt; möglicherweise war dort zunächst die Einheit stationiert, die später Kapersburg errichtete. Nach der Aufgabe entstand an dieser Stelle ein Wachturm, von dem eine Holz- und zwei Steinbauphasen nachgewiesen wurden. Die zweite Steinturmstelle besitzt einen möglicherweise sehr seltenen sechseckigen Grundriss.
Gut zwei Kilometer weiter lag das Kleinkastell Kaisergrube mit rund 730 m² Fläche. Dort sind eine Holz- und eine Steinbauphase bekannt. Ein neuzeitliches Bergwerk beschädigte die Anlage, sie ist im Gelände aber noch erkennbar. Auf dem Gaulskopf steht schließlich der 1926 rekonstruierte steinerne Wachturm Auf dem Gaulskopf (Wp 4/16). Er gilt als einer der am besten rekonstruierten Limeswachtürme. Der antike Turm war sicher verputzt und vermutlich etwas höher als die Rekonstruktion.
Kapersburg und die umliegenden Limesanlagen gehören seit 2005 zum UNESCO-Welterbe und sind zugleich Bodendenkmale nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz. Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden benötigen eine Genehmigung; Zufallsfunde müssen den Denkmalbehörden gemeldet werden. Funde aus den Grabungen werden im Wetterau-Museum in Friedberg ausgestellt. Das Kastell gehört zur Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen.