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Herbert José de Sousa
Er ist Begründer der größten Bürgerinitiative in der Geschichte von Brasilien. Unter seiner Anleitung wurden Millionen armer Menschen mit Nahrung versorgt und …
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Bedeutung und Wirken
Herbert José „Betinho“ de Sousa, auch „Betinho“ de Souza, war ein brasilianischer Soziologe und Aktivist. Er setzte sich gegen wirtschaftliche Ungerechtigkeit und eine korrupte Regierung ein. Besonders wichtig wurde seine Arbeit im Kampf gegen Hunger und soziale Ausgrenzung. Er gründete das Instituto Brasileiro de Análise Social e Econômica (IBASE), eines der angesehensten Institute für Sozialstudien in Brasilien, und begründete die größte Bürgerinitiative in der Geschichte Brasiliens. Unter seiner Anleitung wurden Millionen armer Menschen mit Nahrung versorgt und durch Behörden registriert.
Ausbildung, Widerstand und Rückkehr
Herbert José de Sousa wurde am 13. November 1935 in Bocaiúva im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais als Sohn eines Gefängnisbeamten geboren. Da er Bluter war, lernte er, sich mit Worten zu verteidigen und Verletzungen zu vermeiden. Im Alter von 15 Jahren erkrankte er an Tuberkulose und verbrachte drei Jahre in strenger Quarantäne in einem Gartenhaus, weil seine Familie kein Geld für Medikamente hatte.
Nach seiner Genesung holte er die verlorene Zeit nach, beendete die Schule und studierte Soziologie. Danach engagierte er sich in der Juventude Universitária Católica (JUC, Katholische Studierende Jugend) und im nationalen Studentenverband. Er war Mitgründer und Leiter der sozialen und politischen Bewegung „Ação Popular“.
Nach dem Militärputsch von 1964 stand sein Name auf den Fahndungslisten. Fünf Jahre lang lebte er im Untergrund und verwendete den Decknamen „Wilson“. In Rio de Janeiro und São Paulo gehörte er zur Widerstandsgruppe „Nummer 31“. Nachts klebte er Plakate, tagsüber verkaufte er maskiert selbstgenähte Ledertaschen.
Später floh er nach Chile. Präsident Salvador Allende ernannte ihn dort zum Berater für die Agrarreform. Nach dem Militärputsch in Chile 1973 musste er mit seiner Frau Maria Nakao fliehen. In Kanada promovierte er als Soziologe; anschließend lehrte er an der Universidad Nacional Autónoma de México in Mexiko-Stadt. Nach einer Amnestie der Generäle kehrte er 1979 nach Brasilien zurück und gründete in Rio de Janeiro IBASE.
1986 erfuhren Betinho und seine beiden Brüder, die ebenfalls Bluter waren, dass sie sich durch Injektionen von Blutprodukten mit Aids infiziert hatten. Seine Brüder erkrankten schnell, während Betinho die Krankheit jahrelang in sich trug, ohne dass sie ausbrach. Er überbrachte seinen Brüdern, die in unterschiedlichen Krankenhäusern behandelt wurden, bis zu ihrem Tod gegenseitig Nachrichten. Nach ihrem Tod verstärkte er seine Arbeit für IBASE und andere Organisationen. 1997 starb er in Rio de Janeiro an den Folgen seiner Infektion mit HIV und Hepatitis C.
Die Bürgeraktion gegen das Elend
Die Grundlagen von Betinhos Bürgerinitiative entstanden 1992. Der damalige Staatspräsident Fernando Collor de Mello geriet unter Korruptionsverdacht. Nach landesweiten Protesten trat Collor zurück. Die Sprecher der Demonstranten wollten die Kraft dieser Entrüstungswelle für den Kampf gegen den Hunger nutzen. Unter dem Leitgedanken „Demokratie und Hunger sind unvereinbar“ überzeugten sie den neuen Präsidenten Itamar Franco, die „Bürgeraktion gegen das Elend“ öffentlich zu unterstützen.
Die Initiative bestand aus Komitees, die Verantwortung für ihren eigenen kleinen Landkreis übernahmen. Bis 1994 gab es 9000 Komitees mit fast einer Million Mitgliedern. Sie beteiligten sich selbstbewusst an der Arbeit von Behörden und Politikern. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit war kostenlose Nachbarschaftshilfe, bei der jeder nach seinen eigenen Fähigkeiten half. Außerdem registrierten Behörden Menschen in Slums und Armenvierteln.
Eine Ansprache von Präsident Franco am 23. Juni 1993 verstärkte die Bewegung entscheidend. Die brasilianischen Fernsehsender unterbrachen ihr Programm für eine Sondersendung, in der der Präsident die Ergebnisse einer Studie veröffentlichte: Danach gab es in Brasilien 32 Millionen hungernde Menschen. Innerhalb weniger Monate entstanden 4000 neue Komitees.
Zusätzlich organisierte man große Spendenaktionen, bei denen Betinho als Stargast sprach. Der Eintritt kostete jeweils ein Kilogramm Lebensmittel. Mitte 1994 sagte Präsident Franco 400.000 Tonnen Getreide zu. Trotz Protesten von Regierungsmitgliedern verteilten die Komitees diese Spende innerhalb eines Jahres.