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Isle of Wight Festival
Isle of Wight Festival steht für drei Rock-Festivals in den Jahren 1968, 1969 und 1970 – aber auch für eine Reihe neuerer Musik-Veranstaltungen ab dem Jahr 2002 …
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Überblick
Das Isle of Wight Festival bezeichnet einerseits drei Rock-Festivals der Jahre 1968, 1969 und 1970 und andererseits eine Reihe neuerer Musikveranstaltungen ab 2002. Alle fanden auf der Isle of Wight statt, einer Insel südlich vor dem britischen Festland. Besonders bekannt wurde das Festival von 1970, das als größtes und chaotischstes der frühen Festivals gilt. Es wurde oft als „Europas Woodstock“ bezeichnet.
Für das Verständnis ist wichtig: Das Festival entwickelte sich innerhalb weniger Jahre von einer Veranstaltung mit etwa 20.000 Besuchern zu einem möglichen Rekordereignis der Rockmusik. Nach einer Pause von 32 Jahren wurde es 2002 wiederbelebt. Seitdem findet es im Seaclose Park außerhalb von Newport statt; dieses heutige Gelände hat nichts mehr mit den früheren Orten zu tun.
Die frühen Festivals 1968 und 1969
Das erste Isle of Wight Festival fand am 31. August und 1. September 1968 auf dem Hell Field der Ford Farm bei Godshill statt. Es hatte etwa 20.000 Besucher. Zu den genannten Attraktionen gehörten unter anderem Jefferson Airplane, Fairport Convention, The Move, The Pretty Things, Smile, T. Rex feat. John Peel und The Crazy World of Arthur Brown.
Das zweite Festival fand am 30. und 31. August 1969 statt und war bereits deutlich größer. Die Besucherzahl wird mit etwa 150.000 angegeben. Das Programm war im Rückblick sehr prominent besetzt. Genannt werden unter anderem The Band, Joe Cocker, Bob Dylan, Richie Havens, The Moody Blues, The Pretty Things und The Who. Damit zeigte sich schon vor 1970, dass das Festival zu einem wichtigen Treffpunkt der Rock- und Popmusik geworden war.
Das Festival von 1970
Das Festival von 1970 fand vom 26. bis zum 30. August auf dem Gelände der East Afton Farm statt. Es war mit Abstand das größte Isle of Wight Festival und zugleich das chaotischste. Vermutlich profitierte es von den Informationen über das damals bereits legendäre Woodstock-Festival aus dem Vorjahr. Im Guinness-Buch der Rekorde wurde geschätzt, dass zwischen 600.000 und 700.000 Menschen teilnahmen. Genaue Zahlen gibt es jedoch nicht, weil das Gelände so lag, dass auch nicht zahlende Zuschauer das Musikprogramm von nahe gelegenen Dünenkämmen aus noch verfolgen konnten. Aufgrund zusätzlich verkaufter Fährpassagen zur Insel wird angenommen, dass das IoW-Festival 1970 vielleicht das bestbesuchte Festival in der Geschichte der Rockmusik gewesen sein könnte.
Ein wichtiger Konflikt entstand durch Zuschauer aus der sogenannten Desolation Row, dem Gelände unmittelbar hinter dem doppelten Sichtschutzzaun. Einige verlangten, die Veranstaltung zu einem free festival mit Gratis-Einlass zu erklären. Die Veranstalter hielten zunächst am Eintrittspreis von 3 Pfund fest, weil sie die Kosten noch nicht gedeckt hatten, also den „point of break even“ noch nicht erreicht hatten. Erst am letzten Tag wurden die Kassen geschlossen und freier Einlass für alle gewährt. Moderator Ricky Farr bat von der Bühne aus um Friedfertigkeit und darum, die Zäune nicht weiter zu zerstören; zugleich sprach er bereits von einem finanziellen Fiasko.
Diese Ereignisse werden im Dokumentarfilm Message to Love (1997) von Murray Lerner ausführlich behandelt. Der Veranstalter Ray Foulk kritisierte in seinem 2016 erschienenen Buch The Last Great Event – with Jimi Hendrix & Jim Morrison jedoch wiederholt Lerners erst 27 Jahre später entstandene, von ihm als „manipulierte Sichtweise“ bezeichnete Darstellung. Die einzige Gruppe, die zwar vor Ort war, wegen mehrfacher Verzögerungen aber nicht auftreten konnte, war Mungo Jerry. Neben dem offiziellen Festival gab es außerdem eine Alternativ-Veranstaltung mit Hawkwind und Pink Fairies.
