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Jan Plamper

Seine Forschungsgebiete waren unter anderem Osteuropäische Geschichte, Emotionsgeschichte, Sinnesgeschichte und Migrationsgeschichte. Jan Plamper bei der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ausbildung und akademischer Weg
  3. 3. Forschungsaufenthalte und persönliches Leben
  4. 4. Wichtige Veröffentlichungen
  5. 5. Herausgegebene Werke
  6. 6. Literatur und weitere Hinweise

Überblick

Jan Plamper (* 23. März 1970 in Laichingen; † 30. November 2023 in Berlin) war ein deutscher Historiker. Zuletzt war er Professor für Geschichte an der University of Limerick. Seine wichtigsten Forschungsgebiete waren Osteuropäische Geschichte, Emotionsgeschichte, Sinnesgeschichte und Migrationsgeschichte.

Für Schülerinnen und Schüler ist an Plampers Arbeit vor allem wichtig, dass er Geschichte nicht nur als Abfolge politischer Ereignisse verstand, sondern auch nach Kulturen, Gefühlen, Sinneserfahrungen, Machtbildern und Migration fragte. Besonders bekannt wurde seine Studie über den Bilderkult um Josef Stalin, die unter dem Titel „Alchimija wlasti“ in Russland ein Bestseller wurde.

Ausbildung und akademischer Weg

Plamper machte 1989 Abitur am Uhland-Gymnasium Tübingen. 1992 schloss er an der Brandeis University einen Bachelor of Arts in Geschichte ab. Danach leistete er bis 1994 mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste einen Anderen Dienst in der offenen Altenarbeit bei Memorial in St. Petersburg.

2001 wurde er an der University of California, Berkeley in Geschichte promoviert. Sein Doktorvater war Yuri Slezkine; die Arbeit behandelte den Personenkult Josef Stalins. Ein Personenkult ist die überhöhte Verehrung einer politischen Führungsperson, oft mithilfe von Bildern, Ritualen und öffentlicher Darstellung.

Von 2001 bis 2008 war Plamper Wissenschaftlicher Assistent bei Dietrich Beyrau am Institut für Osteuropäische Geschichte der Eberhard Karls Universität Tübingen. Von 2008 bis 2012 war er Dilthey Fellow der Fritz Thyssen Stiftung in Ute Freverts Forschungsbereich Geschichte der Gefühle am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Von 2012 bis 2021 war er Professor für Geschichte am Goldsmiths College der University of London. Dort initiierte er MA-Programme in Queerer und Schwarzer britischer Geschichte.

Forschungsaufenthalte und persönliches Leben

Plamper war Förderstipendiat am Historischen Kolleg in München. Außerdem war er Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin, am Imre Kertész Kolleg Jena und am Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald.

Er war der Bruder des Hörspielmachers Paul Plamper. In zweiter Ehe war er mit der Animationskünstlerin Evgenia Gostrer verheiratet. Jan Plamper starb am 30. November 2023 im Alter von 53 Jahren in Berlin an Krebs.

Wichtige Veröffentlichungen

Zu Plampers Monographien, also wissenschaftlichen Einzelwerken eines Autors, gehören drei besonders genannte Bücher:

  • „The Stalin Cult: A Study in the Alchemy of Power“, erschienen 2012 bei Yale University Press in New Haven CT u. a.
  • „Geschichte und Gefühl: Grundlagen der Emotionsgeschichte“, erschienen 2012 bei Siedler in München. Emotionsgeschichte untersucht, wie Gefühle in verschiedenen Zeiten verstanden, ausgedrückt und gesellschaftlich geprägt wurden.
  • „Das neue Wir. Warum Migration dazugehört: Eine andere Geschichte der Deutschen“, erschienen 2019 bei S. Fischer in Frankfurt am Main. Das Buch behandelt Migration als Teil deutscher Geschichte.

Herausgegebene Werke

Neben eigenen Monographien gab Plamper mehrere wissenschaftliche Sammelbände und Themenhefte heraus. Dazu gehörten Arbeiten zu Personenkulten im Stalinismus, zu Wissenschaftskulturen im internationalen Vergleich, zu Gefühlen in russischer Geschichte und Kultur sowie zu Angst über Fachgrenzen hinweg.

Genannt werden unter anderem „Personality Cults in Stalinism – Personenkulte im Stalinismus“ mit Klaus Heller (2004), „Emotional Turn? Feelings in Russian History and Culture“ in der „Slavic Review“ (2009), „Fear Beyond the Disciplines“ mit Benjamin Lazier (2010) und „Fear: Across the Disciplines“ mit Benjamin Lazier (2012). Diese Titel zeigen, dass Plamper Themen wie Stalinismus, Gefühle und Angst in internationalen und interdisziplinären Zusammenhängen untersuchte.

Literatur und weitere Hinweise

Als Literatur über Jan Plamper nennt der Artikel einen Nachruf von Juliane Fürst: „Jan Plamper (1970–2023). Nachruf“, erschienen in den „Jahrbüchern für Geschichte Osteuropas“, Band 71 (2023), Nr. 4, S. 723f.

Die Weblinks verweisen auf eine Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien zu Jan Plamper, auf Literatur von und über ihn im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek, auf ein Deutschlandfunk-Kulturfragen-Gespräch vom 21. Juli 2019 unter dem Titel „Menschen haben viele Zugehörigkeiten“ sowie auf einen Nachruf der Universität Tübingen vom 5. Dezember 2023. Die Fußnoten enthalten Normdaten zur Person, darunter GND: 142848654, LCCN: n2005034721 und VIAF: 274468663.

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