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Internationales Gleichgewicht

Unter dem internationalen Gleichgewicht versteht man eine ausgeglichene Außenhandelspolitik. Es gilt Weltnachfrage = Weltangebot. In der Literatur wird …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und gesamtwirtschaftlicher Zusammenhang
  2. 2. Gütermarktgleichgewicht und seine Bestandteile
  3. 3. Ermittlung des internationalen Gleichgewichts
  4. 4. Wirkung eines Zolls
  5. 5. Außenwirtschaftliche Bilanzen und Wechselkurs

Grundidee und gesamtwirtschaftlicher Zusammenhang

Das internationale Gleichgewicht bezeichnet eine ausgeglichene Außenhandelspolitik. Es liegt vor, wenn Weltnachfrage und Weltangebot übereinstimmen. In der Literatur wird dieser Zusammenhang auch als Weltgleichgewicht bezeichnet.

Zum Verständnis dient zunächst das marktwirtschaftliche Gleichgewicht: Ein Markt befindet sich im Gleichgewicht, wenn angebotene und nachgefragte Menge eines Produkts bei einem bestimmten Preis übereinstimmen. Verändern sich Angebot oder Nachfrage, entsteht ein neues Gleichgewicht bei anderen Preisen. In der Makroökonomie werden drei Gleichgewichte unterschieden: Gütermarktgleichgewicht, Geldmarktgleichgewicht und Arbeitsmarktgleichgewicht.

In einer offenen Volkswirtschaft, also einer Volkswirtschaft mit Außenhandel, beeinflusst der Wechselkurs das Gleichgewicht. Veränderungen des Wechselkurses wirken auf Importe, Exporte und damit auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Verschiebt sich die Nachfragefunktion Z, setzt ein Multiplikatorprozess ein, durch den sich Produktion und Angebot anpassen. Das Ziel ist erneut ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage: Y (Angebot) = Z (Nachfrage).

Gütermarktgleichgewicht und seine Bestandteile

Das Gütermarktgleichgewicht wird durch die Formel Y = Z beschrieben. Y steht für Produktion und Einkommen. Diese Gleichsetzung setzt voraus, dass keine Lagerbestände vorhanden sind; andernfalls würden Angebot und Nachfrage nicht unmittelbar übereinstimmen.

Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage lautet:

Z = C + I + G − IM + X

Dabei sind C der Konsum, I die Investitionen, G die Staatsausgaben, IM die Importe und X die Exporte. Importe und Exporte treten nur in einer offenen Volkswirtschaft auf.

Der Konsum hängt vom verfügbaren Einkommen Y − T ab, wobei T für gezahlte Steuern abzüglich Transferleistungen steht:

C = C₀ + C₁ · (Y − T)

Nach dem Artikel bezeichnet C₀ die marginale Konsumquote, also den Anteil des Einkommens Y, den private Haushalte in die nächstmögliche Einkommenseinheit investieren beziehungsweise konsumieren und nicht sparen. C₁ bezeichnet den autonomen Konsum, der auch ohne verfügbares Einkommen als eine Art Existenzsicherungskonsum anfällt.

Die Investitionen hängen von der Produktion Y und dem realen Zinssatz r ab. Je höher r ist, desto weniger wird investiert, weil der Zinssatz die Kosten der Fremdkapitalaufnahme darstellt. Steigt die Produktion und damit das Einkommen, wird auch mehr investiert. Die Staatsausgaben G sind exogen gegeben; dazu gehören staatliche Käufe von Waren und Dienstleistungen, etwa durch Gemeinden, Länder und den Bund.

Die Importe IM hängen von Y und dem Wechselkurs W ab. Steigt Y, nimmt die inländische Nachfrage und damit auch die Nachfrage nach ausländischen Gütern zu. Nach der Darstellung des Artikels steigen die Importe positiv mit Y und negativ mit W. Die Exporte X entsprechen der ausländischen Nachfrage nach inländischen Gütern. Sie hängen von der ausländischen Produktion beziehungsweise dem ausländischen Einkommen Y* und vom Wechselkurs W ab. Steigt die ausländische Produktion, wachsen die Einkommen und die Nachfrage nach inländischen Gütern. Steigt der Wechselkurs, werden inländische deutsche Güter für das Ausland günstiger; dadurch steigen die Exporte.

Zusammengefasst gilt:

Z = C₀ + C₁ · (Y − T) + I(Y,r) + G − IM(Y,W) + X(Y*,W)

Bei einem Nachfrageüberhang, einem Verkäufermarkt, wird die Produktion erhöht, wodurch auch das Angebot steigt. Bei einem Angebotsüberschuss, einem Käufermarkt, wird die Produktion gesenkt. Nach Abschluss des Anpassungsprozesses befinden sich Angebot und Nachfrage wieder im Gleichgewicht. Voraussetzung sind freie Preisbildung und eine Vielzahl von Anbietern.

Ermittlung des internationalen Gleichgewichts

Zur Veranschaulichung wird ein Modell mit zwei Ländern verwendet: Inland und Ausland. Beide Länder produzieren und konsumieren Weizen. Der Weizen kann kostenfrei zwischen den Ländern transportiert werden, und in beiden Ländern herrscht auf dem Weizenmarkt vollständiger Wettbewerb. Die Preise unterscheiden sich zunächst zwischen Inland und Ausland, weil nur dann Außenhandel entsteht. Der Wechselkurs bleibt von der Außenhandelspolitik unberührt; die Preise werden für beide Märkte in der Inlandswährung angegeben.