Programm und prägende Auftritte 1970
Das offizielle Programm von 1970 erstreckte sich über fünf Tage. Am 26. August traten unter anderem Judas Jump, Kathy Smith, Rosalie Sorrels, David Bromberg, Redbone, Kris Kristofferson und Mighty Baby auf. Am 27. August folgten Gary Farr, Supertramp, Black Widow, Groundhogs, Terry Reid und Gilberto Gil.
Am 28. August spielten unter anderem Taste, Tony Joe White, Chicago, Family, Procol Harum, The Voices of East Harlem und Cactus. Der 29. August brachte besonders viele bekannte Namen: John B. Sebastian, Joni Mitchell, Tiny Tim, Miles Davis, Ten Years After, Emerson, Lake and Palmer, The Doors, The Who, Sly & the Family Stone und Melanie. Am 30. August traten unter anderem Kris Kristofferson, Ralph McTell, Free, Donovan, Pentangle, The Moody Blues, Jethro Tull, Jimi Hendrix, Joan Baez, Leonard Cohen und Richie Havens auf.
Das Programm zeigt, warum gerade 1970 als Kernereignis des Isle of Wight Festival gilt: Es verband große Rockbands, Singer-Songwriter, Jazz und verschiedene Pop- und Folk-Einflüsse in einem sehr großen öffentlichen Ereignis.
Neubeginn ab 2002
Nach 32 Jahren Pause wurde das Festival 2002 wiederbelebt, zunächst unter dem Namen Rock Island. Es fand nun im Seaclose Park außerhalb von Newport statt. Am 3. Juni 2002 traten unter anderem The Charlatans, Robert Plant mit Strange Sensation, Ash, Starsailor, Hundred Reasons, The Coral und The Bees auf. Die Besucherzahl betrug 35.000.
Auch 2003 und 2004 lag die Besucherzahl bei jeweils 35.000. 2003 traten unter anderem Paul Weller, Iggy Pop, Bryan Adams, The Darkness und Counting Crows auf. 2004 standen unter anderem The Who, Roger Daltrey, Stereophonics, The Charlatans, Suzanne Vega, David Bowie, The Libertines und Snow Patrol im Programm. 2005 stieg die Besucherzahl auf 50.000; genannt werden unter anderem Faithless, Razorlight, Travis, Roxy Music, Babyshambles, R.E.M. und Snow Patrol. 2006 erreichte das Festival 60.000 Besucher, mit Auftritten von The Prodigy, Placebo, Foo Fighters, Primal Scream, Coldplay, Richard Ashcroft und Lou Reed.
Für die Jahre 2007 bis 2011 nennt der Artikel vor allem die Programme. 2007 traten unter anderem Snow Patrol, Muse, Kasabian, Amy Winehouse, die Rolling Stones, Keane und Paolo Nutini auf. 2008 werden unter anderem Iggy & the Stooges, Kaiser Chiefs, Sex Pistols, The Police, The Kooks und The Zutons genannt. 2009 gehörten Neil Young, Pixies, Stereophonics, The Prodigy, Simple Minds und The Human League zum Programm. 2010 traten unter anderem Jay-Z, Paul McCartney, Pink, The Strokes, Blondie, Florence + the Machine und Spandau Ballet auf. 2011 nennt der Artikel Kings of Leon, Foo Fighters, Pulp, Iggy and the Stooges, Kasabian, Beady Eye, The Script und Jeff Beck.
Filme und Mitschnitte
Das Festival von 1970 ist auch durch Film- und Konzertveröffentlichungen dokumentiert. Genannt wird Isle Of Wight Festival 1970 mit etwa 137 Minuten, erschienen 1995. Später erschien außerdem eine DVD unter dem Namen Message to Love – the Isle of Wight Festival – THE MOVIE mit Dokumentation und Konzertteilen.
Weitere Veröffentlichungen konzentrieren sich auf einzelne Künstler oder Bands des Festivals von 1970. Dazu gehören The Who – Live at the Isle of Wight Festival 1970 (2000, 85 Minuten), Jimi Hendrix – Blue Wild Angel – Live at the Isle of Wight (2004, 154 Minuten), Jethro Tull – Nothing Is Easy: Live at the Isle of White 1970 (2005, 80 Minuten), Emerson Lake & Palmer – The Birth Of A Band – Isle of Wight Festival – Sat August 29th 1970 (2006, 67 Minuten), The Moody Blues – Threshold Of A Dream – Live at the Isle of Wight Festival 1970 (2009, 79 Minuten), The Doors – Live at the Isle of Wight Festival 1970 (2018, 84 Minuten) sowie Leonard Cohen: Live at the Isle of Wight 1970 von Murray Lerner aus dem Jahr 2009 mit 64 Minuten.