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Ute Frevert

Ihre Forschungsgebiete sind Neuere und Neueste Geschichte sowie Sozial- und Geschlechtergeschichte. Von Januar 2008 bis 2024 war sie Direktorin des …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Person und Forschungsprofil
  2. 2. Ausbildung und akademische Laufbahn
  3. 3. Auszeichnungen und Ehrungen
  4. 4. Wichtige Schriften und Themen
  5. 5. Herausgegebene Werke

Person und Forschungsprofil

Ute Frevert (* 10. Juni 1954 in Schötmar) ist eine deutsche Historikerin. Ihre Forschungsgebiete sind die Neuere und Neueste Geschichte sowie die Sozial- und Geschlechtergeschichte. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Untersuchung, wie gesellschaftliche Ordnungen, politische Entwicklungen und historische Erfahrungen mit Geschlechterverhältnissen und Gefühlen zusammenhängen.

Von Januar 2008 bis 2024 war Frevert Direktorin des Forschungsbereiches „Geschichte der Gefühle“ am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Dieser Forschungsbereich untersucht Gefühle als historische Erscheinungen: Gefühle werden dabei nicht nur als persönliche Empfindungen verstanden, sondern auch als Teil gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen. Seit dem 1. März 2023 ist Frevert für einen Turnus von vier Jahren Präsidentin der Max Weber Stiftung.

Ausbildung und akademische Laufbahn

Frevert studierte von 1971 bis 1977 Geschichte und Sozialwissenschaft an den Universitäten Münster und Bielefeld sowie an der London School of Economics and Political Science. 1982 wurde sie an der Universität Bielefeld bei Jürgen Kocka zum Dr. phil. promoviert. Ihre Dissertation behandelte Krankheit als politisches Problem und die soziale Lage von Unterschichten in Preußen zwischen 1770 und 1880. 1989 habilitierte sie sich.

Anschließend war sie an mehreren Hochschulen und Forschungseinrichtungen tätig. 1991/1992 war sie Professorin für Neuere Geschichte an der Freien Universität Berlin, von 1992 bis 1997 Professorin an der Universität Konstanz und ab 1997 Professorin für Allgemeine Geschichte an der Universität Bielefeld. Von 2003 bis 2007 lehrte sie als Professorin für Deutsche Geschichte an der Yale University. Seit dem Wintersemester 2008/2009 ist sie Honorarprofessorin am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin und seit 2008 Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft.

Frevert war außerdem Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin (1989/1990 und 2004/2005) sowie am Center for Advanced Study in the Behavioral Sciences der Stanford University (2000/2001). Weitere Gastprofessuren führten sie 1997 an die Hebräische Universität Jerusalem, 2002 an das Dartmouth College in New Hampshire und 2003 an das Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien sowie an die Maison des Sciences de l’Homme in Paris. Frevert ist verheiratet und hat drei Kinder.

Auszeichnungen und Ehrungen

Frevert erhielt 1998 den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis. 2004 wurde sie Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, 2009 Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und 2013 Mitglied der British Academy. 2016 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Es folgten 2018 die Ehrendoktorwürde der Universität Tampere in Finnland sowie 2020 der Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Ernst-Hellmut-Vits-Preis.

Wichtige Schriften und Themen

Als Autorin befasst sich Frevert mit politischen, sozialen und kulturellen Formen der modernen Geschichte. Ihre Dissertation erschien 1984 unter dem Titel „Krankheit als politisches Problem 1770–1880“. In „Frauen-Geschichte“ (1986) und „Mann und Weib und Weib und Mann“ (1995) untersucht sie Geschlechterverhältnisse und Geschlechterdifferenzen in der Moderne. „Ehrenmänner“ (1991) behandelt das Duell in der bürgerlichen Gesellschaft. „Die kasernierte Nation“ (2001) untersucht Militärdienst und Zivilgesellschaft in Deutschland.

Weitere Themen sind deutsche Vergangenheiten nach 1945, europäische Vorstellungen im 19. und 20. Jahrhundert, Vertrauen, Vergänglichkeit, Macht und Ohnmacht, Demütigung sowie das Verhältnis von Kapitalismus, Märkten und Moral. Zu diesen Themen gehören unter anderem „Geschichtsvergessenheit – Geschichtsversessenheit“ (1999, mit Aleida Assmann), „Eurovisionen“ (2003), „Vertrauensfragen“ und „Vergängliche Gefühle“ (beide 2013), „Die Politik der Demütigung“ (2017) und „Kapitalismus, Märkte und Moral“ (2019).

Besonders wichtig ist die historische Erforschung von Gefühlen. Gemeinsam mit weiteren Autorinnen und Autoren gab Frevert 2011 „Gefühlswissen“ heraus, eine lexikalische Spurensuche in der Moderne. 2019 veröffentlichte sie mit Bettina Frevert den Ausstellungskatalog „Die Macht der Gefühle. Deutschland 19|19“. In „Mächtige Gefühle“ (2020) beschreibt sie deutsche Geschichte seit 1900 anhand von Gefühlen wie Angst und Zuneigung.

Herausgegebene Werke

Als Herausgeberin beschäftigte sich Frevert unter anderem mit Geschlechterverhältnissen im 19. Jahrhundert, dem Verhältnis von Militär und Gesellschaft sowie mit Menschenbildern des 19. und 20. Jahrhunderts. Dazu zählen „Bürgerinnen und Bürger“ (1988), „Militär und Gesellschaft im 19. und 20. Jahrhundert“ (1997), „Der Mensch des 19. Jahrhunderts“ und „Der Mensch des 20. Jahrhunderts“ (beide 1999).

Weitere herausgegebene Werke behandeln europäische Zukunftsentwürfe um 1900, Körpergeschichte, historische Annäherungen an Vertrauen, politische Sprachen und Medien, neue Politikgeschichte sowie den Einfluss der Vergangenheit. Genannt werden „Das neue Jahrhundert“ (2000), „Körpergeschichte“ (2000), „Vertrauen. Historische Annäherungen“ (2003), „Sprachen des Politischen“ (2004, mit Wolfgang Braungart), „Neue Politikgeschichte“ (2005, mit Heinz-Gerhard Haupt), „Geschichte bewegt“ (2006) und „Moral economies“ (2019).

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