Für die Ermittlung werden zwei Kurven bestimmt:

  • Die Importnachfragekurve zeigt die Menge, die die Konsumenten im Inland über das inländische Angebot hinaus nachfragen.
  • Die Exportangebotskurve zeigt den Überschuss, den das Ausland produziert, ohne dass die ausländischen Konsumenten ihn nachfragen.

Die Kurven ergeben sich aus den jeweiligen Preis-Mengen-Verhältnissen von Anbietern und Nachfragern. Die Importnachfragekurve verläuft fallend: Steigt der Weizenpreis, sinkt die nachgefragte Menge; bei einem ausreichend hohen Preis importiert das Inland keinen Weizen mehr und produziert stattdessen auf Lager. Im Marktgleichgewicht besteht kein inländischer Nachfrageüberschuss und es werden keine Mengen importiert.

Die Exportangebotskurve verläuft dagegen steigend. Mit steigenden Preisen sinkt die Nachfrage der ausländischen Konsumenten, während mehr produziert und exportiert werden kann. Im Gleichgewicht liegt kein Angebotsüberschuss vor und es werden keine Mengen exportiert.

Das internationale Gleichgewicht entsteht, wenn die Importnachfrage des Inlandes dem Exportangebot des Auslandes entspricht:

Importnachfrage = Exportangebot

Daraus folgt:

Inlandsnachfrage − Inlandsangebot = Auslandsangebot − Auslandsnachfrage

Durch Umstellen erhält man:

Inlandsnachfrage + Auslandsnachfrage = Inlandsangebot + Auslandsangebot

Dies ist gleichbedeutend mit:

Weltnachfrage = Weltangebot.

Wirkung eines Zolls

Aus Sicht der Anbieter wirken Zölle wie Transportkosten. Anbieter sind erst dann zum Export bereit, wenn der Preisunterschied zwischen Inland und Ausland mindestens so hoch ist wie der Zollbetrag.

Ohne Zoll besteht zunächst das zuvor beschriebene internationale Gleichgewicht. Wird ein Zoll eingeführt, sind ausländische Anbieter zunächst nicht mehr bereit zu exportieren. Es findet kein Handel statt; im Inland entsteht ein Nachfrageüberhang, im Ausland ein Angebotsüberhang. Im Inland steigen daraufhin die Preise, und mehr Anbieter bieten zu den höheren Preisen an. Im Ausland sinken die Preise, wodurch die Nachfrage zunimmt.

Der Handel setzt wieder ein, sobald der Preisunterschied zwischen Inland und Ausland der Höhe des Zollbetrags entspricht. Wegen der zwischenzeitlich gesunkenen Auslandspreise können die Anbieter den Zoll nicht vollständig auf die Konsumenten überwälzen. Ein Teil des Zolls wird von den Anbietern und ein Teil von den Nachfragern getragen. Außerdem sinkt das Handelsvolumen.

Außenwirtschaftliche Bilanzen und Wechselkurs

Für ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht sollen die Teilbilanzen eines Staates, insbesondere Devisenbilanz und Leistungsbilanz, ausgeglichen sein. Das bedeutet, dass die Summe der Exporte der Summe der Importe entspricht. Ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht gilt als wichtige Voraussetzung für einen lebhaften Handel mit anderen Nationen. Eine stabile Geldpolitik in Verbindung mit Vollbeschäftigung fördert nach dem Artikel ebenfalls das internationale Gleichgewicht.

Die Leistungsbilanz zeigt die Veränderungen der Nettoforderungen gegenüber dem Ausland. Ein Leistungsbilanzüberschuss ist erstrebenswert. Bei einem Leistungsbilanzdefizit können Finanzierungsprobleme entstehen. Ein langfristiges Defizit muss über den Außenhandel ausgeglichen werden, indem stärker exportiert und weniger importiert wird. Als Maßnahmen nennt der Artikel Exportsubventionen und Importrestriktionen.

Die Devisenbilanz wird bei freier Marktpreisbildung durch Angebot und Nachfrage automatisch ausgeglichen. Wechselkursanpassungen führen zu einer Aufwertung oder Abwertung der Währung. In Wachstumszeiten steigen die Güterpreise und damit der reale Wechselkurs. Ein steigender Wechselkurs erhöht die Nachfrage nach Importen, weil ausländische Güter in inländischer Währung günstiger werden. Zugleich sinkt die Nachfrage nach Exporten, weil inländische Güter für Ausländer teurer werden. Eine Aufwertung verschlechtert dadurch Handels- und Leistungsbilanz. Eine Abwertung des realen Wechselkurses wirkt umgekehrt: Die Exportnachfrage steigt, die Importnachfrage sinkt und die Leistungsbilanz verbessert sich.

Der J-Kurven-Effekt beschreibt, dass sich die Handelsbilanz trotz einer Abwertung der inländischen Währung zunächst verzögert verbessert. Kurzfristig kann sich die Handelsbilanz verschlechtern, weil Exporte und Importe zunächst nicht auf die Abwertung reagieren. Mittel- bis langfristig passen sich die Mengen gemäß der Elastizitätsbedingung an. Mit dem Handelsbilanzsaldo steigt dann auch der Leistungsbilanzsaldo.

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