Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Herbert Jelitte

Herbert Jelitte (* 11. Februar 1933 in Peiskretscham, Kreis Tost-Gleiwitz, Provinz Oberschlesien; † 7. November 2000 in Gießen) war ein deutscher Slawist, …

Inhalt2 Abschnitte
  1. 1. Person und wissenschaftliches Profil
  2. 2. Forschung und Veröffentlichungen

Person und wissenschaftliches Profil

Herbert Jelitte (* 11. Februar 1933 in Peiskretscham, Kreis Tost-Gleiwitz, Provinz Oberschlesien; † 7. November 2000 in Gießen) war ein deutscher Slawist, Sprachwissenschaftler und Hochschullehrer. Als Slawist erforschte er Sprachen und Kulturen des slawischen Raums. Der Schwerpunkt seiner zahlreichen Veröffentlichungen lag auf der Sprachwissenschaft des Russischen, besonders auf Wortbildung, Wortarten, Grammatik und Textstruktur.

Nach der Reifeprüfung 1955 am Humanistischen Gymnasium in Wiesbaden studierte Jelitte von 1955 bis 1960 Slawistik, Geschichte und Politikwissenschaft an der Universität Frankfurt/M. Dort promovierte er 1960 bei Alfred Rammelmeyer zum Dr. phil. 1961 legte er das erste Staatsexamen für den höheren Schuldienst, also das Lehramt an Gymnasien, ab.

Von 1962 bis 1969 war Jelitte wissenschaftlicher Assistent an der Universität Gießen. Dort habilitierte er sich 1969 für Slawische Sprachwissenschaft. Die Habilitation ist eine wissenschaftliche Qualifikation, die zur Hochschullehre befähigt. Nach einer Umhabilitation lehrte er 1969 bis 1970 als Dozent an der Universität Göttingen. 1971 wurde er als Nachfolger von Heinz Wissemann ordentlicher Professor für Sprachen und Kulturen des Mittelmeerraums und Osteuropas im Fachbereich Slavische Sprach- und Literaturwissenschaft der Universität Gießen. 1972/1973 war er Dekan des Fachbereichs 11. Seine Nachfolgerin auf dem Lehrstuhl wurde 2001 Monika Wingender.

Für seinen wissenschaftlichen Austausch mit Universitäten in Osteuropa erhielt Jelitte 1999 die Ehrendoktorwürde der Universität Kazan, einer Partneruniversität der Universität Gießen. Seit 1976 gab er außerdem die beim Peter Lang Verlag erscheinende Reihe Beiträge zur Slavistik heraus. Privat war er katholisch, seit 1962 mit Christel Jelitte, geborener Bastian, verheiratet und lebte in Waldems-Niederems.

Forschung und Veröffentlichungen

Jelittes Arbeiten behandeln zentrale Bereiche der russischen Sprachwissenschaft. Seine Dissertation Studien zum Adverbium und zur adverbialen Bestimmung im Altkirchenslavischen. Eine morphologisch-syntaktische Untersuchung erschien 1961 und war zugleich seine Frankfurter Dissertation von 1960. Sie untersucht das Adverb und die adverbiale Bestimmung, also Satzteile, die etwa Umstände einer Handlung näher bestimmen, im Altkirchenslavischen.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Textlinguistik. Als Herausgeber veröffentlichte Jelitte 1976 die zweibändige Sowjetrussische Textlinguistik. In Formen der Textkohärenz im Russischen. Eine Einführung in die Textstruktur (1978) befasste er sich mit Textkohärenz, dem sprachlichen Zusammenhang, durch den einzelne Sätze einen verständlichen Text bilden. Transformationsarten und Transformationsanalysen. Einführung in die Transformationsgrammatik des Russischen (1977) führte in die Transformationsgrammatik ein, die Beziehungen zwischen unterschiedlichen Satzformen untersucht.

Besonders umfangreich erforschte Jelitte russische Nomina abstracta. Das sind abstrakte Substantive, also Nomen für Begriffe oder Eigenschaften. Seine Habilitationsschrift Die abstrakten Nominalbildungen im Russischen. Ein Beitrag zur altrussischen Wortbildung und Wortforschung erschien 1982 in zwei Bänden. Daran schlossen sich Arbeiten zu russischen Nomina abstracta des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts (1984/1992), des 19. Jahrhunderts (1987/1988) sowie des 20. Jahrhunderts (1990/1991) an. Damit behandelte er Wortbildung und Wortforschung über mehrere Epochen der russischen Sprache.

Spätere Vorlesungsbände widmeten sich grundlegenden grammatischen Themen: Generus, Numerus und Kasus im Russischen (1997), Rußland und das Russische in vorhistorischer und vorrussischer Zeit (1998) sowie Die Wortarten im Russischen (1999). Genus bezeichnet das grammatische Geschlecht, Numerus die Einzahl oder Mehrzahl und Kasus den Fall eines Nomens. Lexikalisch-semantische Wortstrukturen im Russischen erschien 2001.

Daneben gab Jelitte zahlreiche Sammelbände heraus, teils gemeinsam mit anderen Forschenden. Dazu gehören Vergleichende Studien zur polnischen Sprache und Literatur (1982), Die Beziehungen der Wortbildung zu bestimmten Sprachebenen und sprachwissenschaftlichen Richtungen (1991), deutsch-russische Sprach-, Literatur- und Kulturbeziehungen sowie Studien zum Russischen vom 11. bis zum 18. Jahrhundert. Mit Nina Schindler gab er 2000 das Handbuch zu den modernen Theorien der russischen Wortbildung heraus. Eine Festschrift zu seinen Ehren, Florilegium Slavicum. Liber ad honorandum Herbert Jelitte, erschien 1998, herausgegeben von Elena Bogdanova und Margot Sobieroj.

Weiterlesen