Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Jespersen-Zyklus

Der Jespersen-Zyklus beschreibt die geschichtliche Entwicklung eines Verneinungsausdrucks von einer einfachen, dem Verb vorangestellten Markierung der …

Inhalt2 Abschnitte
  1. 1. Grundidee des Jespersen-Zyklus
  2. 2. Wiederholung, Kritik und Beispiel

Grundidee des Jespersen-Zyklus

Der Jespersen-Zyklus ist ein Modell der historischen Linguistik. Es beschreibt, wie sich Verneinungspartikeln, also Wörter oder Wortteile zum Ausdrücken einer Verneinung, im Sprachwandel entwickeln können. Das Modell wurde 1917 vom dänischen Linguisten Otto Jespersen in seinem Buch „Negation in English and Other Languages“ dargestellt. Die Bezeichnung „Jespersen-Zyklus“ prägte der schwedische Linguist Östen Dahl 1979.

Ausgangspunkt ist eine einfache Verneinungsmarkierung vor dem Verb. Diese ursprüngliche negative Partikel wird abgeschwächt und als nicht mehr ausreichend empfunden. Deshalb wird sie meist durch ein zusätzliches Wort verstärkt. Zunächst steht die Verneinungsmarkierung dann nicht zusammenhängend: Ein Teil befindet sich vor, ein anderer nach dem Verb. Später kann der vorangestellte Teil verlorengehen; der hinzugefügte Teil wird nun als die eigentliche Verneinung verstanden.

Wiederholung, Kritik und Beispiel

Nach Jespersen kann der Vorgang erneut beginnen: Auch die neu entstandene Verneinung kann mit der Zeit abgeschwächt und wieder verstärkt werden. Deshalb nannte Dahl ihn einen „Zyklus“. Bereits Antoine Meillet hatte eine ähnliche Beobachtung gemacht und dafür das Bild einer „Spirale“ verwendet.

Die Bezeichnung „Zyklus“ wird kritisiert. Denn Bestandteile eines Verneinungsausdrucks, die im Verlauf dieser Entwicklung eine negative Bedeutung erhalten, verlieren diese Bedeutung in der Regel nicht wieder.

Ein deutsches Beispiel ist die Negationspartikel „nicht“. Sie entstand durch Klitisierung, also durch das enge Anlehnen und Zusammenwachsen, der althochdeutschen eigenständigen Wörter „ne“ und „wicht“. Im Sprachwandel fielen sie zu einem Wort mit neuerer, abstrakterer Semantik, also Bedeutung, zusammen. Als Vergleich wird englisch „nothing“ beziehungsweise „no-thing“ genannt.

Heute ist der Jespersen-Zyklus besonders im Zusammenhang mit der Grammatikalisierungs-Theorie wichtig. Diese befasst sich mit der Entwicklung sprachlicher Einheiten zu grammatischen Formen.

Weiterlesen