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Joachim Lucchesi
Joachim Lucchesi (* 28. Januar 1948 in Brandenburg an der Havel) ist ein deutscher Musikwissenschaftler. Zu seinen Fachgebieten gehört die Musikgeschichte …
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Person und Fachgebiete
Joachim Lucchesi, geboren am 28. Januar 1948 in Brandenburg an der Havel, ist ein deutscher Musikwissenschaftler. Er erforscht vor allem die Musikgeschichte vom 17. bis zum 21. Jahrhundert.
Weitere Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Sozial- und Rezeptionsgeschichte der Musik, also ihre gesellschaftlichen Bedingungen und ihre Aufnahme durch das Publikum, sowie die musikalische Interpretationsgeschichte. Außerdem beschäftigt er sich mit der Medien- und Technikgeschichte der Musik, Musikästhetik, Musikphilosophie, der Geschichte der Musiktherapie sowie der Theater- und Literaturgeschichte.
Ausbildung und wissenschaftliche Laufbahn
Lucchesi studierte Musikwissenschaft und Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Dort promovierte er 1978 zum Dr. phil. im Fach Musikwissenschaft. Seine Dissertation behandelte die Funktion und Geschichte der zeitgenössischen Schauspielmusik sowie Aspekte ihrer praktischen Verwendung.
Von 1976 bis 1996 arbeitete und publizierte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Musik der Akademie der Künste Berlin. 1996 und 1997 übernahm er zwei vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) geförderte Gastprofessuren in den USA: an der University of Connecticut in Storrs und an der University of Wisconsin–Madison.
Von 2000 bis 2003 war Lucchesi wissenschaftlicher Redakteur des „Brecht-Handbuchs“ am Institut für Literaturwissenschaft der Universität Karlsruhe, Arbeitsstelle Bertolt Brecht. In den Jahren 2004 und 2005 vertrat er eine Professur für Historische Musikwissenschaft an der Hochschule Magdeburg-Stendal in Magdeburg.
Lehre, Forschung und Funktionen
Seit 1992 unterrichtet Lucchesi als Lehrbeauftragter an Hochschulen im In- und Ausland. Dazu gehören unter anderem die Technische Universität Berlin, die Alice Salomon Hochschule Berlin, die Stanford University im Overseas Studies Program Berlin, die Universidade Federal de Minas Gerais in Belo Horizonte, die Universität Karlsruhe, die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg, die Hochschule Magdeburg-Stendal und die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.
2008 war er Gastprofessor an der Waseda University Tokyo. Von 2008 bis 2013 führte er gemeinsam mit der Universität Osaka ein interkulturelles deutsch-japanisches Forschungsprojekt über Musik und Theater im 20. Jahrhundert durch.
Seit 2011 ist Lucchesi künstlerische Lehrkraft für Musikgeschichte an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin. Dort arbeitet er an einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Edition der Briefe des Dirigenten Hermann Scherchen. 2012 verlieh ihm die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg den Titel eines Honorarprofessors.
Lucchesi ist außerdem Mitglied des Präsidiums der Kurt-Weill-Gesellschaft in Dessau und gehört deren Wissenschaftlichem Beirat an.
Ausgewählte Veröffentlichungen
Lucchesis Veröffentlichungen spiegeln seine Forschung zu Musik-, Theater- und Exilgeschichte sowie zu Bertolt Brecht, Kurt Weill und Hermann Scherchen wider. Er war Mitautor von „Musik bei Brecht“ (1988) und Mitherausgeber der „Studien zur Berliner Musikgeschichte. Musikkultur der zwanziger Jahre“ (1989), der „Kurt-Weill-Studien“ (1996) und von „Emigrierte Komponisten in der Medienlandschaft des Exils 1933–1945“ (1998).
Als Herausgeber veröffentlichte er 1991 „Hermann Scherchen. Werke und Briefe in 8 Bänden. Schriften 1“ mit einem einleitenden Essay und Kommentar. Die Edition wurde 1992 wegen der Schließung des Verlags abgebrochen. Weitere von ihm herausgegebene Bücher sind „Das Verhör in der Oper“ (1993) und Bertolt Brechts „Die Dreigroschenoper. Der Erstdruck 1928“ (2004).
Laufende Editionsprojekte
Zu Lucchesis laufenden Projekten gehören zwei Quelleneditionen. Für den Schott-Verlag in Mainz gibt er unter dem Titel „Hermann Scherchen. Briefe des Dirigenten 1912–1966“ Briefe Scherchens heraus. Für den Suhrkamp Verlag in Frankfurt am Main arbeitet er als Herausgeber an Bertolt Brechts „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny. Der Erstdruck 1929“.